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Coburg

Bündnis wirbt um Unterzeichner

Umweltschützer und Politiker rufen dazu auf, sich als Unterstützer des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" in die Listen einzutragen, die ab dem 31. Januar in den Rathäusern der Städte und Gemeinden ausliegen.
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Naturschützer und Politiker mehrerer Parteien werben für das Volksbegehren. Foto: Rainer Lutz
Naturschützer und Politiker mehrerer Parteien werben für das Volksbegehren. Foto: Rainer Lutz

Schneeflocken wirbeln über den Parkplatz am Goldbergsee. Irgendwie will das Bild nicht so recht zum Anlass passen. Umweltschützer und Politiker haben sich hier getroffen, um auf die Not von Bienen aufmerksam zu machen. Um die zu retten, hat die ÖDP ein Volksbegehren angestrebt, das jetzt zur Abstimmungsreife gebracht werden soll.

Ein breites Bündnis wirbt im Coburger Land dafür, das Volksbegehren "Rettet die Bienen" zu unterstützen. Damit es zur Abstimmung kommt, müssen sich eine Million Wähler in Listen eintragen, die meist in den Rathäusern ausgelegt sind. Ab dem 31. Januar ist das zwei Wochen lang möglich. Vertreter der ÖDP, der Grünen, der SPD und von Naturschutzverbänden wie dem Landesbund für Vogelschutz oder dem Bund Naturschutz tragen in eisiger Kulisse vor, wie ihrer Meinung nach die Bayerische Landesregierung für blühende Landschaften sorgen soll, um den Schwund der Artenvielfalt zu stoppen.

Regieren über Begehren

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Regierungsverantwortung hat die ÖDP nicht. Aber sie hat Erfahrung darin, über Volksbegehren Politik zu machen. Thomas Büchner, Kreisrat der ÖDP, erinnert gern an das Gesetz zum Nichtraucherschutz, das ebenfalls durch ein Begehren der ÖDP auf den Weg gebracht worden sei. Seine Zuversicht, die nötigen Stimmen zusammenzubekommen, damit Bayerns Wähler an die Urnen gerufen werden, teilt Simone Wohning vom Coburger Aktionsbündnis."Schon nach den ersten Treffen ist der Kreis der Teilnehmer auf über 40 Personen angewachsen", berichtet sie stolz. Zahlreiche Coburger Vereine unterstützen das Bündnis. Wolfgang Weiß (Grüne) nimmt die konventionelle Landwirtschaft wegen des Einsatzes von Agrarchemie auf ihren Flächen in die Verantwortung für den Artenschwund in Bayern. Es gelte, eine Regelung zur Reduzierung zu finden, "die allen nutzt". Dagmar Escher, Landratskandidatin für die Grünen, betont: "Wir müssen begreifen, dass wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen und handeln müssen, ehe es zu spät ist." Der Landesbund für Vogelschutz zählte zunächst nicht zu den Unterstützern des ÖDP-Begehrens. "Wir wollten nicht zwei Volksbegehren gleichzeitig unterstützen", erklärt dazu Frank Reißenweber, Vorsitzender des LBV in Coburg. Nachdem das Begehren gegen den "Flächenfraß" gekippt wurde, ist der LBV nun aber bei der Aktion zur Rettung der Bienen mit im Boot.

Drastischer Rückgang

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Auf der Basis gesicherter Forschungsergebnisse verdeutlich Frank Reißenweber den Rückgang bei den Vögeln. "In den vergangenen 25 Jahren haben wir etwa ein Drittel in der Zahl der Individuen verloren", macht er deutlich, wie dramatisch die Entwicklung ist, die auch mit dem drastischen Verlust an Biomasse bei den Insekten gekoppelt ist.

Bauern nicht der Buhmann

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Wie Reißenweber sieht auch Stefan Beyer vom Bund Naturschutz besser vernetzte Biotope, mehr ökologische Landwirtschaft und Brachflächen sowie Blühstreifen als Weg aus der Krise. Beide betonen aber ausdrücklich, dass dies über staatliche Förderung und Anreize für die Landwirte erfolgen müsse, nicht über gesetzliche Verordnungen, wie es der Gesetzentwurf der ÖDP vorsieht. Beyer: "Die Landwirte sind nicht die Buhmänner, alle tragen zum Artensterben mit bei."

Alle möchte daher auch die SPD in Coburg in die Pflicht nehmen. Dominik Sauerteig fordert etwa, die Bäume an der Itz im Stadtgebiet stehen zu lassen und Bürger darin zu bestärken ihre Gärten nicht zu pflastern sondern mit blühenden Pflanzen zu gestalten.

Strikt abgelehnt wird das Volksbegehren vom Bayerischen Bauernverband. Er sieht die Landwirtschaft bereits auf einem guten Weg für mehr Schutz der Artenvielfalt. Vor allem lehnt er Forderungen der ÖDP ab, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Freistaat per Gesetz im Öko-Landbau zu bewirtschaften.

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