Michelau

Buck besingt "Gwärch und des Meer"

Der singende Pfarrer spannt thematisch den Bogen vom Alltagsstress hin zu seltenen Glücksmomenten.
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Als bekennender Franke präsentierte sich der singende Pfarrer Wolfgang Buck bei seinem Soloprogramm im Gemeindezentrum. Foto: Klaus Gagel
Als bekennender Franke präsentierte sich der singende Pfarrer Wolfgang Buck bei seinem Soloprogramm im Gemeindezentrum. Foto: Klaus Gagel
Wolfgang Buck hat aufgerüstet. Waren es vor vier Jahren noch zwei Gitarren, mit denen sich der fränkische Liedermacher umgab, so bahnt er sich nun im Michelau Gemeindezentrum den Weg durch vier Gitarren. Entsprechend zugenommen hat auch der Kabelsalat auf der Bühne. Ist das ein versteckter Hinweis auf sein neues Soloprogramm "Des Gwärch & des Meer"?


Vom Kirchendienst beurlaubt

Das Programm enthält viele Lieder, die es noch auf keiner CD gibt, doch die neue CD wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, verrät der Künstler. In seinem Programm "Des Gwärch & des Meer" spannt der singende Pfarrer, der noch immer vom Kirchendienst beurlaubt ist, den Bogen vom Alltagsstress, den man teilweise selbst produziert, hin zu den wenigen Glücksmomenten der Kontemplation, wie man sie beispielsweise bei einem Aufenthalt am Meer genießen kann. "Hock di no, vergiss den Alltagsstress", fordert er seine Zuhörer auf, ein Song, der bereits 36 Jahre auf dem Buckel hat. Der Text wurde seinerzeit dem singenden Pfarrer vom Nürnberger Schriftsteller Fitzgerald Kuss zur Verfügung gestellt. "Das Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben mögen", zitierte Buck Blaise Pascal. Vieles könnte den Menschen so erspart bleiben.
Aber gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass das wohl auch keine Lösung wäre. Erstens gäbe es dann dieses Konzert nicht und schließlich sei das Bett "der gefährlichste Ort der Welt". Jogger, Mountainbiker, Powerwalker sollten allerdings lieber Zuhause bleiben und nicht auch noch per Helmkamera, GPS und Pulsuhr sämtliche Daten von sich ins Internet übertragen. Denn alles hinterlasse Spuren.
Das was Wolfgang Buck auszeichnet und ihn so liebenswürdig macht, ist seine Liebe zur fränkischen Heimat. "Wer do foddfährd, ghört derschlagn". zitiert er einen Wirt und die Zuhörer fühlen sich bei Buck angenommen und Zuhause.


Die Anekdoten des Alltags

In seinem Dialekt lässt er die kleinen Anekdoten des Alltags einfließen. Etwa von der Vegetarierin, die von der Wirtin angeborten bekommt: "Aber ich könnt ihna a paar Brotwörst machen". Buck liebt die fränkische Küche, und so fehlt in keinem seiner Konzerte das Lied vom Schweinebraten. "Der fränkische Eingeborene ernährt sich von Schweinebraten und Klöß'", konstatiert er, während seinen Zuhörern das Wasser im Mund zusammenläuft. Eigentlich sollte man aufhören, wenn man satt ist, wäre da nicht schon im Kindesalter die Mutter, die das Weiteressen regelrecht aufnötigt mit so anklagenden Worten: "Iss noch a weng" und "Gell, Dir schmeckt's nicht?" Grundsätzlich sitzt der Franke gern an einem Tisch. Ohne den fühlt er sich nackt, und am liebsten frönt er der sitzenden Sportart Schafkopf.


Fränkisch - nichts für Fanatiker

Bei allen Gefühlsausbrüchen sei die fränkische Sprache jedoch nichts für Fanatiker. Das läge an den vielen Konjunktiven und den Verkleinerungen mit "a weng". "Mal schaun, wer a weng gschtorb' is", zitiert er sein Ehefrau beim Blick in die Morgenzeitung. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir Franken ein zusammengewürfeltes Völkchen sind. "Mit an Zaun drum rum, gäb' es uns Franken gar net" so Buck. Es ist eine umfassende Liebeserklärung an die fränkische Heimat, auch wenn ab und an die heimliche Sehnsucht nach dem glückseligen Platz am Meer durchklingt. Doch dieser Wunsch bleibt rein emotional. Franken ist eben zu schön.
Hier kann man sein Glück finden, vor allem auf dem Land, wenn einen nicht gerade ein Städter auf die Nerven geht. "Oh je, oh je", stimmt das Publikum ein. Gott selbst kommt in dem Soloprogramm des singenden Pfarrers nicht vor - es sei denn indirekt. Denn ist das liebenswerte Franken nicht auch ein Teil von Gottes Schöpfung? Das Publikum dankt Wolfgang Buck mit einem langen Applaus. Der revanchiert sich mit mehreren Zugaben.
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