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Reckendorf

Beweis: Es gibt schöne Hexen

Fasching  Von 2000 Reckendorfern kümmern sich allein 500 Helfer darum, dass beim Umzug am kommenden Sonntag alles funktioniert. Ob Verein, Jugendgruppe oder Mädels-Stammtisch - alle machen sie beim Altweibermühlen-Fasching mit.
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von unserem Redaktionsmitglied Sarah Dann

Reckendorf — Allzu sexy wollen sie gar nicht sein, eher schön. Auf jeden Fall nicht alt und schrunzlig und gruselig, so wie die Altweiber, die am kommenden Faschingssonntag in Reckendorf wohl mit Abstand die Hauptattraktion sein werden. Immer zehn Jahre haben die Reckendorfer Zeit, neue Faschingsenergie und -ideen zu sammeln. Drei Reckendorferinnen - Simone Zahner, Sonja Schug und Marion Sippel - finden, das ist genau richtig so. Sie haben vor einem Jahr beim Umzug in Ebern entschieden, dass sie sich als "Sexy Recken Hexen" verkleiden wollen und einen eigenen Umzugswagen gestalten sollen. Sexy gar nicht unbedingt, weil die Kostüme so gewagt wären, sondern weil es halt flotter klingt, und "weil es Recken Bier gibt und es sich darauf reimt", erklärt Sonja Schug.
Wenn am Sonntag die traditionelle Altweibermühle die hässlichen Weiber in junge Schönheiten verwandelt, reihen sie sich mit ihren Stammtisch-Mädels in das Umzugsgeschehen ein, führen bei jedem Mahlvorgang des Mühlewagens ihren Tanz auf, schenken alkoholische Getränke aus, werfen Bonbons... was man halt so im regen Faschingstreiben macht.

Vorwarnung: Es wird bunt

Politische Themen überlassen die "Sexy Recken Hexen" den anderen. Ob Wirtshaussterben, Benutzung des Jugendraums oder Sportplatz - Sonja Schug weiß, lokalen Gesprächsstoff wird es geben, auch wenn die Themenwahl an und für sich nicht unbedingt überraschen wird. Aber es kommt ja letztlich auf die Umsetzung an und Sonja kündigt gerade beim Wagen der Jugend gute Sprüche an. "Die, die gemeint sind, werden sich schon angesprochen fühlen", sagt auch Marion Sippel. So kurz vor dem Umzug wissen mittlerweile die meisten Reckendorfer, wer welches Motiv aufgreifen wird. Verboten wird aber vom Ortskulturring Reckendorf im Voraus nichts, das finden die "schönen Hexen" gut.
Ein bisschen Enttäuschung und Unverständnis setzt sich bei den Reckendorferinnen durch, dass Ebern nicht bereit war, ihren diesjährigen Umzug - der auch am Faschingssonntag stattfindet - zu verlegen. "Wir hätten bei ihnen ja dann auch nochmal mitlaufen können", sagt Marion Sippel. Aber darüber machen sich die "Sexy Recken Hexen" keine Gedanken mehr. Voll wird es in Reckendorf so oder so, meinen die Hexen.
Gerade weil das Ereignis eben nur alle zehn Jahre für Aufmerksamkeit sorgt, muss alles gut vorbereitet sein. "Bei uns ist ein Zimmer voller Fasching", erzählt Simone Zahner. Auch Ehemann und Kinder haben ihre Kostüme ausgebreitet.
Wer in einem Verein ist, kommt um den Faschingsumzug wohl nicht drum herum: "Reckendorf ist Pflicht", sagt Sonja Schug. Allein 500 Helfer kümmern sich am kommenden Sonntag beispielsweise darum, dass alle Besucher einen Parkplatz finden und jeder Besucher gut versorgt wird. "Und günstig", fügt Schug noch hinzu. Dahinter steckt nämlich der Ursprungsgedanke: Eine Gaudi, die für alle Bewohner bezahlbar ist. Und selbst die Chefs der Hexen zeigen sich großzügig: Der Eine stellt sein Auto als Zugpferd zur Verfügung, der Andere steuert Ausschank-Ware bei... "man muss nur mit den Leuten reden", lacht Marion Sippel. In das Faschingstreiben eingeweiht wurden im Voraus auch die Asylanten, die im Schwarzen Adler wohnen. Nicht, dass einer noch einen Kulturschock bekommt.

Zehn Jahre später

Und wer die "Sexy Recken Hexen" in diesem Jahr verpassen sollte: Vielleicht holen sie ihr schwarz-rotes Kostüm einfach im nächsten Jahr noch einmal in Ebern oder Baunach raus. Bis es in Reckendorf nämlich das nächste Mal wieder närrisch zugeht, "gehören wir schon zu den Senioren", witzelt Sonja.
Vor einer närrischen Gehhilfe-Hexen-Inszenierung - oder was ihnen dann eben so einfällt - schrecken die Anfang, Mitte 40-Jährigen schon heute nicht zurück.


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