Herzogenaurach

Blühende Streifen für Insekten

Das Motto lautet "Bauern schenken Blumen": Landwirte zwacken Ränder von ihren Feldern ab und verwandeln sie zu so genannten Blühstreifen. 14 Kilometer sind im Landkreis heuer bereits entstanden.
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Ortstermin am Maisfeld: Drei Meter breit werden am Rand Blühstreifen für die Insekten geschaffen.  Fotos: Bernhard Panzer
Ortstermin am Maisfeld: Drei Meter breit werden am Rand Blühstreifen für die Insekten geschaffen. Fotos: Bernhard Panzer
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Bernhard Panzer

Auf den Feldern von Rudolf Groß aus Kairlindach werden heuer nicht nur Getreide und Mais wachsen, sondern auch Koriander, Malven, Fenchel und bläulich blühender Lein. Darauf verweist der Bayerische Bauernverband in einer Pressemitteilung zu einer bisher einmaligen Aktion im Landkreis. Denn viele Landwirte im Landkreis, so auch Groß, hätten sich in diesem Jahr dazu entschlossen, ein paar Meter des Ackers zugunsten der Natur abzutreten, wird berichtet.
Es entstanden so genannte Blühstreifen - drei Meter breit, so wie es technisch für das Gerät eben am besten ist, und zwischen Feld und Straße respektive Flurbereinigungsweg gelegen. Dort wachsen und blühen fränkische Sommerblumen, die viele Insekten, wie zum Beispiel Schmetterlinge, anlocken. Die Landwirte leisten damit ihren Beitrag zum Naturschutz.
Bei einem Ortstermin auf einem Maisfeld in der Kairlindacher Flur wurde das verdeutlicht. Gemeinsam haben sich der Bayerische Bauernverband und der Maschinenring zusammengetan, um die Artenvielfalt zu stärken. Und so entstanden im Landkreis 14 Kilometer Blühstreifen. Eine positiv überraschende Zahl, wie BBV-Fachberater Hans Volland anmerkte.
Die Landwirte müssen in punkto Naturschutz mehr übereinander erfahren, sagte Ralf Wagner, der Geschäftsführer des Maschinenrings. Er ist selbst Landwirt und vor allem auch Imker (25 Völker). Er habe daher diese Aktion der Traunsteiner Kollegen auch für den Landkreis Erlangen-Höchstadt vorgeschlagen. "Mit den Blühstreifen schaffen wir Lebensraum für Bienen, Insekten und andere Wildtiere. Das ist gut für die Umwelt und die Artenvielfalt in Feld und Flur", sagt Wagner.


Bienen und Blüten

Ringvorsitzender und Haupterwerbslandwirt Rudolf Groß hat das sofort umgesetzt. Er selbst schuf rund drei Kilometer solcher Blühstreifen entlang seiner Felder. Und darüber hinaus hat er noch viele Hektar weiterer blühender Flächen, so auch einen Streifen inmitten des genannten Maisfelds. Er hofft damit, die Wildschweine aus dem Schutz des Felds zu locken. Darüber würde sich auch der Jäger freuen, sagte Groß.
Der Höchstadter Ralf Wagner betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten sehr eng sei: "Bienen brauchen Blüten und Blüten brauchen die Bienen". Bei Imkern und Landwirten sei das ähnlich, denn "wir sind auf ein gutes Miteinander angewiesen", sagt er. Und: "Die Blühflächen der Landwirte schaffen ein tolles Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten."
Auch Gerhard Schmidt vom Amt für Landwirtschaft Fürth-Erlangen hob das ökologische Bemühen der Landwirte hervor. Insgesamt gebe es im Landkreis sogar 20 Kilometer solcher blühender Streifen, das erreiche sonst kaum ein Verband. Dazu nannte er weitere Zahlen: 96 Betriebe im Kreis lassen flächig blühen und erreichen damit eine Fläche von 185 Hektar. Außerdem habe man 71 Ökobetriebe, die über 2000 Hektar Gebiet verfügen. Das alles seien klare Aussagen zum Schutz der Artenvielfalt, sagte Schmidt. Und: "Die Praktiker in der Landwirtschaft tun was für die Insekten."
Damit trat Schmidt, wie zuvor auch Rudolf Groß, Kritikern entgegen, die sich zu selbst ernannten Experten erklärten. Diese würden Leute angreifen, die "alle eine Berufsausbildung haben". Die Landwirte seien es, so Schmidt, die diese Randstreifen auf eigene Kosten blühen lassen und von ihren Feldern wegnehmen. "Die Landwirte machen den Geldbeutel auf."


Aufruf an Mitglieder

Der Bauernverband ruft nun seine Mitglieder auf, möglichst viele Blühstreifen und Blühflächen anzulegen. Unter dem Motto "Bauern schenken Blumen" wolle man "ein farbenfrohes Geschenk machen", sagt Robert Ort, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes.
Und noch einen Hinweis gab es von Seiten der Bauern an die Bevölkerung. Die Fläche in den privaten Vorgärten sei im Landkreis größer als die Naturschutzgebiete, sagte Landwirt Wilfried Funke. Und Kreisbäuerin Evi Derrer sagte, es gebe dort noch zu viele Exoten, die für Insekten nicht gut seien. Auch jeder Privatmann könne also einen Teil beitragen.


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