Bamberg
bamberg.inFranken.de  Das Projekt HaLT schützt seit zehn Jahren Jugendliche vor Alkoholmissbrauch.

Beim Thema Alkohol klare Kante zeigen

"Viele Jugendliche haben kaum eine Ahnung, was Alkohol mit ihnen macht", erklärt Michelle Hanke. Die 23-Jährige studiert soziale Arbeit und ist HaLT-Mitarbeiterin. Das HaLT-Projekt, welches für "Hart ...
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Die HaLT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erhalten von Tanja Setzer (Mitte) von HaLT-Bamberg rote Rosen als Dankschön für ihre Einsätze. Foto: p
Die HaLT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erhalten von Tanja Setzer (Mitte) von HaLT-Bamberg rote Rosen als Dankschön für ihre Einsätze. Foto: p

"Viele Jugendliche haben kaum eine Ahnung, was Alkohol mit ihnen macht", erklärt Michelle Hanke. Die 23-Jährige studiert soziale Arbeit und ist HaLT-Mitarbeiterin. Das HaLT-Projekt, welches für "Hart am Limit" steht, entstand in Kooperation mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Bamberg, der Stadt Bamberg und der AOK vor zehn Jahren und hat zahlreiche Ideen nach vorne gebracht.

Hanke hilft in der Präventionsarbeit des Projektes, indem sie immer in Zweierteams in Schulklassen geht und dort das Thema Alkohol anspricht. Das funktioniert ganz ungezwungen und entspannt. In zwei Seminaren lernen die Kinder und Jugendlichen, wie Alkohol auf den Körper wirkt, wo die Altersgrenzen für die unterschiedlichen Sorten liegen und wie man auch ohne Alkohol eine Menge Spaß in der Freizeit haben kann. "Wir treffen immer wieder auf Halbwissen, dass manche denken, bestimmter Alkohol sei bereits ab 14 Jahren legal", erklärt die Studentin. Die Vorbeugung kommt somit direkt in den Schulen an.

Das bundesweite HalT-Projekt ging los mit einer Studie des Bundesamtes für gesundheitliche Aufklärung, dass die Kampagne im Jahr 2003 losgetreten hatte. In Bayern sind mit 45 HaLT-Standorten überdurchschnittlich viele Projekte am Laufen und der Landkreis Bamberg gehört wiederum zu den Vorreitern im Freistaat. "Ich finde das Projekt klasse, weil wir präventiv und reaktiv helfen können", betonte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bei der Jubiläumsveranstaltung im Jugendzentrum am Margaretendamm.

Das Konzept binde alle wichtigen Akteure im Landkreis und den Kommunen mit ein. Mit Blick auf die Genussregion Oberfranken mit ihrer allgegenwärtigen Bierkultur meinte sie: "Es geht ja nicht darum, etwas zu vermiesen. Feiern soll Spaß machen und nicht abhängig und krank." Das Programm hat Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre auf dem Schirm.

So steht das Projekt auf mehreren Säulen: Die HaLT-Kommunen arbeiten zusammen mit den Vereinen vor Ort. Gastronomie und Einzelhandel werden erneut für das Thema sensibilisiert. Und die Polizeiinspektion Bamberg-Land gibt Schulungen in Bezug auf das Jugendschutzgesetz und den Ausschank von Alkohol. Außerdem müssen die Vereine verantwortliche Personen benennen, um Strukturen aufzubauen. So werden Feste und Feiern sicherer und die Menschen in der Kommune werden vermehrt aufmerksam.

"Die Hemmschwelle für Gewalt sinkt mit Alkohol und wir können einen ganz deutlichen Rückgang bei Körperverletzungen von 100 Fällen auf 30 pro Jahr feststellen", beschreibt Albert Häfner, Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Land, die Entwicklung seit Beginn des HaLT-Projekts. Auch die Sachbeschädigungen haben abgenommen. Und Karl-Heinz Deeg, der ehemalige Leiter der Kinderklinik in Bamberg, ist sehr froh über die Struktur, welche durch das HaLT-Projekt geschaffen wurde: "Dank HaLT wissen die Kollegen, die vor allem am Wochenende Jugendliche mit Alkoholvergiftungen behandeln müssen, an wen sie sich wenden müssen." Ein Anruf an den nächsten HaLT-Mitarbeiter genügt.

Ein Programm mit Erfolg: "Wir haben sowohl bei den unter 14-Jährigen als auch bei den 14- bis 18-Jährigen die Rate der wiederholt auffälligen Jugendlichen deutlich reduziert", erklärt Professor Jörg Wolstein von der Universität Bamberg. Der Psychologe betreut das HaLT-Projekt von Anfang an. Die Untersuchungen haben zudem ergeben, dass in gut 20 Prozent der Fälle vor allem Probleme in Familie und Freundeskreis zum Alkoholabsturz geführt haben.

Bambergs Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) ist sich sicher: "Kinder und Jugendliche sind unser größter Schatz. Alles was dazu beiträgt, dass wir niemanden auf dem Weg zum Erwachsenwerden verlieren, ist auf jeden Fall zu unterstützen."

Finanziell ist das Projekt breit aufgestellt: Während der Landkreis mit jährlichen 9000 Euro mit an Bord ist, steuert die Stadt Bamberg 2000 Euro dazu. Und das Gesundheitsministerium des Freistaats setzt noch 6000 Euro obendrauf. jum

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