Bad Staffelstein
Unser Thema der Woche // Wahrheit

"Bloß mal schnell was erledigt ..."

Menschen, die im Halteverbot parken und von Polizeibeamten verwarnt werden oder Autofahrer, die nach dem Drogenkonsum am Steuer erwischt werden, neigen zu Ausreden und zu subjektiven Wahrheiten. Wie äußert sich das?
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Polizeihauptkommissar Gerald Storath stellt in dieser fiktiven Szene ein Gespräch nach: Jemand beschwert sich bei der Polizeistation in Bad Staffelstein darüber, dass ein Sachverhalt angeblich ganz anders gewesen sei wie von der Polizei dargestellt. Den Vogel schoss einmal ein 21-Jähriger ab. Der junge Mann beschwerte sich, dass die Polizei ihn in einem Pressebericht über sein Schwarzfahren als 22-Jährigen benannte - er wollte ernsthaft die Richtigstellung seines wahren Alters erwirken. Foto:...
Polizeihauptkommissar Gerald Storath stellt in dieser fiktiven Szene ein Gespräch nach: Jemand beschwert sich bei der Polizeistation in Bad Staffelstein darüber, dass ein Sachverhalt angeblich ganz anders gewesen sei wie von der Polizei dargestellt. Den Vogel schoss einmal ein 21-Jähriger ab. Der junge Mann beschwerte sich, dass die Polizei ihn in einem Pressebericht über sein Schwarzfahren als 22-Jährigen benannte - er wollte ernsthaft die Richtigstellung seines wahren Alters erwirken. Foto: Matthias Einwag

Matthias einwag Wie hältst du's mit der Wahrheit, wenn du einen Fehler im Straßenverkehr gemacht hast? Insgeheim versucht sich der Mensch spontan vor sich selbst zu rechtfertigen. Aber was ist, wenn Leute von der Polizei erwischt und mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert werden? Dann hören die Beamten oft Ausreden aus der Rubrik "Ich hab doch bloß kurz ..." Polizeibeamte mögen das gar nicht, denn wer sein Auto im Halteverbot parkt, der handelt falsch. "Halteverbote werden nicht aus Jux und Tollerei erlassen", sagt Hauptkommissar Gerald Storath, "sie haben ihre Berechtigung." Dass jemand "schnell mal Brötla holen" oder "nur die Tochter abgeholt" hat, seien häufige Ausreden.

Drogentest bingt Klarheit

"Die meisten Lügen erzählen uns die, die rauschgiftabhängig sind", sagt Storath. Auf Vorhaltungen, es gebe einschlägige Aktennotizen werde alles verniedlicht und verharmlost. Etwa so: "Das war früher einmal, durch einen blöden Zufall. Aber in den vergangenen Jahren habe ich nichts mehr genommen." Der Drogentest bringt Klarheit, dass es in Wahrheit doch anders ist und der Betreffende kurz zuvor Drogen konsumierte.

Bei Alkohol am Steuer sind die Beweise (Alcomat und Bluttest) ebenso eindeutig. "Wenn man wirklich Alkohol getrunken hat, krieg man's nicht mit einer Mundspülung weg", sagt Storath. Dennoch gebe es manchmal scheinbare Ausreden, die sich beim Überprüfen als wahr herausstellen: Ein Autofahrer, dessen Atemluft bei der Kontrolle am Alcomaten über ein Promille erbrachte, entschuldigte sich mit den Worten: "Ich habe gerade ein Mon Cherie gegessen." Weil er jedoch keine alkoholtypischen Ausfallerscheinungen zeigte und weil er seine Unschuld immer wieder beteuerte, wurde er auf der Dienststelle erneut einem Test unterzogen. Dieser bestätigte, dass der Mann die Wahrheit gesagt hatte, denn diese Probe wies keinen Atemalkoholgehalt mehr nach.

Autofahrer, die in eine Radarkontrolle geraten sind und geblitzt wurden, weil sie zu schnell fuhren, seien meist einsichtig, ergänzt der Hauptkommissar. Wenn sie unmittelbar darauf gestoppt werden, geben sie das Fehlverhalten zu: "Da war ich wohl in Gedanken woanders." Hin und wieder komme es jedoch dazu, dass Menschen ihr Fehlverhalten nicht einsehen wollen. Mit viel Fantasie suchen sie nach Gründen, um den Spieß umzudrehen und dem Polizeibeamten vermeintliches Fehlverhalten zu attestieren. Die Beamten hören dann solche Sätze: "Sie haben keine Mütze auf, Sie haben mir gar nichts zu sagen." Gerald Storath lächelt und sagt: "Ob ein Beamter seine Mütze auf hat oder nicht, ändert nichts an der Rechtmäßigkeit einer Diensthandlung."

Übles Lügen beim "Enkeltrick"

Eine üble Masche, Senioren um ihr Geld zu bringen, ist der "Enkeltrick". Ein Anrufer lügt den älteren Menschen an, um dessen Vertrauen zu erschleichen. Solche Gespräche verlaufen stets nach dem gleichen Schema: Anrufer: "Hallo, ich bin's!" Angerufener: "Wer?" - "Na, dein Enkel, erkennst' mich nicht?" - "Peter? Bist du's!" - "Ja, freilich!" Fällt der Angerufene auf die Bitte des Betrügers herein, dem Enkel, der in finanzieller Notlage sei, aus der Patsche zu helfen, dann wird aus der Lüge eine Straftat.

Geflunkert werde öfters mal, wenn Menschen in die Dienststelle kommen und sich darüber beschweren, dass sie angeblich von einem Beamten ungerecht behandelt wurden, sagt Storath. Ob der Beamte den Beschwerdeführer anschrie oder ihn gar beleidigte, das sei oft ein subjektiver Eindruck. Mit den soeben neu eingeführten Bodycams könnten solche Fälle künftig gut verifiziert werden.

Leichter beweisen lässt es sich, wenn jemand eine gesperrte Straße befahren hat und hinter dem Sperrschild parkte. Das passiert am Staffelsteiner Badesee im Sommer häufiger. Als Entschuldigung führen Verkehrssünder dann oft an: "Heute ist doch so schönes Wetter."

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