Lichtenfels

"Blindgänger" wurde teuer

Vor dem Amtsgericht Lichtenfels musste sich ein 51-jähriger Ebensfelder wegen Beleidigung verantworten.
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Auch Beleidigungen können teuer kommen - diese Erfahrung musste jetzt ein 51-jähriger Ebensfelder machen, der sich vor dem Amtsgericht Lichtenfels zu verantworten hatte. Foto: Christopher Schulz
Auch Beleidigungen können teuer kommen - diese Erfahrung musste jetzt ein 51-jähriger Ebensfelder machen, der sich vor dem Amtsgericht Lichtenfels zu verantworten hatte. Foto: Christopher Schulz

Unterschiedlicher konnten die Forderungen nicht sein. Rechtsanwalt Marc Brab strebte den Freispruch für seinen Mandanten an, Staatsanwalt Dominik Heike sah das auf keinen Fall so. Der Einspruch gegen einen Strafbefehl sollte seine Tücken haben.

1600 Euro sollte ein 51-jähriger Ebensfelder bezahlen, weil er einem Polizisten am Telefon ausrichtete, dass dieser ein Blindgänger sei und was er überhaupt von ihm wolle. Das, was den Umstand besonders machte, war, dass der Satz über das Telefon des Sohnes fiel. Nur hielt dies gerade der Polizist in seinen Händen.

Rückblende: Der 27. August 2018 war ein warmer Tag. Gegen 20.52 Uhr erfuhr er in der Familie des 51-Jährigen noch Erhitzung, weil es zu einem familiären Streit kam. Zu diesem wurde letztlich auch die Polizei gerufen, der Ebensfelder war da aber schon weg. So versuchte die Polizei, über das Telefon des Sohnes Kontakt zu ihm zu bekommen.

Ab hier gingen die Erklärungen auseinander. Der Vater erklärte, mit Blindgänger den Sohn gemeint zu haben, der Polizeibeamte versicherte, sich erst vorgestellt zu haben, dann aber mit dem verhängnisvollen Satz bedacht worden zu sein. Richter Alexander Zenefels wies den Vater auf den Umstand hin, dass der Satz immer eine Beleidigung darstellt, selbst wenn er für die Ohren des Sohnes bestimmt gewesen wäre. "Würden Sie zu Ihrem Sohn auch ,Du Blindgänger' sagen?", erkundigte sich Zenefels. "Auf alle Fälle, weil ich komme an den Jungen momentan nicht ran", so die Antwort des Gefragten.

Doch wem war nun zu glauben - dem Strafbefehlsempfänger oder dem Polizisten? Während der Verhandlung kam Zenefels beim Durchblättern von bei der Polizei getroffenen Aussagen auf Passagen, in denen sich der 51-Jährige explizit dazu äußert, was ein Polizist bei Meldungen am Telefon alles zu berücksichtigen habe: Name, Dienstnummer, Dienstrang etc. "Ihr Mandant macht seitenlange Angaben, wie man sich zu melden habe", so der Richter an Brab gerichtet. Eben weil der Polizist sich nicht deutlich vorgestellt habe, so der Rechtsanwalt, sei es zu dem Missverständnis gekommen.

Dass es ein Missverständnis gewesen sein sollte, schloss der Polizist entschieden aus. Er habe damals Kontakt zu dem 51-Jährigen gesucht, weil im Raum stand, dass dieser von seiner Ehefrau eine Ohrfeige kassierte. Hintergrund dessen wiederum soll gewesen sein, dass der Ebensfelder seine Frau gegen ein Geländer gedrückt und sie bespuckt habe. "Hier spricht die Polizei Lichtenfels, habe ich gesagt und er hat mir gesagt: ,Was willst du von mir, du Blindgänger'. Er hat nur rumgeschrien und war in Rage."

800 Euro betrug die Höhe des Strafbefehls vor dem Urteilsspruch. Nach dem Urteilsspruch betrug sie 1650 Euro. Damit lag Richter Zenefels sogar noch um 50 Euro über der Forderung von Staatsanwalt Heike.

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