Höchstadt a. d. Aisch
höchstadt.inFranken.de  Die Fachkontakte mit der Feuerwehr aus dem irischen Castlebar gehen weiter.

Brandschützer tauschen sich aus

Seit 19 Jahren pflegt die Höchstadter Feuerwehr intensiven Austausch mit der Feuerwehr in der Partnerstadt Castlebar im westirischen Landkreis Mayo County; kürzlich waren wieder vier irische Feuerwehr...
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Interessierte Beobachter bei der Einsatzübung (v. r.): Kommandant Benjamin Obexer, Prüfer Tony Shevlin, Kreisbrandrat Seamus Murphy, Felix Wasel, Seamus Joyce und Dieter Püttner Foto: privat
Interessierte Beobachter bei der Einsatzübung (v. r.): Kommandant Benjamin Obexer, Prüfer Tony Shevlin, Kreisbrandrat Seamus Murphy, Felix Wasel, Seamus Joyce und Dieter Püttner Foto: privat

Seit 19 Jahren pflegt die Höchstadter Feuerwehr intensiven Austausch mit der Feuerwehr in der Partnerstadt Castlebar im westirischen Landkreis Mayo County; kürzlich waren wieder vier irische Feuerwehrleute in Franken.

In Höchstadt wurden die Gäste vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Höchstadt, Benjamin Obexer, begrüßt. Seit dem letzten Treffen galt es wieder, viele Neuigkeiten auszutauschen. Die Woche wurde mit umfangreichem Training und intensiver Ausbildung gefüllt. Unter anderem hatte die Höchstadter Feuerwehr einen Abrollbehälter "Hochwasser" bekommen, auf den die Iren gespannt waren.

Wie Dieter Püttner von der Feuerwehr Höchstadt betonte, umfassen die gegenseitigen Besuche stets einen hohen Anteil praktischer Ausbildung in der Feuerwehr, an englischsprachigen Fachvorträgen und Gerätevorstellungen sowie die Teilnahme an Übungen und Einsätzen. Auch nach fast 20 Jahren Partnerschaft und trotz der eigentlich gleichen Aufgabenfelder finden sich immer wieder Details, die die beiden Feuerwehren unterscheiden: Die irischen Aktiven haben größere Erfahrung im Bereich von Verkehrsunfällen, von der Feuerwehr Höchstadt können sie beispielsweise den Umgang mit Hochleistungslüftern zur Gebäudebrandbekämpfung lernen. Bereits am zweiten Tag unterstützten die irischen Feuerwehrkräfte ihre Höchstadter Kollegen bei einem Unfall auf der B 505.

Ein intensives Studium der in Höchstadt vorhandenen Feuerwehr-Einsatzpläne, der Vergleich mit den "Pre Fire Plans" in Mayo County und die Ausbildung im Digitalfunk, dessen Einführung in Irland erst noch bevorsteht, bildeten den Schwerpunkt der ersten Tage. Den ganzen Samstag nahm man sich Zeit, um unter der Leitung des Ausbilders Felix Wasel die Absturzsicherung und das Retten von Personen auf Kränen zu üben.

Neue Tricks auf beiden Seiten

Beim Einsatz der Feuerwehr bei Unfällen im Straßenverkehr gab es einige Neuigkeiten und Tricks auf beiden Seiten. Am Sonntag waren die Feuerwehrleute aus Mayo County als Schiedsrichter und Prüfer bei einem nachgestellten Verkehrsunfall eingeteilt.

Besonders interessiert waren die Gäste an der neu in Höchstadt stationierten Ausstattung des Freistaats Bayern für die Bekämpfung von Hochwasserlagen. Die Gerätschaften des Abrollbehälters "Hochwasserschutz" wurden ausgiebig getestet. Ein intensives Training mit der Ausrüstung wurde von Seamus Murphy, Tony Shevlin, Pete McDonnell und Seamus Joyce mit Bravour gemeistert. Die Höchstadter Ausbilder Rudolf Löhnert, Stefan Effenberg und Dieter Püttner gaben sich große Mühe bei der Ausbildung.

Immer wieder verblüffend sind die Unterschiede der beiden Feuerwehren beim Personal festzustellen. In Irland werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr ausschließlich durch hauptberufliches Personal gestellt. Entweder als sogenannte "full timer", also hauptamtliche Kräfte oder als "retained fireman", was man am besten mit "Feuerwehrmann auf Abruf" übersetzen könnte. Diese Feuerwehrleute haben einen Arbeitsvertrag mit dem jeweiligen Landkreis (County), der in Irland Träger des Feuerschutzes ist, und verpflichten sich, im Alarmfall innerhalb von maximal zwei Minuten zur Feuerwache zu eilen und auszurücken. Dafür werden sie entsprechend entlohnt und beziehen außerdem ein Gehalt für die Rufbereitschaft sowie den Einsatz- und Übungsdienst.

In Deutschland gibt es dagegen mit Ausnahme der großen Städte ausschließlich freiwillige Feuerwehren, in denen die Einsatzkräfte ehrenamtlich Dienst leisten. Die Anforderungen an die Feuerwehren sind aber in Mayo County und in Höchstadt nahezu identisch.

Einer der Höhepunkte des Besuchs war die Fahrt nach Würzburg zur Staatlichen Feuerwehrschule, wo die Gäste neben dem gasbefeuerten Brandübungshaus und dem Bootshafen die modernste Übungshalle für die Feuerwehrausbildung in Europa kennenlernten. Fachlehrer Andreas Bömmel von der Feuerwehrschule geizte nicht mit der detaillierten Darstellung der Ausbildungsmöglichkeiten. Die irischen Feuerwehrmänner waren begeistert von der handlungsorientierten und praxisnahen Ausbildung in Würzburg.

Im Landratsamt Erlangen-Höchstadt hatte man Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten für die Stabsarbeit bei Großschadenslagen anzuschauen und konnte nach einer Einführung zum Thema "Führung und Einsatzleitung im Katastrophenfall in Bayern" die Unterschiede zwischen dem bayerischen und dem irischen System zur Bewältigung von Katastrophen herausarbeiten.

Polizeibeamter Philipp Graf führte durch die Räume der Inspektion Höchstadt. Wachleiter Jörg Raber nahm die Feuerwehr in der Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes in Etzelskirchen in Empfang.

Da der Chief Fire Officer (Kreisbrandrat)des Landkreises Mayo County zum Jahresende aus Altersgründen aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheidet, dankten die Stadt Höchstadt und Bürgermeister Gerald Brehm Seamus Murphy für seinen langjährigen außergewöhnlichen ehrenamtlichen Beitrag zur Partnerschaft der beiden Feuerwehren. Dieter Püttner

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