Haßfurt

Betrunken Polizisten beleidigt

Wegen falscher Verdächtigung, Beleidigung und Körperverletzung muss ein 34-Jähriger für drei Monate in den Knast. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.
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Hielt er sich für besonders schlau, hat er aus Übermut gehandelt oder war ihm etwa langweilig? Jedenfalls war es gar keine gute Idee, die ein 34-jähriger Maschinenbediener in die Tat umsetzte: Betrunken wankte er auf die Dienststelle der Eberner Polizei, um einen dort angestellten Beamten wegen einer angeblichen Körperverletzung anzuzeigen. Für diese falsche Verdächtigung, verbunden mit einer Beleidigung und einer später begangenen Körperverletzung, muss der Arbeiter nun drei Monate in den Knast.
Es war am 16. März diesen Jahres gegen 19 Uhr, als zwei Polizisten versuchten, den stark alkoholisierten Mann nach einem lautstarken Streit mit Bekannten in der Ortsmitte von Ebern zu beruhigen. Dabei erteilten sie ihm einen Platzverweis und schoben ihn aus der "Streitzone". Nach einigem Hin und Her trollte sich der Betrunkene.
Die Beamten gingen davon aus, dass damit die leidige Sache erledigt sei - weit gefehlt! Denn schon eine halbe Stunde später schlug der mehrfach Vorbestrafte bei der dortigen Polizeidienststelle auf, um die oben genannte Strafanzeige zu erstatten. Dabei zeigte er eine blutende Abschürfung seiner rechten Hand vor. Doch die hatte er sich nicht im Gerangel mit dem Polizisten zugezogen. Die polizeiinternen Recherchen in der Dienststelle ergaben schnell, dass die Anschuldigung erstunken und erlogen war. Als der mit 1,7 Promille vollgetankte Zecher von dannen zog, titulierte er zum Abschied einen der Ordnungshüter als "Arschloch".
Mit Einverständnis des Pflichtverteidigers Horst Soutschek wurde eine weitere Tat gleich mitverhandelt. Heuer, am 24. April, kam es in Rentweinsdorf zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und einem seiner Saufkumpane. Nachdem ihn sein Kumpel angeblich etliche Male geschubst und provoziert hatte, rastete der Angeklagte aus und verprügelte seinen Gefährten, indem er ihn mindestens fünf- bis sechsmal mit der Faust ins Gesicht und in den Bauch schlug. Auf den in der Akte befindlichen Fotos ist das Opfer mit Hämatomen regelrecht übersät.
Erstaunlich verlief die bisherige kriminelle Karriere des Beschuldigten. Laut Auszug aus dem Bundeszentralregister wurde er fünfmal rechtskräftig unter anderem wegen Sachbeschädigung, Trunkenheit im Verkehr und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Alles in den vergangenen zwei Jahren! Da er zuvor strafrechtlich nie auffällig geworden war, muss es hier einen Bruch im Leben des zweifachen Vaters gegeben haben. Möglicherweise hängt das mit seiner Scheidung zusammen.
Verhängnisvoll war für den Angeklagten, dass er die nun verhandelten Straftaten unter laufender Bewährung begangen hat. Denn erst im Sommer 2017 kassierte er wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Bedrohung eine neunmonatige Bewährungsstrafe. Das brach ihm nun sprichwörtlich das Genick.


Kein Spielraum für Bewährung

Das Hohe Gericht reduzierte zwar die von Staatsanwalt Marian Rübsamen geforderte sechsmonatige Haftstrafe auf die Hälfte, aber für eine erneute Bewährung sah Amtsrichterin Ilona Conver keinen Spielraum mehr. "Jetzt ist Schicht am Schacht!", sagte sie wörtlich. Obendrein muss der Verurteilte damit rechnen, dass auch die längere Freiheitsstrafe aus dem vorhergehenden Urteil "aktiviert" wird - die Folge wäre ein insgesamt einjähriger Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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