Wiesenthau
wiesenthau.inFranken.de  Die Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange hielt ihre Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen.

Biwo will alle Rechtsmittel ausschöpfen

"Auf Worte lasst Taten folgen" war die kämpferische Aussage des Vorsitzenden der Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo), Heinrich Kattenbeck, in der gut besuchten Jahreshauptversammlung...
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Der neue Biwo-Vorstand (von links): Gerhard Koch, Ilja Eger, Rotraud Krüger, Albert Werther, Uta Dix, Alfons Eger, Heinrich Kattenbeck, Dunja Schütz und Rüdiger Wilhelm Foto: privat
Der neue Biwo-Vorstand (von links): Gerhard Koch, Ilja Eger, Rotraud Krüger, Albert Werther, Uta Dix, Alfons Eger, Heinrich Kattenbeck, Dunja Schütz und Rüdiger Wilhelm Foto: privat

"Auf Worte lasst Taten folgen" war die kämpferische Aussage des Vorsitzenden der Bürgerinitiative pro Wiesenttal ohne Ostspange (Biwo), Heinrich Kattenbeck, in der gut besuchten Jahreshauptversammlung in Wiesenthau. Sein Appell an die Lokalpolitiker: "Macht endlich Schluss mit der Hinhaltetaktik bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag wegen der Ostspange."

Die Biwo werde alle Rechtsmittel einsetzen, um der nachkommenden Generation das "wunderschöne Stück Heimatlandschaft im schönsten Wiesentgrunde" zu erhalten. Außerdem sei laut Staatlichem Bauamt Bamberg das Linienbestimmungsverfahren erst 2021 zu erwarten.

An Umweltminister Thorsten Glauber (FW) richtet die Biwo die Hoffnung: Glauber möge gegen die Ostspange kämpfen. Seine Jugendklimakonferenzen seine lobenswert. Aber ein Einsatz gegen die Zerstörung der Heimat durch die Ostspange (Südumgehung B 470 Forchheim) dulde keinen Aufschub mehr.

Der Wiesenthauer Bürgermeister Bernd Drummer (BGW) informierte über seine schriftliche Stellungnahme zur Ablehnung der Ostspange, weil Wiesenthau besonders nachteilig betroffen sei.

Kattenbeck verwies darauf, dass die Ortsdurchfahrt Gosberg kein Bestandteil des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) 2030 sei. Es gehe ausschließlich darum, auf 6,9 Kilometern Länge als Südumfahrung Forchheim, teilweise vierspurig, die B 470 zu bauen. Sie könnte als Verbindung zwischen den Autobahnen 3 und 9 für den Schwerlastverkehr nutzbar sein. Der Biwo gehe es darum abzuwehren, dass ein EU-geschütztes Natura-2000-Gebiet unwiederbringlich zerschnitten und zerstört werde.

Landrat Hermann Ulm (CSU) vertiefte in seinem Grußwort, dass ihm der Bedarf einer besseren Verkehrsinfrastruktur im östlichen Teil des Landkreises sehr am Herzen liege.

Aus dem Grußwort des Kreisvorsitzenden des Bundes Naturschutz Forchheim, Ulrich Buchholz, und der zwölf BN-Ortsgruppen war deutlich zu hören, dass sie die Planung der Ostspange ablehnen. "Deshalb bin ich überzeugt, dass auch das Ringen um eine landschaftsverträgliche Lösung im Wiesenttal letztendlich zu unseren Gunsten ausgehen und die Ostspange weggefegt wird", so der BN-Kreisvorsitzende Buchholz.

Rege Rede- und Diskussionsbeiträge und Fragen an den Landrat gab es von Reiner Büttner, Tom Hrubesch, Lisa Kindschus-Frenzel, Karl Waldmann und anderen. Biwo-Jugendsprecher Ilja Eger zeigte auf, was Asphalt und Beton anrichteten. Die Jugend fordert: biologische Landwirtschaft, eigenes sauberes Wasser, gesunde Luft. In der Jungen Biwo sind derzeit 19 Jugendliche aktiv. Christian Hierneis (München), Rechtsfachwirt und Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag für Umweltpolitik und Tierschutz, ließ mit seiner Power-Point-Präsentation aufhorchen, was der Flächenfraß für Folgen für Menschen, Natur und Landwirtschaft habe.

"Der Flächenverbrauch steigt mehr als der Bevölkerungszuwachs: 6205 Fußballfelder pro Jahr; ein Fußballfeld hat 7140 Quadratmeter, mehr als 44 Millionen Quadratmeter pro Jahr." Was dieser enorme Flächenverlust, der in erster Linie zulasten der Landwirtschaft gehe, für die Nahrungskette, für die Artenvielfalt in der Natur bedeute und welche Folgen dieser Flächenverlust für Landschaft, Boden, Wasser und Klima bedeute, zeigte er an verschiedenen Beispielen mit Lösungsansätzen auf. "Auf jedem Acker ist mehr Artenvielfalt als im Beton. Und jede neue Straße führt dazu, dass die Straßen voller werden", argumentierte MdL Christian Hierneis.

Vorsitzender Heinrich Kattenbeck gab einen illustrierten Rückblick im Tätigkeitsbericht des Vorstandes und der vier Arbeitskreise. Insgesamt acht Sitzungen, eine Demo, Unterstützung der Schülerstreiks "Stopp dem Klimawandel" und andere Demos wie zum Beispiel "Pulse of Europe" bestätigten ein reichhaltiges Engagement.

Dunja Schütz und Uta Dix haben die Beschwerde der Biwo bei der EU-Kommission eingereicht. Sie berichteten vom Schwerpunkt des Beschwerdegegenstandes: Verletzung eines hochwertigen EU-geschützten Natura-2000-Gebietes mit FFH-Vogelschutzgebiet (Wasserversorgung, Flächenversiegelung, Artenvielfalt).

Mit einer Laudatio und je einem Glas regionalen Waldhonig dankte Heinrich Kattenbeck den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Biwo: Hedwig Eismann, Maria Greif, Roland Kraus, Rüdiger Wilhelm und Gerhard Koch.

Neuwahl

Das Ergebnis der Neuwahl des Vorstandes für 2019 bis 2021: Vorsitzender Heinrich Kattenbeck, gleichberechtigte stellvertretende Vorsitzende Uta Dix und Alfons Eger (beide Gosberg), Schriftführer Alfons Eger, gleichberechtigte Schatzmeister der Jungen Biwo Ilja Eger, Samuel Gebhard (beide Gosberg) und Björn Klupp (Wiesenthau).

Beisitzer im Vorstand: Dunja Schütz (Wiesenthau), Rotraud Krüger (Wiesenthau), Albert Werther (Wiesenthau), Gerhard Koch (Wiesenthau), Rüdiger Wilhelm (Forchheim) und ein Vertreter der Jungen Biwo; Kassenprüfer Tom Hrubesch (Gosberg) und Dirk Merensky (Wiesenthau). Keine Zuwahl und keine personelle Veränderung gab es in den vier Arbeitskreisen (Politik, Öffentlichkeitsarbeit, Naturschutz, Praxis). red

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