Ebern

Bayern als "ökologische Nische"

Mit der Übernahme des Gesetzes durch die Staatsregierung hat sich das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" durchgesetzt. Die Unterstützer im Landkreis Haßberge strahlen, der Bauernverband hofft auf die "klarstellenden Regeln".
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Seit 50 Millionen Jahren tragen Bienen zum Erhalt und der Vermehrung von Pflanzen bei. Die Menschen haben sich die fleißigen Tiere erst sehr spät zu Nutzen gemacht. Unser Bild entstand in Ebern, wo ein Bienenschwarm sich in der Mauerritze eines alten Fachwerkbaus selbstständig gemacht hat.  Foto: Eckehard Kiesewetter
Seit 50 Millionen Jahren tragen Bienen zum Erhalt und der Vermehrung von Pflanzen bei. Die Menschen haben sich die fleißigen Tiere erst sehr spät zu Nutzen gemacht. Unser Bild entstand in Ebern, wo ein Bienenschwarm sich in der Mauerritze eines alten Fachwerkbaus selbstständig gemacht hat. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Kreis Haßberge —  "Ein Hoch auf die Bienen" stimmen die Initiatoren des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" an, nachdem am Mittwoch bekannt wurde, dass die Koalition im bayerischen Landtag den Gesetzentwurf des Volksbegehrens unverändert annehmen und bei der Abstimmung im Mai durch ein "klarstellendes Regelwerk" erweitern will. Bei Unterstützern im Landkreis Haßberge ist von einem "großartigen Tag für den Artenschutz" die Rede. Nur der Bayerische Bauernverband grummelt vor sich hin.

Theoretisch hätten die Initiatoren des Volksbegehrens Artenvielfalt, das im Februar fast jeder fünfte Bürger Bayerns unterschrieb, auch zur Rettung von Frosch oder Schmetterling aufrufen können. Doch mit der Biene haben die Träger, zu denen sich im Kreis Haßberge ein Aktionsbündnis aus ÖDP, Grünen, Linken, SPD, Bund Naturschutz und den Imkern Haßfurt-Zeil zusammentat, die ideale "Werbe-Ikone" gefunden: friedfertig, große Augen, flauschiger Pelz und bestes soziales und kulturelles Renommee.

Artenschutz in Ebern

"Bienensterben" hat, anders als zum Beispiel das Wort "Tannensterben", noch nicht Eingang in den Duden gefunden und doch steht es heute als Synonym für die Gefährdung der Artenvielfalt. Wenn Biologen über das Bienensterben sprechen, meinen sie nicht allein die Honigbiene, sondern Hunderte Arten von Wildbienen, die auf der Roten Liste stehen oder bereits verschwunden sind. Ein besonderer Kenner der Hautflügler-Szene ist der Eberner Klaus Mandery. Der Biologe und Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) promovierte über Wildbienen und hat sich im Ruhestand intensiv der Artenpflege durch das Biodiversitätsinstitut in Ebern verschrieben. Er klärte im Vorfeld des Volksbegehrens in zahlreichen Vorträgen über das Insektensterben auf und zeigte mögliche Maßnahmen dagegen auf. Er rüttelte dazu auf, im eigenen Umfeld aktiv zu werden, auch wenn der Landkreis Haßberge im Vergleich zu anderen, ökologisch stärker bedrohten Regionen noch eine "relativ heile Welt" darstelle.

Mandery hofft nun auf entscheidende Schritte zur Rettung der Arten. "Wir freuen uns, dass nicht nur das Volksbegehren erfolgreich war, sondern dass sich die bayerische Staatsregierung nun auch wirklich bewegen will", teilt der frühere Biologie- und Chemielehrer mit. "Mit einem umfassenden Gesetz, wie es über den Volksbegehrenstext hinaus geplant ist, kann es vielleicht wirklich zu einer gemeinsamen Anstrengung aller Landnutzer - der Landwirtschaft, der Kommunen und der Gartenbesitzer - kommen."

Nur eine Umkehr von der bisherigen Praxis - überhöhter Spritzmitteleinsatz, Überdüngung, Koniferen statt Blumen, Steine und Versiegelung anstelle eines Nistplatzangebots für Bodennister, ... - könne zu einer wesentlichen Verbesserung der Lebensraumsituation von gefährdeten Insektenarten führen. Mandery: "Wir hoffen auf eine vollumfängliche Umsetzung aller beim Runden Tisch und in den Arbeitsgruppen erarbeiteten Positionen."

"Noch keine Entwarnung"

Reservierter reagiert naturgemäß Klaus Merkel als Sprecher des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis. Auch, wenn das Artenschutz-Gesetz 1:1 übernommen werde, sei jetzt entscheidend, wie die einzelnen Maßnahmen umgesetzt und wie die Ausgleichszahlungen oder Entschädigungen für die Landwirte geregelt werden. Schließlich gebe es ein klares Bekenntnis der Regierung, wonach für Landwirte finanziell keine Einbußen entstehen sollen.

Merkel verweist auf eine Liste mit "Punkten aus dem Gesetzentwurf, die so nicht zu machen sind". Das Walzen der Wiesen, das oft als Beispiel herangeführt wird, sei im Alpenraum üblich, nicht jedoch in unserer Gegend. Andererseits, fragt er, wie solle man dort vor Ende März walzen, wenn die Wiesen noch von Schnee bedeckt sind. "Es geht immer schief, wenn man die Landwirtschaft mit Stichtagen regulieren will", sagt der Landwirt aus Maria Burghausen. Allgemein warnt er vor vorschnellen Äußerungen zum künftigen Artenschutzgesetz: "Da gibt es noch keine Entwarnung".

Für die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP,) die den Gesetzentwurf ursprünglich eingebracht hatte und insofern von "unserem Volksbegehren" spricht, ist die Entscheidung des Kabinetts Söder ein besonderer Erfolg - für die Partei selbst, die in der Öffentlichkeit oft zugunsten der Grünen "unterschlagen" wird, aber natürlich vor allem für die Natur.

Laut Klemens Albert, Stellvertretender ÖDP-Kreisvorsitzender, hat sich der Kraft- und Ressourcen-Einsatz gelohnt - "und der war heftig".

Ihn persönlich überkämen dabei "keineswegs Triumphgefühle, sondern eher ein positives Empfinden dahingehend, dass Sensibilität gegenüber der Natur gewachsen ist. Danke, dass so viele Menschen diesen Weg mitgehen." Gut findet der ÖDP-Kreisrat auch die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, Versöhnung schaffen zu wollen. "Denn gerade hin zu den Landwirten sind tiefe Gräben entstanden. Und eben diese müssen ja mitgenommen werden, wenn man konstruktiv für Natur- und Artenschutz etwas entwickeln will."

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