Lichtenfels
lichtenfels.inFranken.de  Anerkennung gab's für das großartiges Projekt "13 Führerscheine - dreizehn jüdische Schicksale".

Bayerischer P-Seminar-Preis ans MGL

Bei der Preisverleihung im bayerischen Kultusministerium in München wurde das Projekt des Meranier-Gymnasiums "13 Führerscheine - dreizehn jüdische Schicksale" im Leitfach Geschichte neben drei andere...
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Stehend von rechts: MGL-Projektleiter Manfred Brösamle-Lamprecht, Charlotte Knobloch, Stefan Völker, Christian Meißner; in der Mitte: die Schüler des P-Seminiars sowie stehend von links: Ludwig Spaenle und Michael Piazolo  Foto: Heidi Bauer
Stehend von rechts: MGL-Projektleiter Manfred Brösamle-Lamprecht, Charlotte Knobloch, Stefan Völker, Christian Meißner; in der Mitte: die Schüler des P-Seminiars sowie stehend von links: Ludwig Spaenle und Michael Piazolo Foto: Heidi Bauer

Bei der Preisverleihung im bayerischen Kultusministerium in München wurde das Projekt des Meranier-Gymnasiums "13 Führerscheine - dreizehn jüdische Schicksale" im Leitfach Geschichte neben drei anderen ausgezeichnet. "Das Ergebnis des P-Seminars ist eine herausragende Spurensuche, die inzwischen auch international Anerkennung erfahren und Menschen auf mehreren Kontinenten bewegt und freundschaftlich verbunden hat", betonte Landrat Christian Meißner.

Kultusminister Michael Piazolo gratulierte den Siegerteams zu ihrem Erfolg: "Ihr habt mit Innovation, Teamgeist und Zielstrebigkeit beeindruckende Projekte auf die Beine gestellt. Das ist eine herausragende Leistung, auf die ihr stolz sein könnt!"

Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, würdigte die Preisträger mit folgenden Worten: "Die Leistungen aller vier Preisträger haben mich tief beeindruckt und sind dieser Auszeichnung mehr als wert. Besonders angesprochen hat mich jedoch das Projekt ,13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale' des Meranier-Gymnasiums in Lichtenfels. Dieses P-Seminar zeigt, dass Erinnerung ein leeres Wort bleibt, wenn der Einzelne keinen persönlichen Bezug dazu herstellen kann: Die intensive Recherchearbeit, aber auch der tiefe Respekt der Lichtenfelser Schüler vor den Menschen, mit deren Schicksalen sie sich beschäftigten, machen das Seminar aus meiner Sicht zu einem von mehreren hochverdienten Preisträgern und überdies zu einem Vorbild für nachhaltige Erinnerungsarbeit in ganz Deutschland. Meine aufrichtige Gratulation an alle Preisträger."

Teil von Familien geworden

"Dieses Projekt hat uns alle tief bewegt", stellte Seminarleiter Manfred Brösamle-Lambrecht fest. "Stolz bin ich darauf, dass wir ein wenig dazu beitragen konnten, dass unsere Region ihre Geschichte nicht vergisst." "Wir haben Menschen berührt und ihnen ein kleines Stück ihrer Familiengeschichte wiedergegeben - und sind dabei selber ein Teil ihrer Familie geworden", resümierte Kurssprecherin Francesca Schütz. "Wir haben bewirkt, dass sich Menschen an das erinnern, was niemals vergessen werden darf, und ich glaube, damit haben wir schon viel erreicht. Jeder von uns hat sich durch dieses Seminar ein Stück weiterentwickelt, verändert, zum Positiven: Wir haben zu jedem der Führerscheinbesitzer eine persönliche Bindung. Das ist eine Erinnerung, die wir im Herzen behalten werden."

Schulleiter Stefan Völker meinte: "Geschichtliche Themen haben im schulischen Kontext immer neben der Durchdringung geschehener Ereignisse einen Gegenwarts- und Zukunftsaspekt. Diese beiden Blickrichtungen erfasste das P-Seminar in gekonnter Weise: Es setzte sich mit jüdischen Schicksalen in unserer Heimat auseinander und verband es mit den Nachfahren dieser Führerscheinbesitzer. Dabei umfasste es netzwerkartig viele weitere Themenfelder: Heimat, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Judentum, Antisemitismus, Ausgrenzung damals und heute, Rassismus, Politik und politische Verantwortung, Sozialkunde, Literatur, Forschung, Amerika, Israel, Argentinien, englische und weitere Sprachen - also ein umfassendes und gelungenes P-Seminar mit höchstem gymnasialen Anspruch."

Am Beginn war ein alter Umschlag

Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner hatte den Anstoß für dieses Projekt-Seminar gegeben. Alles hatte mit einem Zufallsfund im Landratsamt Lichtenfels begonnen: Im Frühjahr 2017 war ein alter brauner Umschlag, der bei Aufräumarbeiten im Rahmen der Digitalisierung aufgetaucht war, auf dem Schreibtisch von Meißner gelandet. Der Inhalt: 15 Führerscheine, die man 13 jüdischen Mitbürgern des damaligen Bezirksamtes Lichtenfels 1938 abgenommen hatte - teils bei deren Emigration, teils im Zusammenhang mit den Novemberpogromen. "Meine Idee war es, dass man diese Führerscheine nicht einfach dem Staatsarchiv zurückgibt, sondern dass wir junge Leute, Abiturienten, bitten, im Rahmen eines P-Seminars zu untersuchen: Wer waren denn eigentlich diese Menschen und welche Schicksale hatten sie?", erläuterte Landrat Christian Meißner. Sein Gedanke: "Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen und die Lokalgeschichte aufarbeiten." red

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