Lautertal
kümmelstollen

Besonderer Duft im Rathaus

Das gibt es immer nur einmal im Jahr im Lautertaler Rathaus. Einer langen Tradition gemäß konnten Lautertaler Kinder, die nach dem 1.10.2004 geboren wurden, wieder ihren "Kümmelstollen", ein speziell ...
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Linus Völker (links) und Lian Theiss waren die Ersten, die Bürgermeister Karl Kolb "bedienen" durfte. Glücklich nahmen sie ihren "Weck" nach Hause.  Foto: Martin Rebhan
Linus Völker (links) und Lian Theiss waren die Ersten, die Bürgermeister Karl Kolb "bedienen" durfte. Glücklich nahmen sie ihren "Weck" nach Hause. Foto: Martin Rebhan

Das gibt es immer nur einmal im Jahr im Lautertaler Rathaus. Einer langen Tradition gemäß konnten Lautertaler Kinder, die nach dem 1.10.2004 geboren wurden, wieder ihren "Kümmelstollen", ein speziell für diesen Anlass gebackenes Weißbrot mit Kümmel, in Empfang nehmen.

Seit nunmehr 49 Jahren wird in Lautertal dieser Brauch gepflegt. Die Gemeinde hält damit das Vermächtnis von Andreas Ehrhardt, der von 1719 bis 1790 in Oberlauter lebte, nicht nur in Erinnerung, sondern sorgt damit auch für etwas nicht Alltägliches. Andreas Ehrhardt hinterließ der Gemeinde einen Nachlass von 50 fränkischen Gulden, 30 Kronen süddeutscher Währung, mit der Maßgabe, zum Andenken an ihn an seinem Namenstag, dem 30. November, an jedes Kind von der Geburt bis zur Entlassung aus der Schule einen "Weck" zu verteilen. Für die Vorsteher des Ortes hinterließ er 100 fränkische Gulden. "Die Ortsvorsteher gedenken dieses Tages in einer Mahlzeit", heißt es in dem Vermächtnis weiter.

Das Guthaben ist zwar längst aufgebraucht, aber im November des Jahres 1970 beschloss der damalige Gemeinderat einstimmig, diesen Brauch wieder aufleben zu lassen. Etwas Wehmut herrschte bei denen, die aus "Altersgründen" ihren letzten "Weck" in Empfang nahmen. Begleitete sie doch die hoch gehaltene Tradition ihr bisheriges Leben in der Gemeinde. Dass der Kümmelstollen gern angenommen wird, zeigt sich auch daran, dass es kaum Kinder gibt, die freiwillig darauf verzichten. Wer nicht selbst kommen kann, beauftragt Oma, Opa, Geschwister oder Freunde, die Gabe abzuholen. In diesem Jahr standen 620 Kinder auf der Liste von Christiane Rauscher, die in der Gemeinde für das Projekt verantwortlich zeichnet.

Auffallend war, dass viele Mädchen und Jungen mit eigenen Taschen und Stofftüten kamen und somit auf das Einpackpapier verzichteten. So leisteten sie einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz. Auch für Bürgermeister Karl Kolb ist es erfreulich, dass diese Tradition bei den Kindern auf eine solch hohe Resonanz stößt. Am Abend des Andreastages trafen sich nach altem Brauch die Gemeinderäte, um des menschenfreundlichen und wohlgesinnten Bürgers zu gedenken. Weil der 30. November heuer ein Samstag war, wurde die Ausgabe der Weißbrote auf Montag verschoben. mr

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