Eltmann
Realschulveranstaltung

"Bei Cybermobbing ist man rund um die Uhr den Angriffen ausgesetzt"

"Was einmal im Netz steht, bleibt im Netz. Es verschwindet nicht mehr, es bleibt. Nichtstun wirkt wie eine Verstärkung auf die Täter." Mit dieser Aussage fü...
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Sichtlich beeindruckt von den Informationen über "Cybermobbing" waren die Schüler bei der Veranstaltung, hier mit Kriminaloberkommissar Roland Schmied und Direktorin Manuel Küfner. Foto: Günther Geiling
Sichtlich beeindruckt von den Informationen über "Cybermobbing" waren die Schüler bei der Veranstaltung, hier mit Kriminaloberkommissar Roland Schmied und Direktorin Manuel Küfner. Foto: Günther Geiling
"Was einmal im Netz steht, bleibt im Netz. Es verschwindet nicht mehr, es bleibt. Nichtstun wirkt wie eine Verstärkung auf die Täter." Mit dieser Aussage führte Kriminaloberkommissar Roland Schmied von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Schweinfurt Eltern und Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufe der Wallburg-Realschule Eltmann vor Augen, dass Cybermobbing kein Kavaliersdelikt ist, oft strafrechtliche Folgen hat und man sich dagegen zur Wehr setzen muss.
Realschuldirektorin Manuela Küfner erinnerte daran, dass die Wallburg-Realschule über die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren des Internets immer sachlich informiere. Im sechsten Jahrgang absolvierten die Schüler den "Medienführerschein". Das Thema Cybermobbing oder das absichtliche Beleidigen und die Demütigung anderer mithilfe von Internet und Mobiltelefonen nehme immer mehr zu, und deswegen wolle man die Schüler für die negativen Auswirkungen sensibilisieren.
Kriminaloberkommissar Roland Schmied gab anfangs einen kleinen Einblick in sein Aufgabengebiet in der Beratungsstelle. Sein Schwerpunkt sei Cybermobbing, das inzwischen ganz andere Formen annehme. Früher habe man es vielleicht gemacht, "weil es cool ist", heute aber "weil es ein anderer verdient hat". Dies habe eine ganz andere Tragweite.
Der Kriminalbeamte stellte sich zuerst auf seine Schüler ein, und das erfolgte mit einigen Fragen wie "Wer von euch benutzt Whatsapp?". Bis auf einen Schüler zeigten alle Arme nach oben. Ähnlich verhielt es sich mit SnapChat und Instagram, während bei Facebook sich nur noch fünf Schüler meldeten.
Auch die Bekanntheit der "Blue Whale Challenge" interessierte Schmied, wozu es nur zögerliche Antworten gab. Dennoch informierte er über dieses nach seiner Darstellung ziemlich gefährliche Internet-Phänomen, das natürlich kein Spiel sei.


Kein Rückzugsraum

Umso problematischer sei es, dass auch über Whatsapp eingeladen werde, hier mitzumachen. Wenn man wieder aussteigen will, werde man bedroht.
Auch auf den Unterschied von Mobbing und Cybermobbing kam man zu sprechen. Mobbing sei ebenfalls nicht zu unterschätzen in seiner Wirkung auf den Betroffenen. Aber es finde meist nur tagsüber in der Schule oder kurz davor oder kurz danach statt. Cybermobbing ende aber nicht nach der Schule oder der Arbeit, sondern der Täter, der Cyber-Bully, könne über das Internet oder das Handy rund um die Uhr angreifen, und das dazu noch in einer besonderen Anonymität. Die eigenen vier Wände böten dabei keinen Rückzugsraum vor Mobbing-Attacken. Nachrichten oder Bilder, die elektronisch herumgeschickt werden, seien dabei nur schwer zu kontrollieren. Und nicht zu wissen, wer der andere ist, könne einem Opfer Angst machen oder es sozial isolieren.
"Cybermobbing ist also ultra-krass und viel schlimmer. Es ist so etwas wie Psychoterror im Internet, und ihr wisst alle, was es bedeutet, wenn man von Terror spricht. Cybermobbing hat schlimmste Auswirkungen und führt zu psychischen Schäden bis hin zum Suizid," beschrieb Kriminaloberkommissar Schmied dieses Phänomen.


Vorsicht bei Bildaufnahmen

Mit Einspielungen von Filmszenen über Vorgänge zwischen Jugendlichen bezog der Kriminaloberkommissar die Schüler immer wieder in die Probleme oder Gefahren ihres Handelns ein, bis hin zur Frage, wer denn daheim seine Webcam abklebe. IT-Experten könnten nämlich Kameras aus der Ferne aktivieren.
Vor allem gelte besondere Vorsicht bei Bildaufnahmen, noch dazu unter 18 Jahren, bei Selfies oder erotischen Bildern. "Wer die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, macht sich strafbar. Das gilt auch bei schweren Verkehrsunfällen", machte Schmied strafrechtliche Vorgänge deutlich. Damit kam er auch auf die virtuelle Verletzung durch Täter zu sprechen. Selbst wenn man das Bild auf dem eigenen Handy wieder löscht, sei es unter Umständen in Sekunden weltweit verfügbar. "Im schlimmsten Fall erscheinen solche Bilder auf Pornoseiten oder pädophilen Seiten." gg
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