Höchstadt a. d. Aisch
höchstadt.inFranken.de  Schüler der Jahrgangsstufe Q12 reisten in den Vatikan.

Blick hinter Kirchenkulissen

Weder touristisches Sightseeing noch kulturelles oder kulinarisches Dolce Vita standen auf dem Programm der nächstjährigen Höchstadter Abiturienten, die in der Herbstferienwoche mit ihrem Religionsleh...
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Das offene Gespräch mit Georg Gänswein beeindruckte die Schüler. Foto: Robert Tichi
Das offene Gespräch mit Georg Gänswein beeindruckte die Schüler. Foto: Robert Tichi

Weder touristisches Sightseeing noch kulturelles oder kulinarisches Dolce Vita standen auf dem Programm der nächstjährigen Höchstadter Abiturienten, die in der Herbstferienwoche mit ihrem Religionslehrer Kilian Kemmer die Stadt Rom besuchten. Vielmehr hatten die Schüler der Jahrgangsstufe Q12 Begegnungen und Diskussionsrunden mit hochrangigen Vertretern des Vatikans vorzubereiten und zu gestalten.

Bei einer Visite in einer der theologischen Hochschulen auf dem römischen Hügel Aventin erfuhren die Jugendlichen die Studienordnungen, Zielsetzungen und Motivationen der Studierenden aus aller Welt. Auch das klösterliche Leben des internationalen Benediktinerkonventes in San Anselmo, mit dem man das Mittagessen im Refektorium der Abtei einnehmen durfte, vermittelte bereits einen ersten Eindruck, was Weltkirche ausmacht.

Dies wurde den kritischen Fragestellern des Höchstadter Gymnasiums auch bei den weiteren Gesprächen bestätigt. Mit dem obersten Historiker des Vatikans, Kardinal Walter Brandmüller, konnten Fragen der Zeitgeschichte in Kirche und Welt offen diskutiert werden. Ganz anders stellte sich der Besuch bei der Schweizer Garde dar. Bei der Führung durch die Kaserne der päpstlichen Leibgarde lernten die Höchstadter Gymnasiasten junge und motivierte Soldaten und deren Auftrag kennen. Mit dem deutschen Staatssekretär von Papst Franziskus, Monsignore Markus Heinz, ging es um staats- und kirchenrechtliche Fragen sowie um die internationalen Beziehungen des Heiligen Stuhls in Botschaften und Nuntiaturen. Dabei blieb der Vatikandiplomat seinen Fragestellern keine Antwort auch zu aktuellen kirchenpolitischen Zusammenhängen schuldig.

Pflicht und Kür zugleich

Die Teilnahme an der Papstaudienz war Pflicht und Kür zugleich. Ein kleines Geschenk von Papst Franziskus für alle Teilnehmer dürfte an dieses Ereignis erinnern. Als inhaltlichen Höhepunkt empfanden die Jugendlichen übereinstimmend die Begegnung mit dem Präfekten des päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein. Dieser schenkte den Höchstadter Gymnasiasten nicht nur viele Einblicke in den päpstlichen Palast, sondern vor allem viel Zeit und ein offenes Ohr. Die Situation der Kirche in Deutschland, die vor kurzem beendete Amazonas-Synode, die medialen Attacken gegen Papst Benedikt, die unterschiedliche Amtsführung in den Pontifikaten von Franziskus und Benedikt, die kircheninternen Skandale der Vergangenheit und vieles andere mehr kamen zur Sprache. Lukas Barth, Armand Cornet und Jakob Lisch brachten im Namen ihrer Mitschüler die Dankbarkeit zum Ausdruck, auf Augenhöhe kontrovers diskutieren zu können und ernst genommen zu werden. Eine Erfahrung, die von den Teilnehmern der Exkursion so nicht erwartet wurde.

Eines zeigte sich nach Ansicht von Kilian Kemmer den Schülern am Ende einer ganz anderen Reise als Fazit: Die Probleme der Kirche in Deutschland müssen aus weltkirchlicher Perspektive und nach dem Selbstverständnis der katholischen Kirche in eine globale Vernetzung eingebunden werden "und dabei relativiert sich vieles, was oftmals vor Ort hochgekocht wird". red

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