Trebgast
Interview

Bürgermeisterkandidat Ingo Moos: "Ich will kein Alleinunterhalter sein"

Nachdem Bürgermeister Werner Diersch seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur bei der Kommunalwahl 2020 bekanntgegeben hatte (BR von gestern), hat die SPD/WG-Fraktion im Trebgaster Gemeinderat Ingo...
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Ingo Moos Foto: Dieter Hübner
Ingo Moos Foto: Dieter Hübner

Nachdem Bürgermeister Werner Diersch seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur bei der Kommunalwahl 2020 bekanntgegeben hatte (BR von gestern), hat die SPD/WG-Fraktion im Trebgaster Gemeinderat Ingo Moos als ihren Mann für dieses Amt nominiert. Wir haben uns nach der Zusammenkunft mit ihm unterhalten. Herr Moos, wie lange war die Bedenkzeit? Ingo Moos: Im Dezember hat Werner Diersch signalisiert, dass er aufhören will und das Thema auf mich zukommen könnte. Ich habe nicht gleich Hurra geschrien. Freunde, die ich eingeweiht hatte, sagten: Willst du dir das wirklich antun? Ich habe lange gebraucht, um das Für und Wider abzuwägen, bis ich mir darüber klar war und heute sagen kann: Ja, ich will Bürgermeister von Trebgast werden. Was gab letztlich den Ausschlag für die Zusage? Es waren mehrere Gründe. Zum einen das Vertrauen in unsere SPD/WG-Fraktion und in unseren Ortsverband. Dazu kamen die aufmunternden Zusagen von Gemeinderatsmitgliedern, die mir ihre Unterstützung zugesagt haben. Auch von denen, die voraussichtlich aus Altersgründen 2020 nicht mehr kandidieren werden. Das alles gibt mir einen gewissen Rückhalt. Zum anderen ist die SPD/WG seit Jahren ein Erfolgsmodell in Trebgast.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel aufzeigen: In 2000 hatte die Gemeinde 2,053 Millionen Euro Schulden. Das waren pro Kopf 1181 Euro. 2019 werden wir mit 754 000 Euro und 468 Euro pro Kopf abschließen. Das ist deutlich unter dem Landkreis- und Landesdurchschnitt und zeigt mir als Unternehmer, dass wir in den letzten Jahren extrem solide gewirtschaftet haben. Wir sind vernünftig mit den Haushaltsmitteln umgegangen, die uns zur Verfügung standen, und haben nicht alles gemacht, was von der anderen Seite gerade gefordert wurde. Ich konnte bisher bereits eine Periode dazu beitragen und mitgestalten. Der wichtigste Aspekt: Ich möchte, dass unser schönes Trebgast mit seinen Ortsteilen weiterhin eine lebens- und liebenswerte Gemeinde bleibt. Dabei möchte ich mithelfen. Haben Sie dafür schon Vorstellungen? Ich möchte alle, die das auch wollen, mit einbinden. Ich will kein Alleinunterhalter sein. An erster Stelle steht das Team, egal, ob jemand auf der Liste steht oder nicht. Wir werden zusammen ein Programm ausarbeiten, das zur nächsten Wahl dokumentieren wird: Es gibt keine Alternative zu uns. Können Sie schon etwas konkreter werden? Schlagwörter werden der Kinderhortanbau und - zusammen mit der Kirche - die Erneuerung der Kindertagesstätte sein. Damit können wir unseren Schulstandort aufwerten und sichern. Für junge Familien ist es wichtig, dass ihre Kinder von klein auf bis zur Grundschule im Ort betreut werden. Wichtig ist auch die Unterstützung unserer Vereine. Sie sind der Motor einer Gemeinde. Vielleicht schaffen wir es, dass sie an der einen oder anderen Stelle noch etwas besser zusammenarbeiten und dadurch die eine oder andere Veranstaltung im Ort noch etwas besser funktioniert. Ich denke da im Moment an die Kirchweih in der Ortsmitte oder die Maibaum-Feier. Gibt es noch einige Wunschvorstellungen? Ein Steckenpferd von mir ist der Radweg nach Schlömen. Da muss mehr passieren. Ich denke, dass es uns im Einklang mit der Nachbargemeinde gelingen sollte, eine Lösung zu suchen und auch zu finden. Die Sanierung der Bahnhofsstraße und des früheren Bankgebäudes sowie der Hochwasserschutz in der Berliner Straße, die gerade bei Starkregen besonders gefährdet ist, müssen wir im Fokus behalten. Trotz unserer topografisch schwierigen Lage müssen wir weiterhin darauf schauen, Wohnraum für Familien und Senioren bereitzustellen. Auch, oder gerade, weil Studien des Bayerischen Landesamtes für Statistik bis 2034 für Oberfranken sechs Prozent weniger Einwohner prognostizieren. Der Landkreis würde demnach bis dahin 8000 Einwohner verlieren, Trebgast würde auf 1400 schrumpfen. Wir müssen die Weichen stellen, um diese Statistik außer Kraft zu setzen. Dabei können uns vor allem unsere Vorteile zugute kommen, mit denen wir punkten können: Ich denke da an den öffentlichen Personalverkehr mit einer Bahnverbindung, um die uns viele beneiden, die Naturbühne und den Badesee. Was werden jetzt Ihre nächsten Schritte sein? Ich will alle mitnehmen. Das Ziel ist, dass wir die Mehrheit im Gemeinderat erhalten. Das wird kein Selbstläufer, sondern von allen harte Arbeit verlangen, die dazu mit beitragen wollen. Wir werden den politischen Gegner nicht unterschätzen und wollen mit Argumenten überzeugen. Ich bin überzeugt, dass wir eine Liste mit Frauen und Männern vorlegen können, die bei der Bevölkerung an- und an der niemand vorbeikommt. Ich werde das Beste dafür geben, um Bürgermeister meiner Heimatgemeinde zu werden. Mein Dank gilt dabei Werner Diersch, von dem ich in den letzten Jahren viel gelernt habe. Und natürlich meiner Frau Yvonne, bei der ich schon einige Überzeugungsarbeit leisten musste, damit sie jetzt hinter mir steht. Das Gespräch führte Dieter Hübner.

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