Trebgast
Kabarett

Bei Ex-Pauker Hans Klaffl steckt der Teufel im Abteil

Es ist ein bisschen verrückt: Über 300 Besucher kamen zum Gastspiel von Hans Klaffl auf die Naturbühne Trebgast, davon fast 80 Prozent Lehrer und Ex-Lehrer. Zu einem ehemaligen Gymnasialpädagogen aus ...
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Der Ex-Lehrer Hans Klaffl präsentierte sich auch in Trebgast als hintergründiger Kabarettist mit Realitätsbezug. Foto: Horst Wunner
Der Ex-Lehrer Hans Klaffl präsentierte sich auch in Trebgast als hintergründiger Kabarettist mit Realitätsbezug. Foto: Horst Wunner

Es ist ein bisschen verrückt: Über 300 Besucher kamen zum Gastspiel von Hans Klaffl auf die Naturbühne Trebgast, davon fast 80 Prozent Lehrer und Ex-Lehrer. Zu einem ehemaligen Gymnasialpädagogen aus München und jetzigen Kabarettisten. Und der traf genau den Nerv seines Publikums, weil es sich wiedererkannte und die sonstigen Zuhörer sich an die eigene Schulzeit erinnerten.

Dem Mann auf der Bühne an Keyboard und Kontrabass gelang es unterhaltsam und mit vielen Pointen, alle mitzunehmen auf seine Reise durch die Schullandschaft sowie in die Tiefen ministerialer Theoretiker und verhaltensgeprägter Schüler und Kollegen, "die man sonst nicht sieht, die sich bei Abschiedsfeiern aber vollfressen und den Rest noch in Plastiktüten mitnehmen".

Herrliche Wortspiele

Mit herrlich abgewandelten Wortspielen wie "Ich hab' den Hasen gleich gerochen" oder "Da steckt der Teufel im Abteil" wandert Klaffl in rasantem Tempo von einer Schulstunde über die kleine Terz zu Zwiesprachen mit seinen Zöglingen, spricht von der "pädogogischen und didaktiven Flexibilität", von der schulischen Abwechslung wie bei Müllmännern, von Reformen, "die mich nicht juckten".

Banale Themen bringt er zum Hochglanz, damit die "Kollegen" im Zuschauerraum zum lauthalsen Lachen, Zwischenbeifall ist die Regel. Köstlich die Besuche im Kunstmuseum, der Schulsporttag, an dem die Lehrer rennen und die Schüler humpeln - mit dem Fazit: "Es hat alles wunderbar geklappt, trotz der Organisation."

Klaffl mimt einen kaugummikauenden Mittelstufenschüler, der Interesselosigkeit signalisiert, gibt den Hochbegabten und gleichzeitig Gelangweilten in einer Kausalitätskette eine Bühne, nimmt sich der musikalischen Sonderbegabung vom jungen Schulnachwuchs an, "die die kleine Nachtmusik von Mozart für eine Komposition von Apple halten".

Breiten Raum gibt er der paradoxen Intervention, die entsteht, wenn der Schüler nicht in den Unterricht gehen will, sich das aber umkehrt, wenn er dann tatsächlich möchte, jedoch nicht darf.

Die Abfolge eines Gesprächs von Großeltern, die selbst Lehrer waren und wegen ihrer Enkelkinder zur Sprechstunde kommen, löst große Heiterkeit aus, hat Wiedererkennungswert. Oder: "Die pädagogischen Laien sind die Lehrer im Gegensatz zu den Fachleuten Eltern." Und ein Denkmal setzt der mimisch begabte Klaffl mancher Schulsekretärin, "die oft die Gelassenheit beweist, die wir noch lernen müssten".

Wie der Berliner Flughafen

Ziemlich despektierlich geht der Ex mit dem Gerangel um G 8 und G 9 um, bescheinigt den Ministeriellen da die Note sechs, meint hintergründig, "acht Jahre schlechtes Gymnasium ist besser als neun Jahre schlechtes Gymnasium". G 8 vor und zurück zu G 9 und das Flexi-Jahr. "Verstehen Sie das?", wandte er sich an das Auditorium, gegen dieses Chaos laufe beim Bau des Berliner Flughafens alles prima.

Legendär der E-Mail-Verkehr des Protagonisten mit dem ehemaligen Lehrer Fischer, einfach super. Ganz am Schluss im fluorisziereden Licht der Naturbühne wird es nostalgisch, ein Hauch von Wehmut weht durch das Grün und die Felsspalten: "Trotz allem, jetzt fehlen mir die Bande und der Unterricht. Wie es mir geht? Fragen Sie nicht!"

Über einen ausgiebigen Finalbeifall durfte sich der liebenswerte Kabarettist freuen.

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