Tretzendorf

BN klagt gegen Radweg-Pläne

Einen neuen Radweg im Naturschutzgebiet bauen oder einen bestehenden Schotterweg nutzen? Der Bund Naturschutz möchte Letzteres und durchkreuzt damit die Pläne der Gemeinde Oberaurach.
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Andreas Lösch Es bedarf einer Ausnahmegenehmigung, und die Gemeinde Oberaurach hat sie: Die Regierung von Unterfranken hat grünes Licht gegeben für den Neubau eines Radwegs im Naturschutzgebiet zwischen Tretzendorf und Unterschleichach. Der Bund Naturschutz jedoch hält die Genehmigung für falsch und zieht vor das Verwaltungsgericht in Würzburg. Ärger liegt in der Luft.

Seit rund zehn Jahren ist Thomas Sechser Bürgermeister der Gemeinde Oberaurach und noch viel länger als seine Amtszeit andauert, liegen die Pläne in der Schublade: "Seit 25 bis 30 Jahren versucht unserer Verwaltung, diesen Radweg auf den Weg zu bringen", sagt Sechser. Jetzt, wo der Gemeinde die Ausnahmegenehmigung der Regierung für den Bau einer knapp über drei Kilometer langen und etwa zweieinhalb Meter breiten Asphaltfahrbahn direkt neben der bestehenden Staatsstraße 2276 vorliegt, stellt sich der Bund Naturschutz entschieden gegen die Pläne. "Ich finde es schon eine ziemliche Unverschämtheit", sagt Sechser.

"Gefährliche Straße"

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Denn sein Gemeinderat habe sich ausführlich mit dem Thema Natur- und Artenschutz befasst. "Ich bin selbst ein Naturfreund. Wir leben hier in Oberaurach in der Natur." Entsprechend müsse man für den Radwegneubau, der eigentlich noch dieses Jahr hätte beginnen sollen, auch hohe Auflagen erfüllen, um das rund 2,4 Millionen Euro teuere Projekt (1,8 Millionen davon sind durch Zuschüsse gedeckt) umzusetzen.

Es geht laut Sechser vor allem auch darum, möglichst schnell einen sicheren Radweg zwischen den beiden Ortschaften zu schaffen, denn die Autofahrbahn "ist wirklich eine gefährliche Straße". Der Wunsch nach dem Radweg bestehe in der Bevölkerung schon sehr lange und nun könnte der Weg gebaut werden. Wäre da nicht besagte Klage.

Der Bund Naturschutz sieht zwar ebenfalls die Notwendigkeit eines separaten Radwegs abseits der Hauptstraße, verweist jedoch auf einen bestehenden Flurweg, der ohne Probleme und mit weitaus weniger Aufwand zu einem ordentlichen Radweg ohne Asphaltdecke ausgebaut werden könnte, wie Andreas Kiraly, Vorsitzender der Ortsgruppe Eltmann-Steigerwald des Bund Naturschutzes, betont. "Nochmal 1,5 Hektar Fläche versiegeln? Wozu?", fragt Kiraly.

Die Begründung der Gemeinde Oberaurach, der Schotterweg werde vom Waldbesitzer (die Bürgerspitalstiftung Bamberg) für forstwirtschaftliche Zwecke häufig mit schweren Fahrzeugen (etwa Harvester für die Holzernte) befahren, sei nicht ausreichend. "Ich bin selbst Förster und kann beurteilen" wie häufig in dem Waldstück forstwirtschaftliche Einsätze nötig seien: "ein bis zwei Mal pro Jahrzehnt", schätzt Kiraly, würden dort Arbeiten anfallen, und die dabei entstehenden Schäden an der Straße "sind mit einem überschaubaren Aufwand" zu beheben. Die Gemeinde Oberaurach habe in ihrer Begründung für die Ausnahmegenehmigung jedoch behauptet, dass in dem Bereich ganzjährig Forstarbeiten stattfänden. "Die Argumentation der Gemeinde ist mir zu dünn", sagt er.

Spatenstich rückt in die Ferne

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Für Bürgermeister Sechser bleibt es ein Ärgernis. Denn bis es zur Gerichtsverhandlung kommt und die Fronten geklärt sind, kann es noch einige Zeit dauern. Der für heuer geplante Spatenstich für den Radwegbau rückt damit vorerst in die Ferne.



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