Die Bedrohung zweier Polizisten mit einem Messer und der anschließende Widerstand gegen seine Festnahme bringen einen angeblichen Palästinenser unbekannten Alters und dubioser Herkunft für ein Jahr und sieben Monate hinter Gitter. Auf dem Bahnhof in Hirschaid hatte der Mann zuerst eine Passantin in Angst und Schrecken versetzt und dann angekündigt, nach Berlin fahren zu wollen, um seinen Vater "abzustechen".

Es ist der 25. April 2018 am sonst so beschaulichen Bahnhof in Hirschaid. Kurz vor 21 Uhr hat eine junge Frau, die auf einen Zug wartet, eine unliebsame Begegnung. Ein Mann läuft mit einem 20 Zentimeter langen Dolch auf dem Bahnsteig umher und fragt, wann der nächste Zug nach Berlin fahre. Dort wolle er seinen Vater "abstechen". Die Frau kommt mit dem Schrecken davon und ruft aus sicherer Entfernung die Polizei. Als die Streifenbesatzung das Gelände betritt, ist sie auf alles vorbereitet. Einer der beiden Beamten hat eine Maschinenpistole dabei. Ein zweites Fahrzeug samt Hundeführer nähert sich von hinten.

Als der Palästinenser die uniformierten Einsatzkräfte sieht, zieht er erneut sein Messer, das er zwischenzeitlich in einer Scheide am Gürtel verstaut hat. Der zweite Polizeibeamte zieht seine Dienstwaffe und legt an. "Er war nur drei bis vier Meter entfernt. Ich hatte Angst." Das Messer zielt in Richtung der Uniformierten. Es folgt eine Ausholbewegung. Und zwei Schritte. "Hätte er sich noch weiter auf uns zubewegt, hätte ich geschossen", so der Streifenpolizist.

Zu zweit schreien sie auf den Palästinenser ein, er solle das Messer fallen lassen. Als er das nach endlos scheinenden Sekunde tut, nutzt der der dritte Mann den Überraschungsmoment, kommt von hinten und bringt den nun Entwaffneten zu Boden. Dort unten wehrt sich der Palästinenser nach Leibeskräften, tritt um sich, rollt herum, so dass man schon fürchtet, er könne ins Gleisbett fallen. "Wir mussten mit ganzer Kraft kämpfen." Eine echte Gefahr, von einem Zug überrollt zu werden, besteht jedoch nicht. "Wir haben den Bahnhof kurzzeitig lahmgelegt", so der Hundeführer.

Psychiatrisches Gutachten

Nach der Festnahme kommt der Angeklagte erst einmal ins Klinikum am Michelsberg, um psychiatrisch untersucht zu werden, und um eine Eigen- oder Fremdgefährdung auszuschließen. Wenige Tage später, der gerichtsärztliche Dienst findet keine psychiatrischen Auffälligkeiten und somit auch keine eingeschränkte oder aufgehobene Schuldfähigkeit, wandert er in die Untersuchungshaft in der JVA Bamberg, in der er sich seither befindet.

Vor Strafrichter Fahr wusch der Angeklagte seine gefesselten Hände in Unschuld. Er habe nichts getan, ließ er den Arabisch-Dolmetscher übersetzen. Man wolle ihn nur als verrückt hinstellen. "Dabei sind hier alle verrückt." Er habe den Dolch in einem Mülleimer gefunden. Mehr wollte er nicht sagen, auch nicht, wann und wo er geboren ist. Er sei als "Tourist" nach Deutschland gekommen, nicht um Asyl zu beantragen.

Seit sieben Jahren beschäftigte der selbst ernannte Urlauber nicht nur die Bundespolizei in einer Vielzahl an Vorfällen. Auch die Amtsgerichte in Luckenwalde, Hannover, Köln, Braunschweig und Bamberg "besuchte" der Tourist. Dabei ging es auch schon um handfeste Vorwürfe wie vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung oder Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

"Eine enorme Liste, und alles einschlägiges Zeug", so der Staatsanwalt. Nachdem der Palästinenser zweimal zu Haftstrafen verurteilt worden war und weitere dreimal die Bewährung nicht durchgehalten hatte, sah Staatsanwalt Ralph Zenger diesmal keinen Spielraum mehr. An seinem Plädoyer richtete sich auch das Urteil des Strafrichters Fahr aus: ein Jahr und sieben Monate. Der Anklagevertreter sah keine Punkte zugunsten des Angeklagten, der sich in diese gefährliche Situation selbst gebracht habe.

Auf verlorenem Posten stand Rechtsanwalt Ralf Kämmer (Bamberg), der nur noch um Schadensbegrenzung bemüht war. Er machte ein Kommunikationsproblem aus, da der Angeklagte kein Deutsch spräche. Was einer der Polizeibeamten kommentierte, er könne im Dienst ja nicht alle 192 Sprachen beherrschen.