Marienweiher

Barockzeit zum Leben erweckt

Das Kronacher Kammerorchester trat am Sonntagabend in der Basilika Marienweiher auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vivaldi, Bach und Mozart spielte das Kronacher Kammerorchester am Sonntagabend in der Basilika Marienweiher. Fotos: Klaus Klaschka
Vivaldi, Bach und Mozart spielte das Kronacher Kammerorchester am Sonntagabend in der Basilika Marienweiher. Fotos: Klaus Klaschka
+1 Bild

Ein kleines und feines Konzert versäumte ein größeres Publikum am Sonntagabend in Marienweiher. Dem sonnigen Biergartenwetter zum Trotz fanden dennoch um die 60 Zuhörer den Weg in die Basilika, wo das Kronacher Kammerorchester ausgewählte Stücke von Vivaldi, Bach und Mozart spielte.

Das Kronacher Kammerorchester unter Leitung der von Monika Herr besteht seit 2006. Mitglieder sind Hauptfachstreicher der Berufsfachschule für Musik sowie fortgeschrittene Schüler der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach. In den wöchentlich stattfindenden Proben wird das jeweils aktuelle Konzertprogramm geprobt, darüber hinaus regelmäßiges Vom-Blattspiel und mit geeigneten Werken auch an einem Zusammenspiel ohne Dirigenten gearbeitet.

Genau in solcher Zusammensetzung und Arbeitsweise muss man sich die Musikaufführung im Barock grob vorstellen. Berufsmusiker gab es im 17. und 18. Jahrhundert nur ganz wenige, allenfalls Komponisten, die für ihre adligen Auftraggeber Musik für diverse Veranstaltungen schrieben, neben einer weiteren Tätigkeit am Hof. Oder, wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach, für den kirchlichen Gebrauch und zur Bildung der Jugend.

Das änderte sich aber etwa mit Beethoven. Antonio Vivaldi war, wie sein Vater, zunächst Barbier, zeichnete sich aber durch besondere Fähigkeiten an der Violine aus, wurde schließlich Priester und entwickelte in diesem Amt seine musikalische Tätigkeit, die für ihn schließlich Schwerpunkt wurde. Vivaldis Musik wirkt in der Regel fröhlich, fast beschwingt.

Zeitgemäße Aufführung

Zwei Kostproben aus dessen Schaffen spielte das Kammerorchester: Das Konzert C-Dur RV 537 für zwei Trompeten (Francesco Beetz und Daniela Krügel) und Streicher, in dem die Piccolotrompeten miteinander und mit den Streichern einen Dialog mit kurzen musikalischen Motiven führen. Außerdem das Konzert g-Moll RV 417 für Violoncello (Sebastian Krügel) - eigentlich für Gambe, und Streicher. Das Kronacher Kammerorchester spielt zeitgemäß im Stehen (teure Stühle standen im Barock allenfalls nur einem hochwohlgeborenen Publikum zu) und stilrichtig ohne Vibrato. Es nimmt die Tempi nicht ganz so scharf wie zum Beispiel das Ensemble "Il Giardino Armonico" des Maestro Giovanni Antonini, der sich vor lauter Virtuosität oft verhetzt.

In drei Teilen aus der Kantate BWV 117 von Johann Sebastian Bach sang Annika Hartmann mit einem wunderbar zurückhaltenden Timbre die Alt-Partien, ohne opernhafte Allüren, die in kirchlichen Kantaten nichts zu suchen haben. Mit Mozarts Sinfonie Nr. 21 beschloss das Kammerorchester das Konzert - einer eher dezenten Sinfonie aus der Mitte von Mozarts Schaffen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren