Burgkunstadt

Bilder entstehen zu Beatles-Balladen

Gerhard Schlötzer ist einer der Kunstschaffenden, die in der "Neunten" der Produzentengalerie ausstellen.
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Zwei Ausstellungsbesucherinnen schauen sich ein Werk von Gerhard Schlötzer an, der nach Musik zeichnet.  Foto: Mathias H. Walther
Zwei Ausstellungsbesucherinnen schauen sich ein Werk von Gerhard Schlötzer an, der nach Musik zeichnet. Foto: Mathias H. Walther

Musik lag in der Luft, als in der Produzentengalerie an der Schönleite die Ausstellung "Die Neunte" eröffnet wurde. Musik, sowohl akustisch als auch visuell.

Für die Ohren meisterlich dargeboten vom Marktzeulner Gitarrenvirtuosen Thomas Schaller, der die Vernissage mit vollendetem Saitenspiel einleitete. Musik fürs Auge sind die Zeichnungen, die der in Bamberg lebende und arbeitende Gerhard Schlötzer ausstellt. Emotional geschaffen, aber auch analytisch durchdacht, nach bzw. zu Melodien der Klassik ebenso wie etwa zu Songs der Beatles.

Als Seismograf fungiert

Schlötzers Werke, darauf weist der Bamberger Kunsthistoriker Matthias Liebel, der die Einführungsrede hielt, explizit hin, "verstehen sich nicht als gestalterische Transformationen von Rhythmen", sind also keineswegs "simple seismografische Umsetzungen von lauten und leisen, schnellen oder langsamen Passagen". Gleichwohl wird dem Betrachter der großflächigen Bleistiftzeichnungen Schlötzers sehr wohl und sehr schnell bewusst, dass der 1963 geborene Künstler als Seismograf fungiert, wenn er die von ihm aufgenommenen Emotionen der jeweiligen Musikstücke zu Papier bringt. Dabei sind die Zeichnungen des auch als Fotografen renommierten Gerhard Schlötzer nicht etwa spontan aufs Papier geworfene Linien und Kurven. Wie Matthias Liebel hervorhob, "sind seine Zeichnungen nach Musik das Resultat einer sehr viel tiefer greifenden, oft tagelangen, manchmal wochenlangen gestaltungs-analytischen Arbeit, bei der meist mehrere Musikstücke zum Einsatz gelangen". So entstehen in systematischer Stringenz geschaffene grafische Werke, die expressiv und elegant zugleich wirken. Gerhard Schlötzer wurde in Forchheim geboren und studierte nach einem Fotopraktikum in Bamberg Kunstgeschichte sowie Denkmalpflege und Kunsterziehung. Seit 1991 ist er als freischaffender Fotograf in Bamberg tätig. Seine Schwerpunkte liegen dabei in der Experimentalfotografie sowie in der dokumentarischen Architekturfotografie.

Neben den Arbeiten Schlötzers zeigt die Produzentengalerie in der bis 19. Mai dauernden Ausstellung "Die Neunte" einen Überblick über das Schaffen der in Schwabmünchen lebenden Malerin Kersten Thieler-Küchle. Sie hat nach dem Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten München und Erlangen ein Studium der Bildhauerei, Malerei und Grafik an der Akademie in München nachgeschoben, das sie Mitte der 80er Jahre als Meisterschülerin mit Diplom abgeschlossen hat. Seither ist sie freischaffend als Bildhauerin und Malerin tätig und hat sich mit einem eigenen Atelier in Schwabmünchen bei Augsburg niedergelassen.

Breit gefächert, zum Teil auch auf den Betrachter verwirrend wirkend, ist die Malerei von Kersten Thieler-Küchle. Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen lebensfroher Farbwahl und einer düsteren Tristesse, zwischen Stillleben und landschaftlichen Sujets schwanken die Motive. Liebel: "Dabei lässt sich die Künstlerin zu ihren Gemälden, die sie meist in Acryl und Grafit auf Leinwand schafft, überwiegend durch Erscheinungen der sichtbaren Wirklichkeit inspirieren." Charakteristisch für die Gemälde von Thieler-Küchle ist die Schlichtheit der gewählten Motive: kein Drei- oder Viermaster mit aufwendigen Takelagen und großen Segeln, sondern einfache kleine Holzboote; keine imposante Meereslandschaft mit aufgepeitschten Wogen und dramatischen Wolkenwirbeln darüber, sondern ein planimetrisch zugefrorenes Seestück unter diesig grauem Himmel; keine weitläufigen Baumlandschaften mit naturwüchsig auskragendem Astwerk und einem irisierenden Gewusel aus Tannennadeln oder Laub, sondern ein unspektakuläres Waldstück mit Hohlweg und kahl in die Höhe ragenden Stämmen.

So die Beobachtung des Kunsthistorikers Liebel, der sich der Betrachter widerspruchslos anschließen kann. Außerdem sind in der Ausstellung auch Skulpturen der Bildhauerinnen und Bildhauer Martina Kreithmeier, Claudia Katrin Leyh, Patrick Niesel und Denis Delauney zu sehen.

Öffnungszeiten sind samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr. Die Produzentengalerie Burgkunstadt für Gegenwartskunst ist Am Schönberg 3 in Burgkunstadt.

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