Höchstadt a. d. Aisch

Bei Freunden in Armenien

Eine kleine Delegation aus Höchstadt überzeugte sich, dass die Hilfe der Georgspfarrei auch ankommt.
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Der Kreuzstein am Graben in Höchstadt ist ein Symbol der Verbundenheit mit Armenien. Foto: Johanna Blum (Archiv)
Der Kreuzstein am Graben in Höchstadt ist ein Symbol der Verbundenheit mit Armenien. Foto: Johanna Blum (Archiv)
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Seit über 20 Jahren sammelt die katholische St.-Georgs-Pfarrei in Höchstadt mehrmals im Jahr für verschiedene Projekte in Armenien. Eine Asylbewerber-Familie aus Armenien, die in der Sammelunterkunft am Lappacher Weg einquartiert war, sollte vor 22 Jahren in ihre Heimat abgeschoben werden. An dem rechtlich eindeutigen Bescheid führte kein Weg vorbei. Doch das neugeborene Kind der Familie war gesundheitlich angeschlagen.

Der Asylhelferkreis der Pfarrei trat auf den Plan und initiierte zusammen mit Dekan Kilian Kemmer eine Aufschubspetition. Der damalige Landrat Franz Krug handelte schnell und unbürokratisch. Die Familie konnte bleiben, bis das Neugeborene gesundheitlich stabilisiert war. Aus Dankbarkeit für diese Sozialinitiative der Georgspfarrei fertigte der künstlerisch wie handwerklich versierte Vater des Kindes, Viktor Avetisjan, einen in seinem zutiefst christlichen Heimatland häufig verbreiteten armenischen Kreuzstein für Höchstadt. 1997 wurde dieser nach einer abenteuerlichen Transportaktion am Graben gegenüber der Raiffeisenbank aufgestellt.

Eine leidvolle Geschichte

Dies sollte die Geburtsstunde einer nunmehr 21-jährigen Verbundenheit werden. Margarethe und Georg Walcher organisierten viele Hilfsaktionen zugunsten der Menschen in einem der ärmsten Länder Europas. Das kleine Land Armenien durchlitt 1915 den wohl größten Genozid in der Geschichte des europäischen Kontinents, bei dem Millionen von Bewohnern auf Befehl der türkischen Machthaber getötet wurden.

Später zählte Armenien zur Sowjetunion und erlebte harte Jahrzehnte der Entbehrung unter der kommunistischen Herrschaft. Ein vernichtendes Erdbeben in den 80er Jahren legte die Infrastruktur des Landes zudem völlig lahm. Seit der wieder hergestellten Selbstständigkeit 1990 schwelt der Dauerkonflikt des zu 98 Prozent christlichen Armeniens mit dem benachbarten islamischen Staat Aserbaidschan, nicht zuletzt um die Provinz Berg Karabach. Auch die Türkei steht nach wie vor dem Zwergstaat als permanente Bedrohung vor Augen.

Auf Unterstützung angewiesen

In ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie bleiben die Armenier auf weltweite Unterstützung angewiesen. Die Georgspfarrei bittet jährlich um Spenden für die Küche der Barmherzigkeit in Erewan, in der von Oktober bis April Obdachlose oder verarmte Menschen eine warme Mahlzeit pro Tag bekommen. Ebenso begleiten Georg und Margarethe Walcher ein Waisenhaus in Vanadzor, in dem 40 Kindern schulische wie berufliche Ausbildung ermöglicht wird. Eine Näh- und eine Autoreparaturwerkstatt konnten bereits gebaut werden. Der Bau einer Schreinerwerkstatt steht kurz vor der Vollendung. In Kooperation mit der Kinderklinik der Universität Erlangen wird auch eine Kinderkrankenstation in Vanadzor regelmäßig bedacht.

Auf Initiative von Georg und Margarethe Walcher besuchten nun Bürgermeister Gerald Brehm (JL), Direktor Bernd Lohneiß vom Gymnasium und Dekan Kilian Kemmer die Sozialprojekte. Für Höchstadts Bürgermeister war es wichtig, in Augenschein zu nehmen, wie die Sammelaktionen sinnvoll wirken. Er hatte bereits im vergangenen Jahr das Sozialprojekt der evangelischen Gemeinde in Mediasch (Rumänien) besucht. "Wenn man seinen Namen für Sozialprojekte und deren Unterstützung und Förderung hergibt, will man auch einmal sehen, wohin die Gelder fließen".

Zu 100 Prozent kommt das Geld an, bestätigt auch Kilian Kemmer. "Wir hatten durch die Präsenz des Ehepaars Walcher vor Ort nie daran Zweifel. Nach den gewonnenen Eindrücken steht für mich fest: Jeder Cent ist angekommen und bringt eine Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort." Der Schulleiter des Höchstadter Gymnasiums schließlich lotete Gemeinsamkeiten bzw. Fördermöglichkeiten im Bildungswesen aus, weil "ohne Bildung kein Fortschritt möglich ist".

Ehrung für Margarethe Walcher

In allen Einrichtungen empfingen die Gastgeber ihre Höchstadter Gäste herzlich. In der Küche der Barmherzigkeit wurde Margarethe Walcher für ihre Verdienste vom Roten Kreuz Baden Württemberg mit der Ehrenmedaille des Verbandes ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der deutsche Botschafter in Armenien, Matthias Kiesler. Höchstadt stellt die einzige deutsche Stadt dar, in der sich zwei armenische Kreuzsteine befinden. Der zweite steht auf dem Schulweg zwischen Anton-Wölker-Schule und Realschule. Zudem gibt es eine armenische Krippe, die alljährlich zur Weihnachtszeit vor dem Altar der Stadtpfarrkirche bewundert werden kann.

Der Künstler Viktor Avetisjan fertigte zudem eine Krippe, die bei der großen Sternwallfahrt von Höchstadtern gemeinsam mit ihren Partnerstädten Krasnogorsk, Castlebar und Kranichfeld nach Rom 2011 von Papst Benedikt gesegnet wurde. Dieses Kunstwerk steht nunmehr ganzjährig in der Kirche der polnischen Partnergemeinde der Georgspfarrei in Swinemünde. LM

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