Kulmbach

Betreuungsvereine bitten um Hilfe

Die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege hat eine Unterschriftenkampagne gestartet, um die Finanzierung dieser wertvollen Arbeit zu sichern.
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200 000 Ehrenamtliche engagieren sich in ganz Bayern in Betreuungsvereinen.  Symbolbild: Daniel Naupold/dpa
200 000 Ehrenamtliche engagieren sich in ganz Bayern in Betreuungsvereinen. Symbolbild: Daniel Naupold/dpa
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Der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft nimmt stetig zu, 20 Prozent der Gesamtbevölkerung sind über 65 Jahre alt. Jeder Vierte der über 65-Jährigen leidet an psychischen Störungen. Ein Viertel der über 85 Jahre alten Mitbürgerinnen und Mitbürger ist von demenziellen Einschränkungen betroffen.
Zur Unterstützung in der Wahrnehmung und Vertretung der Interessen dieser Menschen engagieren sich rund 200 000 Ehrenamtliche in ganz Bayern im Rahmen von sogenannten Betreuungsvereinen. Doch auch das ist nur ein Teilbereich dessen, worum sich ein Betreuungsverein kümmert. "Wir übernehmen die rechtliche Betreuung von Erwachsenen, die entweder hochaltrig sind und/oder von Demenz betroffen, Menschen mit psychischer Erkrankung, von Suchtkranken oder geistig Behinderten", so Lotte Eschenwecker vom Caritas-Verband.
Zusammen mit ihren Mitstreitern Ingrid Schweiger vom Bayerischen Roten Kreuz und Matthias Meußgeyer von der Awo ist sie unermüdlich im Einsatz für Betroffene und deren Bevollmächtigte. Als Betreuungsvereine sind sie stark vernetzt, bilden eine Arbeitsgemeinschaft und arbeiten eng mit der gerichtlichen Betreuungsstelle zusammen. "Wir übernehmen dabei nicht nur die Betreuung von Menschen, sondern wir beraten auch in Hinsicht auf Betreuungsverfügungen, Vorsorgevollmachten oder Patientenverfügungen", sagt Matthias Meußgeyer.
In regelmäßigen Vorträgen und individuellen, kostenfreien Beratungsgesprächen können sich Interessierte alle notwendigen Informationen in Sachen Betreuung holen. "Wenn eine Vorsorgevollmacht gut gemacht ist, vermeidet dies oft eine rechtliche Betreuung", rät der Leiter des Betreuungsvereins der Awo. Zwar habe man dann keine gerichtliche Kontrolle, wenn beispielsweise ein Angehöriger die Betreuung übernimmt, aber man spare auch einiges an Kosten. "Denn wer genügend Geld hat, muss für die Betreuung bezahlen." In manchen Fällen rät er jedoch dringend zu einem externen Betreuer, beispielsweise, wenn es um Suchterkrankungen geht. "Hier sind Angehörige meist zu nah dran."


Geringer Satz

Im Gegensatz zu den selbstständigen Berufsbetreuern arbeiten die berufsmäßigen Vereinsbetreuer zu einem geringeren Satz, wenn nicht gar ehrenamtlich, zum Beispiel als Angehöriger. "Der Betreuungsverein darf im Schnitt pro Monat zwei Betreuungsstunden abrechnen, das ist in vielen Fällen bei weitem nicht ausreichend", sagte Matthias Meußgeyer. Viele Betreuungsvereine hätten daher bereits ihre Tätigkeit einstellen müssen, da sie nur noch defizitär arbeiten konnten.
Diesem Zustand hat die Bayerische Staatsregierung aktuell insoweitentgegen gewirkt, dass sie für 2018 die Zuschüsse für die Betreuungsvereine erstmalig seit 2005 erhöht hat. Da die Betreuungsvereine jedoch fürchten, dass dies eine einmalige Finanzspritze war und sichergestellt werden soll, dass im Doppelhaushalt der Staatsregierung für 2019/2020 entsprechende Gelder zur Sicherstellung dieser wertvollen Arbeit eingestellt werden, startete die Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege in Bayern eine Unterschriftenkampagne. "Wir wollen bewirken, dass es in Bayern auch für die nächsten Jahre eine Festschreibung dieser Erhöhung gibt."
Wer diese Aktion mit seiner Unterschrift unterstützen will, kann dies bis Mitte September tun. Entsprechende Unterschriftenlisten liegen in der Geschäftsstelle des BRK und dessen Einrichtungen, in der Geschäftsstelle der Awo in der Oberen Stadt und in deren Einrichtungen sowie in der Caritas-Geschäftsstelle in der Bauergasse 3+5 aus. "Wir hoffen, dass viele Menschen uns mit ihrer Unterschrift unterstützen, denn Betreuung geht jeden an - oft schneller als man denkt", sagte Matthias Meußgeyer.
Menschen, die eine Beratung benötigen, kommen am besten in die Sprechstunden der Betreuungsvereine jeweils donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr, die drei Betreuungsvereine wechseln sich dabei jeweils ab. Informationen unter www.awo-kulmbach.de, www.brk-kulmbach.de, www.caritas-kulmbach.de


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