Pretzfeld

Behütet wie in der Krippe

Der katholische Pfarrer Florian Stark berichtet, dass zu ihm als Seelsorger auch Menschen kommen, denen Geborgenheit fehlt. Er versucht die Tiefe des Gefühls zu ergründen.
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Florian Stark zeigt eine heilige Familie mit dem Kind in der Krippe.  Foto: Carmen Schwind
Florian Stark zeigt eine heilige Familie mit dem Kind in der Krippe. Foto: Carmen Schwind

Was ist eigentlich Geborgenheit? "Das ist eine gute Frage, denn sie lässt sich nicht einfach durch ein anderes Wort ersetzen. Es ist der Zustand, wenn man sich angenommen fühlt und sich sicher und wohlfühlt und ein Gefühl der Vertrautheit", zählt Pfarrer Florian Stark aus Pretzfeld auf. Er meint, dass es keine Geborgenheit mehr sei, wenn nur eine der Komponenten fehle.

"Ich kann mich auch geborgen fühlen, wenn gerade alles drunter und drüber geht", fügt Stark hinzu. Interessant ist auch, dass der Begriff Geborgenheit schwer zu übersetzen ist, denn in vielen anderen Sprachen gibt es keinen adäquaten Begriff dafür.

In der Weihnachtszeit

Gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit symbolisiert für Florian Stark die Krippe Geborgenheit: "Da ist ein kleines wehrloses Kind, weg von Zuhause in einem armseligen Umfeld. Trotzdem strahlt es Geborgenheit aus."

Der Pfarrer überlegt, woran das liegen mag, und erkennt, dass auch die Personen um das Kind herum zur Geborgenheit beitragen. Denn sie stehen für Fürsorge und Liebe. "Die Krippe strahlt was aus und zieht Menschen an, die was suchen", meint Florian Stark. Vor über 2000 Jahren machten sich Hirten und Gelehrte aus dem Morgenland auf den Weg, jetzt sind es Familien, die vor Krippen in Kirchen oder auf Weihnachtsmärkten stehen. "Jeder möchte diese Geborgenheit zu sich holen", weiß der Pfarrer, der sich noch gut an seine Zeit als Ministrant erinnert. Beim Krippenspiel transportierten die Jugendlichen damals den kleinen Jesus im Werkzeugkasten.

Er rät, sich doch einfach einmal bewusst zu machen, was bei dem Einzelnen Geborgenheit ausmacht: "Vielleicht sind es Menschen, ein bestimmter Ort oder bestimmte Musik." Es könne sein, dass ein Musikstück Geborgenheit auslöst, wenn man gerade im Auto sitzt. Es können auch Rituale sein, die das Gefühl von Geborgenheit auslösen.

"Man wirft uns manchmal vor, dass Gottesdienste ewig gleich und von gestern sind. Man weiß, was abläuft. Aber gerade das gibt Halt und für den einen oder anderen Geborgenheit im täglichen Chaos", erläutert der Pfarrer. Für andere Menschen kann es das Lesen der Tageszeitung sein, wenn sie eine Kerze anzünden oder sich ihren Kaffee kochen.

Florian Stark erzählt, dass zu ihm als Seelsorger auch mal Menschen kommen, denen Geborgenheit fehlt und die nicht zur Ruhe kommen. "Es ist gut, sich das klarzumachen und laut auszusprechen. Das kann man auch in einem freien Gebet tun. Da kann man aussprechen, was einen beschäftigt, denn die Menschen werden trotz der vielen Medien immer sprachloser." Man könne sich auch in seiner Arbeit geborgen fühlen: "Mir geht es so, wenn ich als Pfarrer von den Mitgliedern meiner Gemeinde angenommen werde."

Geborgenheit ist ein Gefühl mit Tiefe. Der Pfarrer wundert sich manchmal, dass Menschen dieses Gefühl durch den Besuch von Veranstaltungen erzwingen wollen: "Geborgenheit kann man nicht konsumieren, sie muss von innen heraus wachsen." Er kennt Familien mit Existenznöten, in denen oft mehr Geborgenheit herrscht als in anderen, in denen es keine solchen Sorgen gibt und in denen alle Familienmitglieder nur nebeneinanderher leben. Geborgenheit lässt sich nicht kaufen.

"Die Heilige Familie hält zusammen, sie kümmern sich umeinander. Da strahlt was aus, da brennt ein Funke. Wie das Licht aus Bethlehem", meint Pfarrer Florian Stark.

Die Aktion Friedenslicht

Die Aktion Friedenslicht aus Bethlehem gibt es seit 1986. Jedes Jahr entzündet ein Kind das Licht an der Flamme der Geburtsgrotte Christi in Bethlehem. Im Rahmen einer Lichtstaffette wird es dann bundesweit an verschiedene Kirchen gegeben und brennt dort. Wer möchte, kann sich in der Weihnachtszeit eine eigene Kerze am Licht anzünden und mit einer Laterne nach Hause tragen. "Dieses Licht der Geborgenheit kommt aus einem unruhigen Land", erklärt Florian Stark, "Geborgenheit kann überall entstehen. Sie wächst von innen heraus."

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