Bamberg

Bürgernähe soll Ängste abbauen

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde startet in Stadt und Landkreis Bamberg eine Islam-Info-Kampagne: "Wir sind alle Deutschland". Eindrücke von ihrer Pressekonferenz im Café Graupner.
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Er trägt ein T-Shirt mit dem Leitmotiv der Aktion.  Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Er trägt ein T-Shirt mit dem Leitmotiv der Aktion. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Marion Krüger-Hundrup

Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, wird nicht nur an Stammtischen heiß diskutiert. Von Alltagserfahrungen über Hysterie bis hin zu Vorurteilen reicht das Spektrum der Debatten und Emotionen. Die meiste Schuld für die Unordnung und den Unfrieden in der Welt wird leicht dem Islam zugeschoben. Muslime unter dem Generalverdacht, allesamt offene oder heimliche Terroristen zu sein.
Und nun kommt die Ahmadiyya Muslim Gemeinde einher und will in Stadt und Landkreis Bamberg eine "Islam-Info-Kampagne" starten mit dem Titel "Wir sind alle Deutschland". Geleitet werden soll die Aktion von dem Motto "Liebe für alle, Hass für keinen". "Wir wollen die Botschaft des Friedens und der Harmonie vermitteln", erklärt Malik Usman Naveed, Imam in Bayern für elf Ahmadiyya Muslim Gemeinden, in der Pressekonferenz im Café Graupner in der Langen Straße.
Der Imam eröffnet das Pressegespräch "im Namen Allahs" und in fließendem Deutsch. Ihm zur Seite sitzt Taha Ijaz, sein Sekretär für den interreligiösen Dialog. Weitere Ahmadis lächeln freundlich und bestätigen alles, was ihr Imam sagt, mit einem Kopfnicken. "Wir möchten zeigen, dass wir in Deutschland verwurzelt sind, und möchten eine positive Komponente des Staates werden", führt der Geistliche weiter aus. Die geplante Info-Kampagne solle dazu dienen, "mit besorgten Bürgern in Kontakt zu treten, um Ängste und Missverständnisse auszuräumen und um zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten zu differenzieren".
Mit einer professionell aufbereiteten Power-Point-Präsentation will der Imam gleich bei den Journalisten damit anfangen. Sie erfahren, dass sich die Ahmadiyya Muslim Jamaat (=Gemeinde) als Reformbewegung im Islam versteht und 1889 in Indien von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad gegründet wurde, dem "Verheißenen Messias". Sein fünfter Nachfolger als spirituelles Oberhaupt der weltweit aktiven Ahmadiyya ist derzeit seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor Ahmad.
In Deutschland leben rund 45 000 Ahmadis, zumeist mit pakistanischen Wurzeln. "Sie sind in den 1970er, 1980er Jahren hierher gekommen, weil sie in Pakistan verfolgt werden", erläutert Imam Naveed. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Ahmadis in Deutschland seien heute Flüchtlinge, die 90 Prozent "sind gut integriert und besitzen mit 45 Prozent Hochschulreifenquote ein hohes Bildungsniveau unter ihren Jugendlichen". Die Ahmaddiyya Muslim Jamaat "ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt", sagt der Imam mit einem gewissen Stolz, rückt aber erst auf Nachfrage unserer Zeitung damit heraus, dass diese Anerkennung bisher nur in Hessen und Hamburg erfolgt ist.


Keine eigene Gemeinde

Sekretär Taha Ijaz räumt ein, dass in Stadt und Landkreis Bamberg nur wenige Ahmadiyya Muslime leben und es daher für sie keine eigene Gemeinde mit Moschee gibt. Die nächstgelegenen größeren Gemeinschaften finden sich in Erlangen, Nürnberg und Würzburg.
Gleichwohl soll in Bamberg die Info-Kampagne durchgeführt werden - als ein Beitrag zur seit zwei Jahren laufenden deutschlandweiten Aktion der Ahmadis "Wir sind alle Deutschland".
Im Februar wird es auf dem Maxplatz einen blauen Informationsstand mit Gesprächspartnern der Ahmadiyya Muslim Jamaat geben, dazu Flyer mit Infos
über den "reformierten Islam" für die Passanten sowie einen Vortrag mit Ausstellung wiederum im Café Graupner. Im März werden Hirschaid, Memmelsdorf und Hallstadt als Kampagnenorte im Fokus stehen. Gemeinsam mit den jeweiligen Bürgermeistern wollen die Vertreter der Ahmadiyya sogenannte Friedensbäume pflanzen: "als Symbol des Friedens und Andenkens, das auf eine bessere Zukunft baut", so Imam Naveed. Zu einer solchen Zukunft könnte nach seiner Meinung auch gehören, gemeinsam mit dem türkischen Imam im Bamberger "Zelt der Religionen" zu beten: "Wir suchen den Dialog auch mit den Mehrheitsmuslimen ...".
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