Breitbrunn

Breitbrunn läuft die Zeit davon

Die Bürgermeisterin tritt nach zwölf Jahren nicht mehr an. Aber bis jetzt hat sich noch kein Kandidat gefunden, der bereit wäre, ihre Nachfolge anzutreten. Was geschieht, wenn tatsächlich niemand die Gemeinde führen will?
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Wird der Parkplatz, der bei der Verwaltung in Schloss Gleisenau für den Bürgermeister der Gemeinde Breitbrunn reserviert ist, nach der Kommunalwahl auf längere Zeit leer bleiben? Noch ist kein Kandidat in Sicht. Fotos: Eckehard Kiesewetter
Wird der Parkplatz, der bei der Verwaltung in Schloss Gleisenau für den Bürgermeister der Gemeinde Breitbrunn reserviert ist, nach der Kommunalwahl auf längere Zeit leer bleiben? Noch ist kein Kandidat in Sicht. Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge/Breitbrunn — In etlichen Gemeinden im Landkreis Haßberge sind die Chefsessel im Rathaus begehrt - und dies nicht nur dort, wo man als Hauptamtlicher einen gut dotierten Vollzeitjob auf sechs Jahre sicher hätte. Auch in der kleinen Kommunen, wo das Gemeindeoberhaupt ehrenamtlich und damit nebenberuflich tätig ist, gibt es mehrere Kandidaten, sei es aus Verantwortungsgefühl für die Allgemeinheit, sei es mit der Absicht, Dinge gravierend zu ändern oder sei es nur, um dem amtierenden Amtsinhaber Kontra zu geben.

Anders dagegen in Breitbrunn, wo sich bis heute kein Nachfolger für Bürgermeisterin Gertrud Bühl aufdrängt. Dort steht man eine Woche vor Ende der Frist für die Einreichung und Zurücknahme von Wahlvorschlägen beim Landratsamt noch ohne potenziellen Amtsnachfolger da.

Die Freie-Wähler-Politikerin Bühl, die seit 2008 das Amt innehat, dürfte theoretisch unbegrenzt weitermachen, will aber nicht. Für Soziales, etwa den Bürgerdienst , stehe sie weiter zur Verfügung, nicht jedoch für das Bürgermeisteramt. Die 69-Jährige: "Jetzt müssen auch mal junge Leute ran."

Indes: Wer soll's machen? Bereits im Spätsommer hatten sich die Breitbrunner darauf verständigt, Differenzen früherer Wahljahre, in denen gleich vier Wählerverbindungen antraten, demonstrativ ad acta zu legen und zur Kommunalwahl mit nur einer Liste "Bürgergemeinschaft" anzutreten, paritätisch besetzt mit Vertretern der vier im aktuellen Rat vertretenen Gruppen, also Freien Wählern, CSU, Lußberger Liste und Unabhängigen Kandidaten. So entstand laut FT-Informationen eine Liste, auf der nurmehr eine Handvoll der bisherigen Ratsmitglieder steht.

Kandidat sagt ab

Auch ein unabhängiger Bürgermeisterkandidat hatte sich gefunden. "Er war mein Wunschkandidat", verrät Bühl; "er wäre sicher ein guter Mann gewesen", urteilt CSU-Vorsitzende Cynthia Derra. Der potenzielle Bewerber sagte jedoch kurz vor Weihnachten aus gesundheitlichen Gründen ab. "Ich war noch nicht offiziell nominiert", erklärt er und lehnt weitere Stellungnahmen ab: "Privatsache!" Jedenfalls wurde eine für 7. Dezember angesetzte Nominierungsversammlung, zwei Tage vorher wieder abgesagt.

Seither strecken die Vertreter aller vier Gruppierungen ihre Fühler aus und sprechen alle möglichen Persönlichkeiten an. Vergebens. "Schade," sagt Cynthia Derra, und "es ist traurig, wenn wir die Fristverlängerung in Anspruch nehmen müssen."

Günther Geiling (CSU), von 1984 bis 1990 Zweiter und dann bis 2008 Erster Bürgermeister in Breitbrunn, äußert Bedauern, da das "Bürgermeisteramt doch eine besondere Bedeutung und eine herausgehobene Stellung für eine Gemeinde und ihre Entwicklung habe. "Das ist eine noch nie dagewesene Situation und ich hoffe, dass es den Parteien und Wählergruppen noch gelingt, dem Bürger einen Kandidaten zu präsentieren." Für eine funktionierende Gemeinde sei es außerordentlich wichtig, findet er, dass es ausreichend Bürger gibt, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Noch ein "Ass im Ärmel"?

Ein Hoffnungsschimmer ruht auf dem Abend des Samstag, 18. Januar. Für 18 Uhr hat die Bürgergemeinschaft ihre Nominierungsversammlung im Sportheim in Hermannsberg angesetzt, bei der die Gemeinderatsliste präsentiert werden soll. Eventuell wird man dann - überraschend selbst für die meisten der übrigen Kandidaten auf der Liste - doch noch einen Bürgermeister in spe erleben. Dies zumindest deutet Gertrud Bühl an, denn kurz vor knapp habe doch noch jemand grundsätzliche Bereitschaft signalisiert. Vor einer endgültigen Zusage allerdings seien Absprachen an dessen Arbeitsplatz nötig.

Aus anderen Quellen heißt es, man habe die "Vorstellung des Bewerbers für das Bürgermeisteramt" in Abstimmung mit der Verwaltung eher der Form halber auf die Tagesordnung genommen, für alle Fälle, wenn sich doch noch eine Überraschungslösung auftut. Sonst müsste nämlich eine weitere Versammlung einberufen werden. Findet sich niemand, ist der Punkt rasch wieder von der Tagesordnung gestrichen.

Und selbst, wenn der Coup nicht gelingt, nimmts Gertrud Bühl gelassen. Es gibt da ja noch eine Nachfrist zur Einreichung von Wahlvorschlägen bis zum 45. Tag vor der Wahl, das wäre der 30. Januar. Und auch für weitere Eventualitäten gibt es Regelungen. "Selbst wenn wir das in Anspruch nehmen müssen", sagt Cynthia Derra, "lässt uns der Gesetzgeber nicht im Stich". Gertrud Bühl sieht dem Beginn der neuen Amtsperiode am 2. Mai gelassen entgegen. Bis dahin", sagt sie, haben wir ja noch ein bissle Luft".

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