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Mitwitz

Benutzen statt besitzen

Auf Einladung der Grünen sprach Frank Braun in Mitwitz über Wege zur fairen Kommune.
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Frank Braun bei seinem Vortrag in Mitwitz Foto: Maria Löffler
Frank Braun bei seinem Vortrag in Mitwitz Foto: Maria Löffler

Mitwitz —  "Faire Gemeinde Mitwitz", dieser Weg soll künftig beschritten werden, jedenfalls wenn es nach dem Ortsverband der Grünen geht. Die schüttelten am Diskussionsabend im Gasthof Wasserschloss ein Ass aus dem Ärmel und präsentierten mit Referent Frank Braun (Eine-Welt-Netzwerk) aus Nürnberg nicht nur Probleme, sondern vor allem Lösungen. Und gemeinsam verbreiteten sie Zuversicht, dieses Ziel auch umsetzen zu können.

Enormes Einflusspotenzial sieht der Mitwitzer Ortsverband der Grünen vor allem bei der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen der öffentlichen Hand. Dienstkleidung, Baumaterialien, Feste - das seien nur einige wenige Punkte, an denen künftig der Hebel angesetzt werden soll.

Frank Braun, der auch schon Kronach und Kulmbach auf dem Weg zur fairen Kommune begleitete, hatte schon gleich am Anfang eine gute und eine schlechte Nachricht: "Wir werden immer reicher, aber wir werden auch immer unglücklicher." Explodieren würden wir - und zwar in allen Kategorien unseres Lebens. Das brachte ihn dann auch schnell zum Müllproblem unserer Zeit. "Eine Zigarettenkippe vergiftet 50 Liter Wasser. Sie besteht zu 90 Prozent aus Plastik und aus über 50 verschiedenen Giften." Und so beschrieb er den Kreislauf des Plastiks vom Verbraucher bis ins Meer. Jetzt bräuchte es eine "Transformations-Strategie", denn Wachstum wäre ja nicht unendlich möglich. "Es gibt auch keine Wunderwaffe, die man zünden könnte, und alles wird wieder gut." Obendrein bräuchten wir zum Umdenken auch keine politische Agenda mehr, denn "Umwelt- und Menschenrechte lassen sich nicht benennen." Er schloss dieses Kapitel mit den Worten: "Wir sollten aufhören, Boote zu bauen und endlich lossegeln."

Wie man den Zieleinlauf schaffe, darüber sprach Braun ebenfalls. "Wir müssen die Menschen emotional erreichen und vor allem müssen wir überlegen, ob wir die Dinge nicht einfach nur benutzen können, oder ob wir sie tatsächlich besitzen müssen." Man müsse ja nicht alles kaufen, nur weil man es könne. Und was bei jedem Einzelnen anfange, das könne man natürlich vor allem auf Städte und Kommunen umlegen. Hier solle man nach alternativen Produktlösungen und fair gehandelter Ware suchen. Man müsse auch erst einmal darüber nachdenken, wie man den Lebenszyklus eines Produktes maximieren könne. Allein beim "richtigen Hinschauen" könne man das "Sich-leisten-können" schon erkennen.

Verdeutlicht hatte er das am Beispiel eines handelsüblichen Druckers in der Billigvariante und in der fair gehandelten. Hier seien zwar die Anschaffungskosten beim fair gehandelten Produkt erst einmal etwas höher, dafür spare man am Stromverbrauch, bei den Kartuschen und bei der Lebensdauer. Seine Empfehlung: "Wir müssen umdenken, verweigern, reduzieren, wiederverwenden, reparieren, recyclen und kompostieren."

"Teilen-tauschen-schenken" sei ein Prinzip, das in der heutigen Zeit Gott sei Dank im Trend liege. "Gute Beispiele multiplizieren sich automatisch." Und aus seiner Schultüte der Alternativen zauberte er noch weitere Anregungen: "Repair-Cafés installieren, Kleidertauschbörsen und Flohmärkte organisieren, Abfallsammelaktionen anregen, Foodsharing praktizieren." Obendrein könnten Städte und Kommunen statt all der Zierpflanzen doch Gemüsebeete anpflanzen und sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. "Das kostet auch nicht mehr, ist gesund und dient allen."

Aktuell stehe das Thema "Plastik" in Mitwitz auch auf den Bezug zum bevorstehenden Weihnachtsmarkt auf dem Prüfstand. Organisatorin Claudia Schwämmlein: "In diesem Jahr wird alles erst einmal so bleiben wie immer, aber 2020 wird sich einiges ändern." Auch innerhalb der Vereine sah man "Umdenk-Potenzial". Außerdem könnten die sich zusammenschließen, um beispielsweise Mehrweg-Geschirr anzuschaffen. Edith Memmel (Bündnis 90/Die Grünen) war sich sicher, dass der Wille, etwas zu verändern, schon mal vorhanden sei. Jetzt müsse man an die Umsetzung gehen und das sah auch Bürgermeister Hans-Peter Laschka (CSU) so, der dabei seine Unterstützung zusagte.