Hammelburg
Europa Union

Blick in die Geschichte und aktuelle Lage im Nahen und Mittleren Osten

Die Europa-Union Hammelburg hatte Ulrich Feldmann, stellvertretender Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Bad Kissingen, als Referent nach...
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Ulrich Feldmann
Ulrich Feldmann
Die Europa-Union Hammelburg hatte Ulrich Feldmann, stellvertretender Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Bad Kissingen, als Referent nach Hammelburg ins Europa-Haus eingeladen. Der Nahe und der Mittlere Osten und die Interessen der Mächte, war das Thema an diesem Abend im Arbeitskreis Politik und Gesellschaft der Europa-Union.


Hintergründe

Mit dem ihm eigenen rednerischen Schwung und solidem Hintergrundwissen stellte Feldmann, nach einer Zeitreise zurück in die Geschichte des Vorderen Orients, die gegenwärtigen Machtverhältnisse, das aktuelle politisch-militärische Szenario vor.
Feldmann blickte in die Zeit der Antike zurück, als Vorderasien, vom östlichen Mittelmeer bis zu der weitesten östlichen Ausdehnung des Perserreiches gelegen, bereits vor viertausend Jahren kulturell hoch entwickelt war. Im Zweistromland stand die Wiege der Kultur, des Ackerbaus und der Viehzucht. Kraftvolle Reiche entstanden. Ohne Zweifel, diese Reiche waren Ordnungsmächte. Großreiche hielten sich im Prinzip gegenseitig in Schach. Das war jedoch keine Garantie für steten Frieden. Aufeinandertreffen großer professioneller Heere, Eroberungszüge, Niederschlagung von Aufständen, Strafaktionen, Raub und Plünderung, Vertreibung, Versklavung, Unterwerfung und Tributpflicht, der Krieg hatte schon damals viele Gesichter.


Es geht um Einfluss

Wer oder was sind heute die bestimmenden Mächte in dieser Region? Zunächst sind es die Großmächte. Die USA und Russland, die ihre Einflusszonen sichern, geostrategische Vorteile suchen und ihre Verbündeten unterstützen. Es folgen Staaten, die man die Mittelmächte hinsichtlich ihres wirtschaftlichen und militärischen Potentials nennen kann. Die wichtigsten Länder sind Syrien, der Irak, der Jemen und der Iran. Aber auch die Türkei ist zu nennen, Saudi Arabien, der Libanon und Israel. Die dritte Gruppe, das sind die Clans, die Stämme, die Warlords mit regionaler Bedeutung. Aus dieser Gruppe gewinnen in aller Regel Terrorgruppen wie der IS ihre fanatischen Kämpfer.
Feldmann sprach die religiös bedingten Konfliktlinien an, die sich durch die islamischen Länder ziehen.
Der im Kampf ausgetragene Gegensatz von Sunniten und Schiiten ist kein neuer Konflikt um die Auslegung des Koran, sondern ein Konflikt bereits seit den ersten Jahren der Ausbreitung dieser Religion. Damals in Saudi Arabien im 7. Jahrhundert geboren, ist die unterschiedliche Auslegung der Lehre noch heute Ursache für Zwiespalt und Konflikte dieser Religion, der weltweit 1,6 Milliarden Menschen angehören. Mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches 1918 und dem Ende des Imperialismus 1945, bis dahin waren Briten und Franzosen die Ordnungsmächte, brechen mit dem Rückzug der Europäer Hass und Gewalt alle zivilisatorischen Dämme in den arabischen Staaten, in Nordafrika beginnend bis in eben jenen vorderasiatischen Raum, bis in den Irak. Der Iran führt eine Sonderrolle. Dieser Staat versteht sich nicht als arabisch, ist aber dennoch als Hauptvertreter der Schiiten einer der Mitspieler.


Viele verloren ihre Heimat

Hunderttausende sind in den Jahren aus ihrer Heimat vertrieben worden, es gibt Zerstörungen in einem gigantischen Ausmaß. Der Tod fuhr, beginnend mit dem Irak-Krieg der Amerikaner im Jahr 2003, eine reiche Ernte ein. Es sind die Erdölvorkommen, die für den Westen eine enorme Bedeutung haben. Die Förderrechte durften den großen weltweit agierenden angloamerikanischen Gesellschaften nicht verloren gehen. Deshalb der Militäreinsatz der USA, so Ulrich Feldmann in seinem Vortrag.In Syrien beteiligen sich über 200 verschiedene Milizen an den Kämpfen, irreguläre Gruppen, die sich rasch aus den Stämmen heraus kampfbereit formieren. Privatkrieger, die je nach Interessenlage den Kriegsherrn, die sie finanzieren, dienen. Rasch als Rebellen abgestempelt, werden sie von regulären Truppen bekämpft. Unterstützung der regulären Truppen ist umgekehrt ebenfalls möglich.
Assad erklärte Homs im nordöstlichen Syrien, eine Millionenstadt, zur Rebellenhochburg. Für das Assad-Regime ist das die Legitimation diese Stadt, mit Unterstützung der Russen, dem Erdboden gleich zu machen. Die Türkei will es nicht dulden, dass sich an der Nordwestgrenze Syriens ein autonomes Kurdengebiete möglicherweise zu einem Kurdenstaat entwickelt. Erdogan schickt Militär über die Grenze, um die Kurden zu bekämpfen. Dass dabei deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 völkerrechtswidrig eingesetzt werden, wirkt verstörend auf die Europäer und zeigt letztlich Hilflosigkeit. Dieter Galm
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