Weisendorf
Urteil

Bewährungsstrafe für 20 Jahre altes Drogendelikt

Es war ein banger Blick, den die 57-jährige Angeklagte, sichtlich aufgeregt, kurz vor Prozessbeginn am Donnerstagmorgen auf die Uhr richtete. Richter Wolfgang Gallasch hatte sich kurz zuvor noch einma...
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Es war ein banger Blick, den die 57-jährige Angeklagte, sichtlich aufgeregt, kurz vor Prozessbeginn am Donnerstagmorgen auf die Uhr richtete. Richter Wolfgang Gallasch hatte sich kurz zuvor noch einmal zurückgezogen, um die zwei Schöffen über den Sachverhalt zu unterrichten. Denn die Straftat, die die Angeklagte im Raum Erlangen-Höchstadt begangen hat, liegt 20 Jahre zurück.
Am 8. Juli 1998 wurde die Wohnung der gebürtigen Deutschen und ihres Mannes in Weisendorf durchsucht. Die Polizei fand 49,3 Gramm Heroin und 316,4 Gramm Marihuana. Die "nicht geringe Menge" ließ darauf schließen, dass die Substanzen zum Weitverkauf verwendet werden sollten, wenngleich die Frau am Donnerstag bestätigte, auch selbst konsumiert zu haben. Über Nacht hatte sich das Ehepaar mit seinen zwei Kindern dann nach Belgien abgesetzt, wo sie in den vergangenen Jahre wohnten. Der Haftbefehl vom 17. Juli 1998 konnte somit nicht vollstreckt werden.
Als die Frau vor drei Monaten allerdings wieder in die Bundesrepublik einreiste, wurde sie festgenommen und anschließend in U-Haft verwahrt. Während das Verfahren gegen den Ehemann wegen Verjährung eingestellt wurde, wurde der Fall der Frau am Donnerstagmorgen noch einmal im Amtsgericht Erlangen aufgerollt.


Angeklagte hat gestanden

Staatsanwältin Schröder sprach von einem "mittelschweren Fall", da das Delikt schon so lange her sei. Positiv für die Angeklagte sei zudem, dass sie in Deutschland nicht weiter vorbestraft ist und vor Gericht ein Geständnis abgelegt hat. Doch die Qualität der Drogen war für damalige Verhältnisse teilweise gut. Die Staatsanwältin plädierte für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten zur Bewährung und eine Geldauflage von 1000 Euro. Auch der Verteidiger argumentierte für eine Bewährung, allerdings für ein Jahr und ohne Geldstrafe.
Das Urteil fiel milde aus: ein Jahr auf Bewährung, ausgesetzt auf drei Jahre und keine Geldzahlungen. "Sie haben einen kleinen Fehler gemacht, indem sie drei Monate zu früh eingereist sind", so Richter Gallasch, der früher selbst Rauschgiftstaatsanwalt war. Positiv angerechnet wurde der Angeklagten weiter, dass sie nun bereits zwei Monate in Untersuchungshaft saß, weshalb von einer Geldzahlung abgesehen wurde.
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