Herzogenaurach

Bürger suchten Hilfe gegen die Pest

Bereits seit dem 15. Jahrhundert wird in Herzogenaurach der heilige Sebastian besonders verehrt. Am Sonntag wird sein Festtag begangen.
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Ehemaliges Altarbild der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena, aus dem Jahr 1785, von dem Maler Hirschmann, (ingrage kommen entweder Johann oder Andreas Hirschmann) jetzt im Stadtmuseum von Herzogenaurach Foto: Manfred Welker
Ehemaliges Altarbild der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena, aus dem Jahr 1785, von dem Maler Hirschmann, (ingrage kommen entweder Johann oder Andreas Hirschmann) jetzt im Stadtmuseum von Herzogenaurach Foto: Manfred Welker

Über Jahrhunderte wurde in Herzogenaurach der Festtag des heiligen Sebastian feierlich begangen. Seit dem Jahr 2002 begeben sich die Gläubigen nach einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche in einer Prozession durch die Stadt. In diesem Jahr findet sie am Sonntag, 19. Januar, statt.

Die Marienkapelle am Kirchenplatz, ehemals die Kapelle am Friedhof, wurde bei ihrer Weihe am 20. April 1401 von Weihbischof Johannes von Würzburg in Vertretung seines Diözesanbischofs Johann von Egloffstein und des Kapitels zu Ehren des heiligen Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde konsekriert. Unter den Reliquien, die in den Altar eingesenkt wurden, befanden sich auch Reliquien des heiligen Sebastian.

Die Altarpatrozinien und das Kirchweihfest Herzogenaurachs lassen erkennen, dass bei der Wahl der Patronate besonders Heilige der spätmittelalterlichen Volksfrömmigkeit berücksichtigt wurden, Helfer gegen allerlei Gefahren für Mensch, Vieh und Vegetation.

Bruderschaft gebildet

Zusätzlich benötigte die Stadtbevölkerung Hilfe gegen besondere Gefahren des städtischen Zusammenlebens wie die im Spätmittelalter so verheerend wütende Pest. Daher konnte sich das Fest des heiligen Sebastian zu einer ganz besonderen Blüte entwickeln. Johannes Wydhössel, Pfarrer in Herzogenaurach von 1503-1532, berichtete in seinem Pfarrbuch, dass sich im Jahr 1496 anlässlich eines furchtbaren Wütens der Pest eine Bruderschaft bildete, die vor der Kirche mit pfarrherrlicher Genehmigung Kollekten abhalten durfte. Zu diesem Zweck stiftete sie eine Messe an jedem Freitag. Bereits 1505 waren die Bemühungen der Bruderschaft von Erfolg gekrönt, in diesem Jahr konnte der Sebastiansaltar in der Stadtpfarrkirche geweiht werden.

Großes Leid in der Stadt

Am 2. bzw. 4. Oktober 1505 konsekrierte Weihbischof Caspar Grünwalder von Würzburg zwei neue Altäre in der Pfarrkirche, an der Südwand war er zu Ehren der Heiligen Sebastian und Fabian, Wolfgang, Anna und Rochus geweiht. Letzterer wurde ebenfalls als Pestpatron von der Bevölkerung verehrt. Dieser Altar und sein Patrozinium sind zugleich ein Beleg für die Leiden, die auch Herzogenaurach mit dieser Seuche durchzumachen hatte. Wydhössel selbst musste 1520 in Herzogenaurach ein Pestjahr erleben, in dem von der Pfarrei insgesamt 608 Menschen starben.

Am 26. April 1606 wurde der Alumnatspriester Johann Fischer Pfarrer von Herzogenaurach. Er starb im darauffolgenden Jahr an der Pest, entweder am 22. Oktober 1607, wie sein Epitaph erkennen lässt oder am 2. Dezember, wie die Pfarrmatrikel ausweisen. Als Aushilfe versah danach Johann Sartorius die Pfarrei, er berichtete, "dass in drei Wochen 84 Personen jung und alt, reich und arm dahinstarben. In einem halben Jahr starben 197 Personen, meist Frauen." Der Sebastianitag blieb über Jahrhunderte ein Höhepunkt des Herzogenauracher Kirchenjahres.

Als im Jahr 1932 die Kriegergedächtnisstätte in der Krypta der Marienkapelle eingerichtet wurde, erinnerte sich der damalige Stadtpfarrer Franz Rathgeber an die Verehrung des heiligen Sebastian und ließ eine bisher kaum beachtete Figur des heiligen Sebastian in der Nische am Giebel der Marienkapelle einstellen. Da die Figur durch die Witterung gelitten hatte, wurde sie mit Spenden des Heimatvereins Herzogenaurach restauriert.

Noch 1969 findet sich im Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach der Vermerk, dass dieser Tag als örtlicher Feiertag zu gelten hätte und daher das Rathaus mit allen Dienststellen geschlossen wäre.

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