Bamberg
Tag des offenen Denkmals 

Besonderheit in der Gärtnerstadt

Das landwirtschaftliche Anwesen in der Färbergasse 14 öffnet am Sonntag erstmals das Hoftor für interessierte Besucher. Der neue Besitzer will die historische Substanz und Raumstruktur weitestgehend erhalten.
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Matthias Kredel, Koch und Genussmensch, hat ein Faible für alte Gemäuer. Fotos: Matthias Hoch
Matthias Kredel, Koch und Genussmensch, hat ein Faible für alte Gemäuer. Fotos: Matthias Hoch
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Fürs offizielle Programm zum "Tag des offenen Denkmals" am kommenden Sonntag hat es zeitlich nicht mehr gereicht. Erst Ende März hat Matthias Kredel den historischen Dreiseithof in der Gärtnerstadt erworben, im Mai gab's einen ersten Ortstermin mit den Denkmalschutzbehörden. Ende Mai schließt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die den Tag koordiniert, die Liste fürs Programmheft.
Matthias Kredel schließt sich am 10. September trotzdem an. Und der Blick hinter das dann von 10 bis 13 Uhr geöffnete Hoftor der Färbergasse 14 lohnt sich, denn das Objekt ist für Bamberg eher außergewöhnlich. "Macht und Pracht", so das Motto des diesjährigen Denkmaltags, verortet man in der Gärtnerstadt eher nicht. Und das Anwesen kann auch sicher nicht mit den diversen Palais der Schrottenbergs mithalten, die am Sonntag ebenfalls zu sehen sind. Doch im Gegensatz zu den typischen Gärtnerhäusern wurde hier im 16. Jahrhundert ein zweigeschossiger Satteldachbau errichtet.
"Die Funktion des Gebäudes ist nicht geklärt. Es scheint sich um einen Speicherbau mit repräsentativem Anspruch gehandelt haben, nur so ist das durchgängig mit einer Bohlenbalken, Mittelunterzug und Mittelstütze versehene, hallenartige Obergeschoss erklärbar." Das schreibt der Bamberger Kunsthistoriker Volker Rößner in einem Beitrag über die Färbergasse 14 für einen demnächst erscheinenden Band "Groß-Inventar der Gärtnerstadt". Das Alter der besagten Balken lässt sich ziemlich exakt bestimmen. Eine dendrochronologische Untersuchung des Instituts für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte der Universität Bamberg ermittelte dabei Kiefernholz, das im Winter 1582/83 geschlagen wurde. Eine Fichte, deren Holz im Unterzug des Südgiebels verarbeitet ist, wurde sogar noch ein Jahr früher gefällt.
Das Gärtnerhaus, ein Kniestockbau mit später angehängtem Pultdach, in dem sich zur Färbergasse hin das Tor des Anwesens befindet, wurde um 1860 errichtet. Das Ensemble an der Ecke Tocklergasse war damit nach drei Seiten geschlossen. Mit seiner Größe, viel Nutz- und Lagerfläche und nur bescheidener Wohnfläche ist das landwirtschaftliche Anwesen, zu dem auch Stallungen gehören, eine Besonderheit in der Gärtnerstadt, wie Rößner in seiner Untersuchung zusammenfassend feststellt.
Etwas Besonderes soll das Anwesen nach fast einem Jahrzehnt des Leerstand nach dem Willen des neuen Eigentümers auch wieder werden. Auf einem Internetportal stieß Matthias Kredel im vergangenen Dezember erstmals auf das Objekt. Der Forchheimer, in der Sternegastronomie gelernter und jahrelang tätiger Koch und Weinsommelier, interessiert sich schon seit Jahren für denkmalgeschützte Immobilien und hat nach eigenen Bekunden auch schon Erfahrungen mit der Materie gesammelt. "Mich faszinieren alte Gebäude", stellt er fest.
Was ihm für das Anwesen vorschwebt hat nicht nur mit seinem Interesse für alte Häuser zu tun, sondern auch viel mit seinem beruflichen Werdegang. So kann er sich neben der Schaffung von Wohnraum auch die Einrichtung einer Kochschule oder ein kleines Gärtnerhotel mit fünf bis sechs Gästezimmern vorstellen. Die Nachbarschaft der Gärtner wie Sebastian Niedermaier weiß er dabei sehr zu schätzen. "Es ist wichtig, in alle Richtungen zu denken und mit Offenheit an das herausfordernde Thema heranzugehen."
Auf alle Fälle will Kredel aber möglichst viel von der bestehenden Raumstruktur und der Bausubstanz erhalten. Die Bauleitung plant er selbst zu übernehmen und mit seinen Ideen zu bereichern. Es sei in der doppelten Bedeutung des Wortes wichtig, "sich nichts zu verbauen". Zur Verfügung stehen etwa 580 Quadratmeter Nutz- und Wohnfläche. Zur Umsetzung hat er sich aber bereits ein professionelles Team von Planern um den Forchheimer Architekten Thomas Frank und die Landschaftsplanerin Brigitte Müller aus Ebermannstadt zusammengestellt. Bis Ende Herbst soll die Planung stehen, beziehbar könnte das sanierte Gebäude dann bereits 2019 sein.
Am Tag des offenen Denkmals soll das Hoftor der Färbergasse 14 von 10 bis 13 Uhr geöffnet sein. Führungen in das Obergeschoss und Haupthaus (für maximal 15 Personen) will der Hausherr um 10.30 Uhr, 11.30 Uhr und 12.30 Uhr anbieten.
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