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Betrunken zweimal zugeschlagen

Eine 18-Jährige soll einen 24-Jährigen mit Schlägen verletzt haben. Die Angeklagte sieht sich als Opfer. Alkoholkonsum der Beteiligten säte Zweifel an den Aussagen.
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Foto: Angelika Warmuth, dpa
Foto: Angelika Warmuth, dpa
"Ich habe ihn nicht geschlagen", beteuerte die Angeklagte mehrmals. Die 18-Jährige wurde beschuldigt, im Februar einen 24-Jährigen Heroldsbacher vor der Bar "Paletti" in Forchheim mit der Faust zweimal auf die Nase geschlagen sowie mit den Füßen gegen das Schienbein und im Genitalbereich getreten zu haben. Die die Schläge ins Gesicht der Angeklagten brachen ihm die Nase.
Die Angeklagte war zuvor mit ihrem Ex-Freund in der Bar "Backstage" unterwegs, wo sie eine Gruppe Jugendlicher trafen. Sie tranken mit dieser Gruppe und zogen dann gemeinsam weiter.
Auf die Frage von Richter Philipp Förtsch, wie viel Alkohol sie denn getrunken hätte, antwortet die Angeklagte "schon ein bisschen was". Vor der Bar "Paletti" hätte sich die Angeklagte dann mit einer 24-Jährigen angelegt. "Ich habe mitbekommen, dass die Angeklagte mit meiner Freundin draußen geredet hat. Dann hat sie meiner Freundin eine Ohrfeige gegeben und ihr die Brille runtergeschlagen", schildert eine 22-jährige Zeugin die Situation. Sie eilte zu ihrer Freundin, woraufhin die 18-Jährige ihr ebenfalls eine Ohrfeige verpasst haben soll.
"Wir kennen uns gar nicht. Ich weiß nur, dass du sehr betrunken warst", wendet sich die Zeugin an die Angeklagte.
Der 24-jährige Geschädigte hatte die Situation ebenfalls beobachtet und wollte schlichtend eingreifen.
Doch die Situation eskalierte: Die Angeklagte schlug wild um sich und traf dabei den 24-Jährigen zweimal an der Nase. Sie handelte "unbewusst", wie sie sagte. Um die Angeklagte zu beruhigen und von weiterer Gewalt abzuhalten, versuchte der 24-Jährige, sie zu Boden zu drücken.


Wo es so richtig wehtut

Dabei trat die Angeklagte ihn gegen das Schienbein und traf ihn zweimal mit dem Fuß im Genitalbereich. Die Angeklagte selbst sah das als reine Notwehr an. Neben seinen äußerlichen Verletzungen erlitt der 24-Jährige auch eine Gehirnerschütterung. Da seine Nase auf normalem Wege nicht zusammenwachsen kann, steht noch eine Operation aus.
Den Schlag ins Gesicht hatte zwar keiner der Zeugen gesehen, laut Richter Förtsch gibt es jedoch kein Motiv, warum der zeuge sie zu Unrecht belasten sollte. "Vielleicht haben Sie es auch nicht mehr so in Erinnerung, da Sie so sehr in Rage waren. Sie waren nicht das Opfer, Sie waren die Aggressive", erklärt er.
Laut des Polizeibeamten, der zum Einsatz gerufen wurde, war der Großteil der Jugendlichen alkoholisiert. "Die Angeklagte war sehr aggressiv. Ich musste sie zurückhalten, damit sie nicht auf die Gruppe losging", erzählt der 28-jährige Polizeibeamte. Ihm sei auch sofort die geschwollene Nase des Geschädigten aufgefallen.
Die Angeklagte lebt mit ihrem Vater im Landkreis Forchheim. Ihre Entwicklung entspreche eher der einer Jugendlichen als der einer Erwachsenen, so die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe. Die Angeklagte sei zudem früher selbst Opfer von Mobbingattacken gewesen.
Auf sie warten nun 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die innerhalb von vier Monaten abzuleisten sind. Die Angeklagte soll zudem in den nächsten sechs Monaten vom Jugendamt unterstützt werden.
Dazu wird ein vom Geschädigten gefordertes Schmerzensgeld kommen, dessen Höhe noch unklar ist. "Vermeiden Sie den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit. Sie wissen nicht, ob Sie wieder ausrasten", riet Richter Förtsch der Verurteilten.

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