Lichtenfels

Bauern bieten Blühpatenschaften

Landwirten sind die strenge Düngeverordnung und das Volksbegehren ein Dorn im Auge.
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100 Quadratmeter Blühfläche werden als Patenschaft von Landwirten für 40 Euro pro Jahr verpachtet. Foto: LRA
100 Quadratmeter Blühfläche werden als Patenschaft von Landwirten für 40 Euro pro Jahr verpachtet. Foto: LRA

Sehr gut besucht war die öffentliche Kreisversammlung des Bayerischen Bauernverbandes im Gasthof "Karolinenhöhe" in Trieb. Es wurden vor allem zwei Themen diskutiert: die Düngeverordnung und "Rote Gebiete" sowie das Volksbegehren "Rettet die Bienen!"

So warf ein Landwirt ein: "Gilt die Düngeverordnung eigentlich auch für die Hundehalter?" Da erntete der Bauer viele Lacher. Was ihn und auch die anderen Mitglieder bewegte: die strengen Auflagen der Düngeverordnung. Es geht dabei darum, dass bei der Düngung ein gewisser Mindestabstand zu Gewässern einzuhalten ist. So muss der Landwirt sich exakt an die Bestimmungen halten, während etwa Hundehalter ihren Vierbeiner, ungeachtet des Abstandes zum Gewässer, sein Geschäft verrichten lassen. Da wusste der Referent des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Martin Erhardsberger, auch keine Antwort. Ebenso interessant waren auch die Ausführungen von Geschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein. Bezugnehmend auf das Volksbegehren wies er darauf hin, dass der BBV sogenannte "Blühpatenschaften" anbietet. 100 Quadratmeter Blühfläche werden für 40 Euro pro Jahr verpachtet. "So kann jeder einzelne Bürger zur Artenvielfalt beitragen", meinte auch Kreisobmann Michael Bienlein.

Steinwüsten im Vorgarten

Zweifel am Bürgerbegehren wurden laut. Es würden einseitige Forderungen an die Bauern gestellt, für Privatleute würden keine Einschränkungen gelten. So müssten doch auch sie anstelle der Steinwüsten im Vorgarten für blühende Wiesen sorgen. Außerdem bestehe kein wissenschaftlicher Hintergrund. Das Volksbegehren würde dazu führen, dass bei vielen Höfen die Tore geschlossen würden. Auch über die Grünlandbebauung mache sich niemand der Häuslebauer Gedanken, die Landwirte hingegen hätten im vergangenen Jahr 290 Hektar in Grünland umgewandelt, was von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt geblieben sie.

"Schaltet um 22 Uhr die Lichter aus und um 6 Uhr wieder an!" schlug der Kreisobmann vor. Statt einer 24-Stunden-Beleuchtung, etwa von Radwegen, könne man einem weiteren Punkt des Volksbegehrens, der Lichtverschmutzung, entgegenwirken.

Beim Jahresrückblick nahm die Trockenheit des vergangenen Sommers Raum ein. Da kein Wasser in die unteren Bodenschichten gedrungen sei, entstanden beträchtliche Schäden an Futtermitteln. Wegen der daraus folgenden Knappheit gewähre der Staat Dürrehilfe.

852 landwirtschaftliche Betriebe

Der Bauernverband zählte im Kreis Lichtenfels Ende 2018 1710 Mitglieder mit 852 Betrieben. 17 900 Hektar landwirtschaftliche Fläche ist mit Umwelt- und Extensivierungsauflagen amtlich belegt. Zu 70 Prozent finanziert sich der Verband aus dem Beitrag. Für 2019 stehen unter anderem die Veranstaltung eines Bauernhoffrühstücks, Erntedankfest, Kindertag, Übergabeseminar und Pflanzenkunde auf dem Programm. Neben Vertretern des BBV wohnten die Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner, stellvertretender Landrat Helmut Fischer, Behördenleiter Harald Weber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie verschiedene örtliche Vertreter von Banken und Wirtschaft der Veranstaltung bei.

In seinem Vortrag über die Düngeverordnung ging Referent Martin Erhardsberger vom BBV ausführlich auf die entsprechenden Auflagen für die Landwirte ein. Die zuständigen Bundesministerien verhandelten aktuell mit der EU-Kommission über weitere Verschärfungen der Düngeverordnung, wofür der Bauernverband allerdings keinerlei Verständnis hat.

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