LKR Forchheim
forchheim.inFranken.de  Für die Kirchweihen werden die Bäume aus dem Staatsforst geholt.

Burschen holen Fichte ab

Der letzte Oktobersonntag ist "Allerweltskerwa" - ein einheitlicher Termin für Kirchweihfeste, den die Obrigkeit ihrem Volk im 19. Jahrhundert verordnet hat. Damit sollte die ausufernde Feierei an unz...
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Förster Erich Daum ist dabei, als die Hallerndorfer Kerwasburschen den stattlichen Kirchweihbaum aus dem Staatswald holen.  Foto: Matthias Erlwein
Förster Erich Daum ist dabei, als die Hallerndorfer Kerwasburschen den stattlichen Kirchweihbaum aus dem Staatswald holen. Foto: Matthias Erlwein

Der letzte Oktobersonntag ist "Allerweltskerwa" - ein einheitlicher Termin für Kirchweihfeste, den die Obrigkeit ihrem Volk im 19. Jahrhundert verordnet hat. Damit sollte die ausufernde Feierei an unzähligen Kirchweihfesten eingegrenzt werden.

Rund um diesen prägnanten Kalendertermin finden in der Region die letzten Kirchweihfeste statt. Meist werden dort die alten Traditionen gepflegt. Eine davon ist das "Kirchweihbaum-Aufstellen", bei dem die kräftigen Dorfburschen eine stattliche Fichte aus dem Wald holen und sie im Ort - bunt geschmückt - mit viel Krafteinsatz wieder in die Senkrechte hieven. Viele dieser Kirchweihbäume im Landkreis stammen aus dem Staatswald.

Die Bayerischen Staatsforsten unterstützen das Brauchtum und weisen den Kerwasburschen für einen "Anerkennungspreis" von 20 Euro einen passenden Kirchweihbaum an. "Der muss gerade, rund gewachsen, lang und schlank und in jedem Fall mit einer perfekten Krone gewachsen sein", weiß Förster Erich Daum vom Forstrevier in Oesdorf. "Und jedes Jahr natürlich dicker und länger", fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

So um die 15 bis 20 Bäume im Landkreis werden für die Kirchweihbräuche angewiesen. Samt "Ersatzbäumen", denn das unfallfreie Fällen der Fichten ist gar nicht so einfach. Manchmal bricht die Krone beim Fallen ab oder der Baum bricht in der Mitte entzwei. Solche Bäume sind dann nicht mehr als Kirchweihbäume geeignet.

In Hallerndorf, wo am dritten Sonntag im Oktober das Kirchweihfest gefeiert wird, müssen die Kerwasburschen ihren Baum nicht selber fällen. Dafür ist Markus Stilkerich zuständig. Er ist Holzfäller bei den Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Forchheim und wohnt in Hallerndorf. Selbstverständlich für ihn, die prestigeträchtige Fichte für seinen Heimatort selbst zu fällen. Und das ist gar nicht so einfach. Im Gegensatz zum "normalen" Baumfällen muss man dabei schon darauf achten, dass der Baum beim Fallen keinen Schaden nimmt. "Dafür lasse ich eine größere Bruchleiste stehen, dann fällt der Baum langsamer", verrät Stilkerich die Technik. Doch auch immer gelingt es selbst dem Experten nicht auf Anhieb.

"Heuer ist mir beim ersten Baum die Spitze abgebrochen. Sie ist auf einem Stumpf gefallen. Über 25 Meter sind die Bäume lang, da kann man den Fall der Krone nicht auf den Zentimeter hinbekommen", gibt er zu bedenken. Dass die Kirchweih in Hallerndorf am Termin der "Allerweltskerwa" gefeiert wird, kann Pfarrer Matthias Steffel plausibel erklären: "Es ist einfach so, dass bei vielen Kirchen das Weihedatum im Lauf der Jahrhunderte nicht überliefert ist. So auch in Hallerndorf. Und da hat man dann einheitlich den dritten Sonntag im Oktober genommen."

Nicht, dass also jemand meint, die Hallerndorfer wurden reglementiert, weil sie so gerne feiern. Matthias Erlwein

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