Herzogenaurach

Brückenfrei mit Absicherung

Ein paar Mitarbeiter überbrücken im Herzogenauracher Interims-Rathaus die beiden Brückentage zwischen den Jahren. Denn zur Kommunalwahl müssen Unterschriften von Unterstützern abgegeben werden können.
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Birgit Schaufler (links) unterschrieb am Freitag für die Zulassung der Stadtratsliste der "Partei" für die Kommunalwahl 2020. Ihr Sohn Nico bewirbt sich da um ein Mandat.  Fotos: Bernhard Panzer
Birgit Schaufler (links) unterschrieb am Freitag für die Zulassung der Stadtratsliste der "Partei" für die Kommunalwahl 2020. Ihr Sohn Nico bewirbt sich da um ein Mandat. Fotos: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer Es sind zwei ideale Brückentage: Wer sich für den gestrigen Freitag und den kommenden Montag frei genommen hat, bekommt gleich acht Tage Urlaub am Stück. Gerade in den Tagen zwischen den Jahren eine gern gewählte Alternative. Diesmal profitierten auch die Mitarbeiter im Rathaus von der wohl eher seltenen Konstellation.

"Die städtischen Dienststellen im Rathaus sind für den regulären Publikumsverkehr geschlossen", berichtet eine sympathische Stimme am Telefon. Telefonisch zu erreichen ist an der Pforte und in den einzelnen Abteilungen niemand, die eingehenden Anrufe werden vom Band abgefangen.

Dennoch war das Rathaus am Freitag geöffnet und ist es auch am Montag. Denn es gibt zwei Ausnahmen, die es zu beherzigen gilt. So muss das Standesamt für Notfälle erreichbar sein, was gestern Margit Bednarzig übernahm. Und vor allem schreibt das Bayerische Wahlgesetz vor, dass die Bürger die Möglichkeit haben müssen, sich in die Unterstützer-Listen für die Kommunalwahl eintragen zu können. Also braucht es feste Zeiten der Erreichbarkeit. Gelöst wurde das "Problem" dadurch, dass eine Mitarbeiterin vom Bürgerbüro an den beiden Brückentagen den Platz an der Pforte einnimmt.

Am Freitag hat diesen Job Marion Zitzmann übernommen, die sich sonst um Fundsachen kümmert. Bis 14 Uhr war die Pforte geöffnet, und damit sogar länger als an gewöhnlichen Freitagen. "Arbeitslos" blieb sie keineswegs, denn es fanden sich immer wieder Bürger ein, die ein Anliegen hatten. Auch wenn sie zumeist vertröstet werden mussten, weil die anderen Dienststellen, wie beispielsweise das Passamt oder die Zuständigen für Rentenfragen, nicht anwesend waren.

Die Leute hatten offenbar nicht ins Amtsblatt oder auf die Homepage der Stadt geschaut, wo die Verfahrensweise während der Brückentage erläutert wurde. Eine Fundsache hat Marion Zitzmann unbürokratisch aber dennoch annehmen können. Und bekam prompt spontanes Lob. Wiebke Sarfert-Gast hatte in Herzogenaurach einen Autoschlüssel gefunden und ihn trotz Schließtag abgeben dürfen. Sie musste nicht wieder umkehren und kommende Woche erneut erscheinen.

Der eigentliche Anlass für die Anwesenheit der Mitarbeiter des Wahlamts wurde zumindest am gestrigen Freitag bis zur Mittagsstunde jedoch eher weniger in Anspruch genommen. Denn nur eine gute Handvoll Unterschriften wurde geleistet. Diese Unterstützung brauchen neue Bewerber, wie zum Beispiel die Liste der Jungen Union oder auch "Die Partei", um für die Kommunalwahl zugelassen zu werden. Genau dafür muss das Rathaus auch an den Brückentagen geöffnet sein.

Kein Zwang zum frei nehmen

Im Dienst war freilich auch Gerd Lorenz, der Leiter des Ordnungsamts und somit auch des Wahlamts. Am zweiten Brückentag löst ihn seine Stellvertreterin Heike Kraus ab. Er kann sich nicht erinnern, dass im vergangenen Jahrzehnt alle Abteilungen mal in den Genuss von Brückentagen kamen. Denn das Bürgerbüro hatte meist dennoch geöffnet, sagte er. Mit der jetzigen Lösung sei man auch denjenigen Mitarbeitern entgegengekommen, die weiter weg wohnen und mal ohne großen Aufwand frei nehmen können.

Wie Bürgermeister German Hacker auf Anfrage sagte, konnten diese Brückentage entweder mit Urlaub oder - sofern entsprechend vorhanden - durch Überstunden ausgeglichen werden. Allerdings gebe es keinen "Zwang", frei zu nehmen. So fanden sich vereinzelt Mitarbeiter am Arbeitsplatz ein, wie auch Kämmerer Manfred Hofmann, der mitten in den Haushaltsplanungen steckt. Bürgermeister Hacker selbst hat indes ein paar Tage Urlaub genommen.

Wahlamtschef Gerd Lorenz bekam gestern übrigens auch Arbeit, denn immerhin nutzte die SPD den Freitag, um ihren offiziellen Wahlvorschlag im Rathaus abzugeben, der geprüft werden muss. Darin muss sorgfältig protokolliert werden, wie die Nominierungsversammlung verlief, wer hierbei anwesend war und wer kandidiert. Alle Kandidaten müssen unterschreiben und Angaben zu ihrer Person machen. So füllt sich schnell eine dicke Mappe.

Vorstandsmitglied Claudia Belzer gab den Wahlvorschlag ab. "Ein ganz schöner Aufwand" sei so ein Wahlvorschlag, sagte die 33-Jährige, die selbst für den Stadtrat kandidiert. Damit hat die SPD den ersten offiziellen Wahlvorschlag unter allen Herzogenauracher Bewerberlisten vorgelegt. Weitere Fraktionen haben das auch schon angekündigt: CSU, Grüne und Freie Wähler. CSU-Vorsitzende Antje Körner war außerdem zu einem Gespräch am Vormittag im Rathaus. Von der FDP liegt bisher keine Bewerbung vor. Und auch mögliche andere Listen haben noch nichts eingereicht.

Mit Ausnahme der Jungen Union und der "Partei". Beide treten neu an und brauchen jeweils 190 Unterschriften, um zugelassen zu werden. Bis zum 3. Februar ist hierfür noch Gelegenheit, und diese Zeit werden die beiden Bewerber wohl auch noch brauchen. Denn die Junge Union hatte bis gestern Mittag erst 58 von 190 erforderlichen Unterschriften, und bei der "Partei" sind es bislang nur sieben. Aller Anfang ist schwer.

Vielleicht auch deshalb waren die beiden neuen Listen am Freitag aktiv in der Stadt unterwegs. Die Junge Union hatte sich direkt in Sichtweite des Rathauses platziert und auch Kandidaten der "Partei" machten Werbung in eigener Sache bei einem Spaziergang durch die Innenstadt.

Am kommenden Montag ist der Brückentag-Notdienst von 7.30 bis 16.30 Uhr eingerichtet.

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