Kronach

Campus gefährdet Krankenhaus

Wenn Regiomed seine Pläne auf dem einstigen BGS-Gelände verwirklicht, wird das wohl auch die Neustadter Patienten betreffen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das frühere BGS-Gelände soll zum Gesundheits-Campus werden. Foto: Volkmar Franke / www.hochbild-design.de
Das frühere BGS-Gelände soll zum Gesundheits-Campus werden. Foto: Volkmar Franke / www.hochbild-design.de
Es war eigentlich nur ein schnell dahingesagter Satz, den Joachim Bovelet am Donnerstag in der Stadtratssitzung fallen ließ, als er den Stand in Sachen Gesundheitscampus auf dem BGS-Gelände erläuterte. Für das Neustadter Krankenhaus hat dieser Satz aber weitreichende Folgen, denn sinngemäß sagte der Hauptgeschäftsführer des Klinikverbunds Regiomed, dem Konzept des Gesundheitscampus liege die "Verschmelzung des Neustadter und des Coburger Klinikums" zugrunde - also das Aus für das Neustadter Krankenhaus. Davon war bisher in dieser Deutlichkeit noch nie die Rede gewesen. Der Neustadter Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) zum Beispiel war bisher davon ausgegangen, dass "Verschmelzung" lediglich strukturell und organisatorisch bedeute, das Krankenhaus aber weiterhin an seinem Standort bleiben würde.
Der Coburger FDP-Stadtrat Hans-Heinrich Eidt wollte es am Donnerstag von Bovelet genauer wissen, doch seine Frage, was denn aus dem Neustadter Krankenhaus werden solle, blieb in der Sitzung unbeantwortet. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hatte schon Eidts Vorrednerinnen mehrmals ermahnt, dass es hier und heute nur um die Änderung des Flächennutzungsplans beziehungsweise die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das BGS-Gelände gehe - und zum Gesundheitscampus an sich keine Fragen beantwortet würden.
Vor dem Saal bestätigte Joachim Bovelet auf Tageblatt-Nachfrage, dass der Standort Neustadt tatsächlich geschlossen würde, wenn der Gesundheitscampus verwirklicht wird. "Die stationäre Versorgung, die zur Zeit in Neustadt stattfindet, wird dann auf dem neuen Gelände stattfinden. Wir wollen auf Dauer der Forderung der Landesregierung Rechnung tragen, dass kleinste Standorte, die unter besonderen Problemen leiden, dauerhaft in größeren Standorten aufgehen."
Das Neustadter Krankenhaus war zwischen 2001 und 2005 für knapp 16 Millionen Euro saniert worden. Im Zuge der Sanierung war zum Beispiel 2005 ein zweiter Operationssaal in Betrieb genommen worden. Stand Sommer 2017 zählte das Krankenhaus 73 Betten und 100 Mitarbeiter.


Alternativen werden geprüft

Derzeit, das hatte Bovelet zuvor auch in der Stadtratssitzung schon erläutert, werde geprüft, welche Alternativstandorte für den Gesundheitscampus noch in Frage kämen. Das BGS-Gelände stehe zur Verfügung, aber was noch wichtiger sei: "Wenn wir das jetzt nicht nutzbar machen, mit unserer Idee, dann sehe ich die Gefahr, dass das Gelände auf Dauer so bleibt, wie es ist. Bisherige Versuche, das Gelände zu revitalisieren, sind gescheitert."
Der Vorteil des BGS-Geländes sei seine gute Erreichbarkeit, gerade auch von Neustadt aus. "Es hat die ausreichende Größe, bietet für die Inhalte, die wir auf dem Campus vorsehen, alle Möglichkeiten", zählte Bovelet auf. Natürlich spiele die Frage nach dem Preis eine große Rolle. Wie er in der Sitzung berichtet hatte, habe es erst am Mittwoch erstmals Verhandlungen mit der Eigentümerin des BGS-Geländes, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), gegeben. Im Grunde sei man sich einig geworden, nur was die Altlasten- und Kampfmittelbeseitigung angehe, habe man noch unterschiedliche Vorstellungen. Bovelet geht davon aus, dass sich die Parteien binnen zwei Monaten einig werden.
SPD-Stadträtin Petra Schneider nahm Bovelet vor der Tür des Saales noch einmal zur Seite, um ihm einige deutliche Worte mitzugeben. Insbesondere störte sie sich an Bovelets Auftreten. In der Sitzung hatte sie unter anderem kritisiert, es hätte längst ein Gutachten und auch einen Grundsatzbeschluss darüber geben müssen, was mit dem Klinikum geschehen solle. Ähnlich sah es ihre Partei-Genossin Bettina Lesch-Lasaridis: "Wir sind nicht das Gremium, das das entscheidet, aber wir sind die Kommune, die mit so einem Projekt leben und dazu sicher auch einen finanziellen Beitrag leisten muss."
Bovelet konterte, hier werde nichts "aus der Lamäng" entschieden, es gebe ein Gutachten, das die Sanierungskosten auf 314 Millionen Euro beziffere (siehe Infokasten). Außerdem handle er doch nur nach den Satzungen, die der Stadtrat mitbeschlossen habe. Zu Lesch-Lasaradis sagte er: "Das ist doch Ihr Krankenhaus! Ich bin nur derjenige, der Ihnen das Problem vor Augen führt, das Sie haben!"
Die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das einstige BGS-Gelände segnete der Stadtrat am Ende ab - jeweils gegen die Stimme von Andreas Gehring (SPD).
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren