Lichtenfels
Gericht

Busfahrers Stinkefinger kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden

Galt der Stinkefinger eines Busfahrers zwei jungen Mädchen? Und hat die beleidigende Geste so überhaupt stattgefunden? Ein Verfahren um Beleidigung fand am Dienstag im Amtsgericht statt. Der 20. Mai 2...
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Galt der Stinkefinger eines Busfahrers zwei jungen Mädchen? Und hat die beleidigende Geste so überhaupt stattgefunden? Ein Verfahren um Beleidigung fand am Dienstag im Amtsgericht statt.

Der 20. Mai 2019 wird zwei Schülerinnen noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil die eine von ihnen die andere vor einem herannahenden Bus von der Straße zog, sondern auch wegen des knapp fünf Monate späteren Gerichtsverfahrens. Das hatte zu tun mit dem Busfahrer, der über einen Strafbefehl angehalten war, 600 Euro zu zahlen. Dagegen legte der Mann Einspruch ein. Hintergrund des Ganzen: Er soll den beiden Zwölfjährigen im Vorbeifahren den Mittelfinger, den sogenannten Stinkefinger, gezeigt haben. Eine Schmähgeste, die schon in der Antike bekannt war und die es erstmalig 1886 auf eine Fotografie schaffte.

Vor Richter Alexander Zenefels und Staatsanwalt Mario Geyer erklärte der im Landkreis Lichtenfels lebende 64-jährige Busfahrer, dass diese Geste nie stattgefunden habe. "Den Stinkefinger habe ich in meinem Leben noch nie gezeigt", so der Mann, der von Rechtsanwalt Daniel Linster vertreten wurde.

Mit rechts oder mit links?

Er sei damals durch eine eng zugeparkte Straße in Bad Staffelstein gefahren und plötzlich hätten die Mädchen vor dem Bus gestanden. Bei dieser Gelegenheit erläuterte der Mann aus seiner Sicht die schwierigen Straßenverhältnisse, die von der Polizei einst nachgemessen wurden. Um den Sachverhalt zu ergründen, wurde der Mann auch gefragt, ob die Mädchen damals in irgendeiner Weise mit ihm zu kommunizieren versucht hätten. "Ich hab' jedenfalls nix gehört", so seine Antwort, die aber in Bezug auf den ausgefahrenen Mittelfinger eine Einschränkung erhielt: "Ich habe keinen Stinkefinger gezeigt. Wenn ich eine Bewegung gemacht haben soll, die darauf hindeutete, tut es mir leid." Was der Mann getan haben soll, habe sich den Mädchen über den Rückspiegel des Busses vermittelt. Aber dazu, das stellte Linster fest, hätte sein Mandant den Finger der rechten Hand in den linken Außenspiegel des Busses halten müssen, was er für fraglich hielt. Die Zeugenaussagen der beiden Mädchen, die während ihrer Vernehmung Wert darauf legten, neben Elternteilen zu sitzen, waren annähernd deckungsgleich. Und sie bekräftigten, die als obszön gewertete Geste selbst gesehen, sich angesprochen gefühlt und geärgert zu haben. Allerdings erklärte ein Mädchen, dass es die linke Hand gewesen sei, während das andere von der rechten Hand sprach. Einen Freispruch sollte der Mann nicht bekommen, eine Verurteilung aber auch nicht. Aber so etwas wie einen Denkzettel. Gegen Zahlung von 150 Euro wurde das Verfahren eingestellt.

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