Kirchehrenbach

Boxgalopp weckt Spaß am Singen

Der Kunst- und Kulturverein Kirchehrenbach lud zu einem Wirtshaussingen ins Gasthaus Sponsel ein. Der Andrang war so enorm, dass kein einziger Platz frei blieb.
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Res Richter und David Saam begeisterten die Wirtshausbesucher.  Fotos: Josef Hofbauer
Res Richter und David Saam begeisterten die Wirtshausbesucher. Fotos: Josef Hofbauer
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JOsef Hofbauer Mit "Sauerkraut und Buttermilch und neu geback'ne Laabla" eröffneten David Saam und Res (Andreas) Richter das Wirtshaussingen im Gasthaus Sponsel, zu dem der Kunst- und Kulturverein die beiden Akteure von "Boxgalopp" verpflichtet hatte. In der voll besetzten Wirtsstube ("I hob net amoll no an Stuhl", so Alex Sponsel) nahmen die Vollblutmusiker die Gäste mit auf eine Liederreise rund um die halbe Welt. Dank der ausgeteilten Texte sangen die Wirtshausgäste begeistert mit.

Mühelos gelang David Saam und Andreas Richter der Sprung von Südafrika ("Wir lagen vor Madagaskar") zurück in die Heimat zum "Bimberla vo Laff", ein Lebenskünstler aus der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der aber urkundlich nicht nachgewiesen ist. Dennoch setzen fünf Strophen eines Liedes dem Bimberla ein einzigartiges Denkmal.

Vom Evergreen bis zum Kinderlied

Ebenso unsterblich ist das Trinklied über die "Irish Rovers", ein Song, den vor Jahren Klaus & Klaus musikalisch "an die Nordseeküste, den plattdeutschen Strand" verlegten. Ob Bill Ramseys "Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe" oder "Nix Amore", spätestens in den Refrain stimmten die Wirtshaus-Besucher kräftig ein. Mit dem "Bubblmoo", ein Lied, das auf der Kinderlieder-CD mit ausschließlich fränkischen Texten, die David Saam zusammen mit der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und dem Bayerischen Rundfunk herausgebracht hat. Der Titel: "Hobbädihö!"

Lautmalerisch begannen die Musiker den zweiten Abschnitt mit einem Stück, dessen Text nicht auf dem ausgeteilten Liedblatt stand. Doch schnell stimmten die Gäste in den Refrain "Im Böhmerwald hams Holzkohln g'stohln" ein. Kein Wunder, gehört die Melodie von der Holzauktion im Grunewald doch zum Volksgut. Und schon war wieder Stimmung in der Wirtsstube. Da muss der Text nicht sonderlich sinnvoll sein. Es macht einfach Spaß, mit einzustimmen, dass auf der Glatze der Schwiegermutter Rhabarber wächst. Bekannt ist das Lied übrigens unter dem Titel: "Mein Herz, das ist ein Bienenhaus." Nach Conny Francis und ihrem Schlager "Schöner fremder Mann" aus dem Jahr 1961 gab es mit dem "Leipoldsnickl vo Stengwaldhaus" wieder fränkisches Lokalkolorit, wenngleich sich die Geschichte vom Nickerla, der in den Karpfenteich gefallen sein soll und dessen "Heiling Geist" man noch heute am Teich "rumschwimma sehn" kann, in der Nähe von Naila zugetragen haben soll.

Erneut spannten die Musiker einen Bogen von "Let it be" (Beatles) über "Bella ciao", ein Lied, das den Freiheitskampf der Partisanen lobt und ihrer Toten gedenkt, die als Helden verehrt werden. Ein Lied fürs Herz. Was würde da besser passen als das gefühlsbetonte "Wenn die Blümlein draußen zittern", ein Lied, das Volksmusikpfleger in Unterfranken aufgezeichnet haben. Der Refrain: "Drum bleib bei mir und geh nicht fort, an meinem Herzen ist der schönste Ort!" Da tut eine Pause wieder gut.

"Bridschabraad"

Wenngleich der Anlass gar nicht lustig ist, wie der Liedtext beweist ("Bridschabraad sabbms rum in meim Salood, reißen aus die schönsdn Blumma, dass des Greina könnt da kumma!"), stimmten die Gäste schon nach wenigen Tönen in die Melodie ein. Ebenso begeistert zeigte sich das Publikum von der stets wiederkehrenden Frage: "Wie spät is' auf der Wirtshausuhr?", ein Lied aus der Feder der Heimatpflegerin Ingeborg Degelmann aus Ködnitz, die damit erklärte, warum Stammtischbrüder nie vor Mitternacht nach Hause kommen. Der "Eisbär in Sibirien", "Que sera", "Country roads", "Auf der Reeperbahn", "Moskau" oder " Im Wagen vor mir " unterstrichen die musikalische Bandbreite, die in der 1840 erstmals veröffentlichten Volksweise "Kein schöner Land" gipfelte.

Schluss war damit aber noch lange nicht, denn Schüler von Franz Josef Saam aus Heroldsbach wollten unbedingt ein Lied hören, das er ihnen beigebracht hatte. "Bist mei Heinerla, bleibst mei Heinerla, kumm halt aamol her zu mir!" Und es endet im Kanon mit "Broodwörschd und Sauerkraut".

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