LKR Erlangen-Höchstadt

Bauarbeitern im Landkreis Erlangen-Höchstadt droht eine Lohnlücke

Um gut zehn Euro könnten die Löhne auf den Baustellen im Landkreis Erlangen-Höchstadt bald auseinandergehen, und zwar pro Stunde. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um...
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Häuserbauen für 9,35 Euro pro Stunde? - "Nein", sagt die IG BAU. Wer den harten Job auf dem Bau mache, habe mehr verdient als einen Niedriglohn. Foto: privat
Häuserbauen für 9,35 Euro pro Stunde? - "Nein", sagt die IG BAU. Wer den harten Job auf dem Bau mache, habe mehr verdient als einen Niedriglohn. Foto: privat

Um gut zehn Euro könnten die Löhne auf den Baustellen im Landkreis Erlangen-Höchstadt bald auseinandergehen, und zwar pro Stunde. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Das hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Mittelfranken mitgeteilt. Betroffen könnte ein Großteil der 770 Bauarbeiter im Landkreis Erlangen-Höchstadt sein.

"Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat. Die Arbeitgeber müssen einem Schlichterspruch und damit neuen Bau-Mindestlöhnen zustimmen. Passiert das nicht, droht dem Bau im Landkreis Erlangen-Höchstadt schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden", sagt Bezirksvorsitzende Iris Santoro Richtung Arbeitgeber.

"Stoppschilder nach unten"

Der Schlichterspruch sehe vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen, und zwar auf 12,55 Euro für Hilfs- und auf 15,40 Euro für Facharbeiten. "Diese Mindestlöhne sind die Stoppschilder nach unten. Und genau die braucht der Bau ganz dringend. Wenn die Arbeitgeber dies nicht akzeptieren, wäre das ein Lockruf an alle Billigfirmen aus dem In- und Ausland, als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen. Diese Billigheimer würden dann ordentlich arbeitenden und den Tariflohn bezahlenden Unternehmen wirtschaftlich das Handwerk legen", befürchtet Santoro.

Die Vorsitzende der IG BAU Mittelfranken warnt die heimischen Baufirmen davor, sich hier auf einen "Kamikaze-Kurs" einzulassen. Der Countdown laufe bereits. Die Arbeitgeber müssten bis zum 17. Januar grünes Licht für höhere Mindestlöhne geben. "Hier steht viel auf dem Spiel, nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung. Der Bau darf nicht zur Niedriglohnbranche werden. Denn die Folgen für die Beschäftigungsentwicklung wären verheerend - und das mitten im Bauboom: Selbst Facharbeiter würden dann abwandern", macht Iris Santoro klar.

Gerade jungen Menschen müsse das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft ist, in der man gutes Geld verdienen kann. Mit dem Tariflohn sei die "Lohnlatte" fair gelegt. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer im Kreis liege derzeit bei 20,63 Euro. red

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