Kulmbach
Vortrag 

Bei Nacht und Nebel

Schon im 18. Jahrhundert zogen Flüchtlingsströme durch das Kulmbacher Land. Detlef Kühl erinnert an die Schicksale dieser Vertriebenen aus dem Salzburger Erzbistum.
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Bild von der "Austreibung" in den Jahren 1731 und 1732 Foto: privat
Bild von der "Austreibung" in den Jahren 1731 und 1732 Foto: privat
Asylsuchende Emigranten sind nicht erst eine Erscheinung der Gegenwart. Schon früher haben Flüchtlingsströme auf der Suche nach einer neuen Heimat auch das Frankenland durchzogen - so zum Beispiel in den Jahren 1731 und 1732 Tausende von Glaubensflüchtlingen aus dem Salzburger Erzbistum, vor allem aus dem Pongau und dem Pinzgau.


Einladung des Königs

Es waren Protestanten, die im Zuge der von Fürstbischof Firmian vorangetriebenen Gegenreformation auf zum Teil inhumane Weise bei Nacht und Nebel und klirrender Kälte aus ihrer Heimat vertrieben wurden, weil sie ihren Glauben nicht aufgeben wollten. Als Preußens König Friedrich Wilhelm davon erfuhr, lud er sie in einem Einladungs-Patent ein, als Kolonisten nach Ostpreußen und Litauen zu kommen. So zogen die meisten Vertriebenen über die süddeutschen Reichsstädte Memmingen, Kaufbeuren und Augsburg zunächst nach Nürnberg. Von dort ging es weiter in insgesamt 30 Trecks nach Norden durch Oberfranken und dann weiter nach Preußen über Berlin bis nach Königsberg und in ihre neuen Siedlungsgebiete.
Manche Flüchtlinge fanden allerdings schon unterwegs ein neues Zuhause. So kommt es, dass nicht nur viele Ostpreußen - wie zum Beispiel die bekannte Dichterin Agnes Miegel - sondern auch viele Schwaben, Mittel- und Oberfranken Salzburger Vorfahren haben.
Richard Lenker, der ehemalige Kulmbacher Stadtarchivar, hat dies für den Landkreis in einer von ihm verfassten Schrift genau aufgelistet und davon berichtet, wie im Juni/Juli 1732 rund 1550 dieser Exulanten auch in Kulmbach Zwischenstation machten.
Detlef Kühl hat sich mit ihrem Schicksal von der Verfolgung, Vertreibung und Auswanderung über ihren Weg durch Deutschland bis hin zur Ansiedlung in Ostpreußen beschäftigt und eine Präsentation mit vielen zeitgenössischen Bildern erarbeitet. Dazu laden der örtliche Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing und die Bezirksgruppe Kulmbach des Colloquiums Historicum Wirsbergense alle Interessierten zu einer Gemeinschaftsveranstaltung am Donnerstag, 4.Februar, um 19.30 Uhr ins Martin-Luther-Haus ein. red

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