Ebern

Bienen-Rettung sticht im Kreis

Deutlich über 10 000 Menschen im Kreis Haßberge unterstützen die Gesetzesinitiative für Artenvielfalt.
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Wetten, dass Bienenkostüme bei den Faschingsumzügen besonders gefragt sein werden? Die Befürworter des Artenvielfalt-Volksbegehrens haben allen Grund zur Freude. Unser Bild zeigt Teilnehmer einer Demonstration in München.   Foto: Symbolbild /Sven Hoppe/dpa
Wetten, dass Bienenkostüme bei den Faschingsumzügen besonders gefragt sein werden? Die Befürworter des Artenvielfalt-Volksbegehrens haben allen Grund zur Freude. Unser Bild zeigt Teilnehmer einer Demonstration in München. Foto: Symbolbild /Sven Hoppe/dpa

Eckehard Kiesewettter Kreis Haßberge — Wenn das keine klare Ansage ist! 18,4 Prozent der Wahlberechtigten in Bayern haben am Artenvielfalt-Volksbegehren "Rettet die Bienen" teilgenommen, mehr als 1,74 Millionen Bürger. Das sind fast 75 Prozent mehr als für die Zulassung des Volksentscheids nötig gewesen wären. Solch einen Spitzenwert hat noch keines der 21 bisherigen Volksbegehren im Freistaat erreicht. Wie sehr das Anliegen Natur- und Artenschutz die Bayern mobilisiert hat, lässt sich erst richtig einschätzen, wenn man bedenkt, dass die Menschen nicht einfach irgendeinen Button im Internet anklicken konnten, sondern eigens die Amtsstuben in ihren Orten aufsuchen und den Personalausweis mitbringen mussten.

Theres war Spitze

Im Landkreis Haßberge haben laut Meldung aus dem Landratsamt 10 665 Bürger (fast 15,7 Prozent) das Volksbegehren unterstützt. Der Spitzenwert wurde in der Gemeinde Theres mit 19,85 Prozent der Bürger erreicht. Auch in Sand (19,66 Prozent) unterschrieb fast jeder Fünfte die Listen. In der Maintalgemeinde ist Stefan Zettelmeier zu Hause. Er vertritt die ÖDP, welche die Initiative im vergangenen Jahr eingebracht hatte, und ist zugleich Vorsitzender des Aktionsbündnisses für das Volksbegehren im Landkreis, dem sich auch die Grünen, Linke, SPD, die Imkervereine und (nach der Landtagswahl) der Bund Naturschutz (BN) angeschlossen hatten. Weitere Spitzenwerte mit mehr als 18 Prozent wurden in Gädheim, Haßfurt und Rentweinsdorf erreicht. Schlusslichter sind Burgpreppach (8,55 Prozent) und Pfarrweisach (9,16 Prozent). Ebern, wo der BN stark vertreten ist, erreichte etwas über 14 Prozent, ein durchschnittlicher Wert. Weitere Orte in der "Baunach-Allianz", zu der Ebern gehört, erreichten die Spitzenplätze für den Landkreis Bamberg, so Baunach mit 23,04 und Reckendorf mit 21,27 Prozent.

"Keine Überraschung"

"Das Ergebnis war zu erwarten und kommt für mich nicht überraschend", sagt Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider in einer ersten Stellungnahme: "Mit den Bienen wurde ein sehr positives Bild für das Volksbegehren benutzt". Das Begehren habe viele Bürger mobilisiert und den Artenschutz ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Der CSU-Politiker weiter: "Schade ist, dass bei so einem wichtigen Thema nicht die gesamte Gesellschaft direkt in die angedachten Maßnahmen einbezogen wird, sondern nur eine Berufsgruppe." Damit spricht er die Belange der Landwirte an, die sich durch die Forderungen nach Gesetzesänderungen im Sinne des Naturschutzes in die Enge gedrängt fühlen.

Die ÖDP bejubelt den Erfolg. Seine Partei sei "natürlich sehr erfreut über das Votum so vieler Bürger", bestätigt Klemens Albert, der für die ökologischen Demokraten im Kreistag sitzt. "Es wurde vielen Menschen bewusst, wie dramatisch sich der Artenrückgang tatsächlich gestaltet." Albert bedauert, dass der Bauernverband auf Spaltung gesetzt und nicht konstruktiv mitüberlegt habe, wie man gemeinsam für die Artenvielfalt etwas in Bewegung bringen kann. "Darum muss es nämlich jetzt gehen", fordert der frühere Schulleiter.

Klaus Merkel, Kreisvorsitzender im Bayerischen Bauernverband (BBV), zeigt sich vom Ergebnis wenig überrascht, hätten die Organisatoren mit Unterstützung der Medien doch Propaganda betrieben und Fake News verbreitet: "Wenn wir im Kreis Haßberge mit 42 000 Hektar Fläche auf 33 000 Hektar Kulturlandschaft mit Vertragsnaturschutz betreiben, tun wir heute schon mehr, als es der Gesetzentwurf verlangt".

Merkel ist überzeugt, dass ein Gros der Unterzeichner nicht wusste, was er da genau unterschreibt. "Bei uns im Kreis ist die Welt noch in Ordnung", befindet der Landwirt aus Mariaburghausen. Er warte nun gespannt auf die Gesetzesinitiative von Ministerpräsident Söder, der am Ende beide retten will, Bienen und Bauern. BBV-Sprecher Merkel: "Man sollte nicht extreme Positionen suchen. Das spaltet die Gesellschaft und tut nie gut."

Deutliche Hinweise

"Das überwältigende Ergebnis des Bienenvolksbegehrens - auch im Landkreis - hat gezeigt, dass sich die Bevölkerung ernsthaft Gedanken um die Zukunft macht", freut sich BN-Kreisvorsitzender Klaus Mandery, "um die Zukunft der Bienen, der anderen Insekten und um die eigene bzw. die ihrer Kinder".

Der Volkeswille mache deutlich, dass nicht so weitergemacht werden kann wie bisher. "Es gibt viele deutliche Hinweise, was zu verändern ist", sagt der Biologe. Der vorgeschlagene Gesetzestext greife diese auf. Gemeinsam müsse nun versucht werden, das Beste aus dem Volksbegehren zu machen.

Mandery: "Aus meiner Sicht müssen sich alle zusammensetzen und nach einer Lösung suchen". Da seien die Landwirte genauso gefragt wie die Verbraucher. "Alle Flächenbesitzer müssen ebenso ihr Verhalten gegenüber unserer Landschaft mit ihrer Artenvielfalt überprüfen und gegebenenfalls ändern. Packen wir's an!" Beim BN erwartet man sich, wie Harald Amon, Ortsvorsitzender in Ebern, anführt, auch Auswirkungen des bayerischen Volksbegehrens auf die aktuelle bundesweite Diskussion.

"Es ist ein guter Beginn", sagt Werner Scharpf, neuer Zweiter Vorsitzender des Imkervereins Ebern, "aber wir werden die Insekten damit nicht zurückholen können". Die Bienen, Symboltiere für das Begehren, wären ohne die Arbeit der Imker nicht zu retten. Daran sei hauptsächlich die Varroa-Milbe schuld. Die milden letzten Tage haben die Bienen übrigens geweckt. Scharpf: "Sie fliegen wieder; das passt alles hier bei uns in der Gegend."

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