Thundorf

Böller und Bengalos werden teuer für zwei junge Männer

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Thundorf — Eigentlich wollten er und sein Kumpel ein Schnäppchen machen. Die Böller, die ein 20-Jähriger in Polen geordert hat, kommen ihn und seinen Freund jetzt teuer zu stehen. Ob er sich nicht über die komische Verpackung und die merkwürdigen Zeichen gewundert hat, fragt die Staatsanwältin. Und: Konnten die überhaupt sicher sein, wenn sie so billig sind?


Scheinbar legal

Laut der Internetseite, auf der der Thundorfer das Angebot erspäht hat, waren die Feuerwerkskörper legal, erzählt er. "Das kam für mich seriös rüber", sagt der junge Mann auf der Anklagebank im Kissinger Amtsgericht. Richterin Susanne Wasserbauer ist da anderer Meinung: "Das Paket schaut nicht gerade vertrauenserweckend aus."
Schon im September hatte der 20-Jährige Vorbereitungen für die anstehende Silvesterparty getroffen und die Raketen im Netz bestellt. 140 Euro ließ er sich den Spaß kosten. "Es hat ein Zehntel von dem gekostet, was man in Deutschland zahlen würde", sagt er. Er füllte den virtuellen Warenkorb mit Böllern und Bengalos und gab - nach Absprache - als Versandadresse die Anschrift seines Kumpels an. Eine gängige Vorgehensweise der beiden Jungs, wenn die Eltern nichts von einem Kauf mitbekommen sollen oder man selbst das Paket nicht annehmen kann. Die Männer teilten die Bestellung untereinander auf.


In Schubfach deponiert

Es war ein Sonntag, als die Beamten plötzlich vor der Haustür des 20-jährigen Thundorfers standen. Die Familie saß gerade beim Mittagessen. Hausdurchsuchung. "Meine Eltern wussten, dass ich das zu Hause hab´", sagt er vor dem Gericht. Silvester war drei Wochen her, er hatte schon gar nicht mehr an den Rest von Silvester gedacht, der noch bei ihm zu Hause lagerte. Auch sein Kumpel hatte noch eine Schublade voll daheim deponiert. "Ich bin kein Silvestermensch", sagt der 25-jährige Schweinfurter, der neben seinem Freund auf der Anklagebank sitzt. Er habe eine Handvoll Böller allein auf der Straße verschossen, erzählt er. "Die waren schon sehr laut." Schnell habe er die Lust daran verloren, meint er. Deshalb haben die Beamten noch so viel bei ihm zu Hause entdeckt als sie auch bei ihm klingelten, meint er. Auch sein Kumpel hat den Unterschied zu den heimischen Knallern gleich gemerkt. "Die gehen richtig ab. Ich habe sie deshalb nicht weitergegeben, sondern lieber selber verschossen", meint der Thundorfer. Ob das alles so rechtens ist, daran habe er in dem Moment nicht gedacht. "An Silvester ist eh mehr erlaubt", sagt er.
Die Böller würden wahrscheinlich immer noch in den Schubladen der jungen Männer schlummern, wäre nicht ein Verfahren gegen die Vertreiberfirma geführt worden. Nur so ist die Staatsanwaltschaft überhaupt an die Besteller gekommen.


Kein Eintrag ins BZR

"Ich halte das für eine typische Jugendsünde", meint die Anwältin, die beide vertritt. Die Richterin stuft es als "Lehre für die Zukunft" ein. Mit der Staatsanwältin und der Verteidigerin einigt sich das Gericht, das Verfahren gegen die beiden Männer einzustellen. Und zwar so, dass auch im Bundeszentralregister nichts von den illegalen Böllern und Bengalos auftaucht. 500 Euro soll der berufstätige Thundorfer zahlen, der 25-jährige Student aus Schweinfurt soll 200 Euro berappen. "Ein teurer Einkauf", sagt Richterin Susanne Wasserbauer und tröstet die beiden Angeklagten im nächsten Atemzug: "Hätten sie alles in Deutschland gekauft, wäre es noch teurer gewesen." bcs

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