Ebern
Begräbniswald

Bürgerinitiative in Ebern fordert Taten, der Bürgermeister wartet auf Stadtrats-Initiativen

Vor mehr als drei Monaten hatte der Stadtrat beschlossen, das Anliegen weiter voranzutreiben. Doch seither herrschte Ruhe, man ist geneigt zu schreiben Grabesstille in Ebern, wenn es um einen mögliche...
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Die Bürgerinitiative "Pro Begräbniswald" fordert den Bürgermeister in Ebern zu rascherem Handeln auf. Foto: Eckehard Kiesewetter
Die Bürgerinitiative "Pro Begräbniswald" fordert den Bürgermeister in Ebern zu rascherem Handeln auf. Foto: Eckehard Kiesewetter
Vor mehr als drei Monaten hatte der Stadtrat beschlossen, das Anliegen weiter voranzutreiben. Doch seither herrschte Ruhe, man ist geneigt zu schreiben Grabesstille in Ebern, wenn es um einen möglichen Waldfriedhof geht. Nun allerdings, vor der Ratssitzung am heutigen Donnerstag, reißen die Gräben wieder auf. Von einem "Stillstand im Eberner Rathaus" schreibt die "Bürgerinitiative pro Begräbniswald" in einer Pressemitteilung vom Mittwochvormittag. Noch am Abend schneite dem FT die Erwiderung des Bürgermeisters Jürgen Hennemann ins Haus, der sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit verwahrt.
Der Sprecher der Initiative, Hermann von Rotenhan, erinnert daran, dass die Ratsmitglieder am 22. März mit klarer Mehrheit (13:6 Stimmen) dafür plädiert hatten, "sich weiter mit dem Thema alternative Bestattungskultur, insbesondere einem Begräbniswald, zu beschäftigen". Eine stattliche Schar an Zuhörern bei dieser Sitzung belege das öffentliche Interesse an einem Friedwald für Ebern.
In der Sitzung war das Gremium überein gekommen, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen soll. Die Zuarbeit der Stadtratsmitglieder solle die Basis sein. Mit diesem Auftrag war, wie Bürgermeister Hennemann bekräftigt, "kein öffentlicher Arbeitskreis mit Bürgern gemeint, sondern eine interne Arbeitsgruppe des Stadtrates."
Am Dienstag, 17. April, hat der Hauptausschuss des Stadtrates, also ein nicht-öffentliches Gremium, laut FT-Informationen vereinbart, den Bau- und Umweltausschuss mit der Angelegenheit zu betrauen. Der Ausschuss hatte zuvor bereits die Aufgabe erhalten, nach alternativen Bestattungsformen für die bestehenden Friedhöfe im Bereich Ebern zu suchen. Nun also steht dezidiert auch das Thema Begräbniswald auf seiner Agenda. Der "Arbeitsgruppe Begräbniswald" könnten sich weitere Stadtratsmitglieder gerne anschließen, hatte Hennemann damals geworben. Bis gestern hatte sich niemand gemeldet.
Ehe die Arbeitsgruppe zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommt, sollten sich die Fraktionen intern besprechen und konkrete Arbeitsaufträge für das Gremium formulieren, wurde im April ausgemacht. "Jetzt sind erst einmal die Stadträte und Fraktionen gefordert", sagt dazu der Bürgermeister.
Weil das Thema auch auf der Tagesordnung für die Stadtratssitzung an heutigen Donnerstag nicht auftaucht, reißt der Initiative um Hermann von Rotenhan der Geduldsfaden. Der Jurist verweist auf die Geschäftsordnung des Stadtrats, wonach der Erste Bürgermeister als Vorsitzender die Beratungsgegenstände vorbereitet, Sitzungen einberuft und die Beschlüsse des Stadtrates und seiner Ausschüsse vollzieht. Über Hinderungsgründe habe er den Stadtrat oder den Ausschuss unverzüglich zu unterrichten.


Blockadepolitik?

"Elf Wochen nach dem klaren Votum fragen sich die Stadträte und Eberner Bürger, wie und wann Herr Hennemann als Erster Bürgermeister den oben genannten Beschluss umzusetzen gedenkt", mahnt die Initiative. Sie hinterfragt, wie ernst der Bürgermeister den Stadtratsentscheid nimmt und welche Frist für die Umsetzung solch eines Beschlusses angemessen sei.
Wörtlich heißt es: "Es kommt der Eindruck auf, dass der Erste Bürgermeister, anders als die Mehrheit der Stadträte, kein Interesse an einer weiteren Beschäftigung mit dem Thema Begräbniswald hat, nachdem er mit seinem Antrag in der Sitzung im März scheiterte."
Die Initiative fordert, Worten Taten folgen zu lassen, das Projekt Begräbniswald noch vor der Sommerpause anzupacken. Sie plädiert für einen "aktiven und offenen Dialog in der Sache".
Den Bürgermeister indessen wurmt die Unterstellung der Untätigkeit. Er stellt klar, dass die Verwaltung Vorgaben benötige, welche Richtung eingeschlagen werden soll. Ihr fehle der Spielraum für pauschale Prüfungen, denn es seien viele Möglichkeiten denkbar: Angebote auf bestehenden Friedhöfen der Stadt, ein Waldfriedhof mit gekennzeichneten Gräbern (wie Alsleben) oder ein anonymer Waldfriedhof. Auch die Größe, die Betreiber-Form und die Reichweite des Angebots müssten geklärt werden.Daher seien jetzt die Stadträte und die Fraktionen ("gerne auch übergreifend") gefordert, "einen konkreten Antrag mit Anforderungen an einen weiteren Friedhof mit weiteren Bestattungsmöglichkeiten" zu formulieren, betont Hennemann.


Ratsmitglieder sind gefordert

Der jeweilige Vorschlag solle dann in der Verwaltung auf Machbarkeit überprüft und der Arbeitsgruppe unterbreitet werden, um letztlich eine Vorlage für den Stadtrat zu erstellen. Hennemann: "Wichtig ist, dass aus den Reihen des Stadtrates formuliert wird, was man genau haben möchte, damit nicht alles offen bleibt". Solch einen konkreten Antrag hätten die Stadträte oder Fraktionen bislang nicht vorgelegt.
Laut Jürgen Hennemann steht das Thema bei der Sitzung des Bauausschusses am 13. Juni auf der Tagesordnung. Und: "Die Einladung erhalten alle Stadträte", versichert er. eki


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