Ebern

Bauträger denken behindertengerecht

In Ebern entstehen Wohnungen für behinderte und alte Menschen. Mit eigenen Plänen ist die Lebenshilfe mit von der Partie. Auch im sozialen Wohnungsbau tut sich was.
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In der Angerstraße (Bild) wird barrierefreier Wohnraum geschaffen.
In der Angerstraße (Bild) wird barrierefreier Wohnraum geschaffen.
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Eckehard Kiesewetter Ebern — Mehr als ein Jahr, nachdem die Tagesstätte und die schulvorbereitende Einrichtung vor Ort geschlossen wurden, sind die Kinder mit Behinderung weitgehend aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Keine gemeinsamen Schulstunden mit Lebenshilfe-Kindern mehr, keine Martinsumzüge und keine Tage der offenen Tür. Integration und Inklusion, wie sie die Eberner Schulen und der städtische Kindergarten über viele Jahre hinweg erlebt haben, gibt es in dieser Form nicht mehr.

Doch die Lebenshilfe Ebern existiert als kleiner Verein weiter. Die Verantwortlichen um Vorsitzenden Hans-Werner Steger halten den Kontakt zu den früheren Schülern und Zöglingen, organisieren (auch in Zusammenarbeit mit der Rummelsberger Diakonie) monatliche Kegeltreffs oder laden zu Radtouren ein.

Auch im Erwachsenenalter

Und sie machen sich Gedanken über die Zukunft der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen. "Wir werden noch gebraucht", ist sich Vorsitzender Steger sicher, versteht sich die Lebenshilfe doch als "Elternverein für Leute, die etwas für ihre Kinder mit Behinderung erreichen wollen".

Dieser Anspruch endet nicht mit dem Schulalter, ein Gedanke den die Verantwortlichen laut Steger schon viele Jahre im Hinterkopf hatten. Den ehemaligen Schutzbefohlenen im Raum Ebern will der Verein sozialraumnahes und eigenständiges Wohnen ermöglichen, ergänzt mit Betreuungsangeboten.

Ursprüngliche Pläne, selbst zu einem Bauherren zu werden, hat der Verein inzwischen ad acta gelegt. Stattdessen will er sich an einem Wohnungsbaubauprojekt in der Gymnasiumstraße beteiligen. Dort werden laut Auskunft von Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) "zwei dreigeschossige Gebäude mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen für behinderte Menschen (Lebenshilfe) und altersgerechte, barrierefreie Wohnungen mit Aufzug zur Vermietung" entstehen. Eine erforderliche Änderung des Bebauungsplans sei in Bearbeitung. Hennemann rechnet damit, dass die Angelegenheit im Januar vom Stadtrat abgesegnet und im Sommer mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Die Lebenshilfe will laut Hans-Werner Steger in diesen Gebäuden voraussichtlich vier kleinere Wohnungen erwerben, um sie dann an ehemalige Schüler zu vermieten. Inwieweit es dafür Zuschüsse geben wird, etwa durch die Aktion Mensch, ist noch nicht geklärt, der Verein stützt sich auf einen finanziellen Grundstock aus einem Vermächtnis. Bei seinen Überlegungen hat er vor allem das Klientel und dessen Wohlergehen im Blick, denn es gibt da, laut Steger "recht fitte Behinderte und Lebenshilfe-Schüler in Ebern", die mit gewisser Unterstützung eigenständig wohnen könnten. Aktuell leben die meisten dieser jungen Erwachsenen bei den Eltern. Ob die Lebenshilfe selbst die Betreuung organisieren oder einen andren Träger einschalten wird, ist eine der offenen Fragen.

Es gehe um einen neuen Lebensabschnitt, sagt der Ruheständler, der sich seit fast 30 Jahren für die Anliegen der Behinderten einsetzt. Einen neuen Lebensabschnitt für die ehemaligen Schüler, aber auch für den Lebenshilfe-Verein selbst, eine Neu-Orientierung: "Wir sind guter Hoffnung, dass es mit dem Neuanfang klappt."

Wenige Schritte entfernt von dem behindertengerechten Neubauprojekt in der Gymnasiumstraße werden auch in der Angerstraße, zwischen Tennisplatz und Bruno-Werk-Siedlung zwei Mehrfamilienhäuser mit behinderten- und altersgerechten Mietwohnungen entstehen. "Barrierefrei und mit Aufzug", bestätigt der Bürgermeister auf Anfrage des Fränkischen Tags: "Die Bauträger haben bereits erste Planungen erstellt; der Stadtrat hat den Verkauf des Grundstückes beschlossen" und mit dem Tennisverein stehe man im Gespräch wegen nachbarschaftlicher Fragen und Flächennutzungen. Es handle sich um denselben Bebauungsplan wie für das Projekt in der Gymnasiumstraße, so dass auch hier mit einem Baubeginn im kommenden Sommer zu rechnen sei.

Sozialwohnungen am Steinberg

Die Baugenossenschaft plant ein Mehrfamilienhaus im sozialen Wohnungsbau auf dem ehemaligen Berufsschulareal, einer Südhanglage. Die Wohnungen werden laut Hennemann teilweise barrierefrei zugänglich sein. Für dieses Projekt gehe es gerade um die Abstimmungen für die Förderung aus öffentlichen Mitteln. Die Stadt unterstütze dieses Vorhaben, ebenso wie die Pläne, auf diesem Areal weitere Anlagen mit Eigentumswohnungen zu bauen, deren Zugang aufgrund der Hanglage ebenfalls barrierefrei gestaltet werden könne.

Die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffe die Verwaltung gerade. Hennemann: "Die Stadt will das Gelände so entwickeln, dass keine weitere Zufahrtsstraße nötig ist." Allgemein habe die Kommune "Interesse daran, innerstädtische Grundstücke für Bebauungen und Wohnungsangebote zu nutzen, um nicht weitere Baugebiete erschließen zu müssen."

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