Erlangen

Banger Blick ins Reich der Mitte

Heinrich von Pierer beleuchtete im Siemensforum den Weg Chinas zur führenden Industrienation.
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Heinrich von Pierer (l.) und Markus Gürne versuchten, Chinas Rolle in der Welt zu erklären. Foto: Pascale Ferry
Heinrich von Pierer (l.) und Markus Gürne versuchten, Chinas Rolle in der Welt zu erklären. Foto: Pascale Ferry

Zur Frage "China - Konkurrent oder Partner?" referierte am Donnerstagabend der Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer zusammen mit Markus Gürne, Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion, im Siemensforum auf Einladung der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach. VR-Vorstandsmitglied Johannes Hofmann umriss den chinesischen Handelsmarkt vor 400 Gästen: 1,4 Milliarden Einwohner, zweitgrößte Volkswirtschaft und zweitgrößter Importmarkt weltweit, 5200 deutsche Unternehmen vor Ort, weltgrößter Patentanmelder, Initiator der "Neuen Seidenstraße". "China tritt immer selbstbewusster auf", resümierte Hofmann.

"Eine Generation pflanzt die Bäume, die nächste genießt den Schatten" - anhand dieses chinesischen Sprichworts verdeutlichte von Pierer das langfristige Denken im Reich der Mitte. "Die Chinesen wollen ihre alte historische Rolle wieder einnehmen und bis 2049 - zum 100. Geburtstag der Volksrepublik - zur führenden Industrienation weltweit werden." Die 2015 verkündete Initiative "Made in China 2025" sehe vor, die Digitalisierung voranzutreiben und ausländische Unternehmen auf diesem Gebiet zurückzudrängen.

Gleiche Bedingungen für alle

Dazu passe der Aufkauf von Roboterhersteller Kuka. Mittlerweile begegne man der Volkswirtschaft, die 2018 ein Bruttoinlandsprodukt von über 13 Billionen US-Dollar erwirtschaftete, mit der Politik des "Level Playing Field" - gleiche Bedingungen für alle. Da China seinen Markt schütze, wurde nach Kuka eine Änderung der Außenwirtschaftsverordnung vorgenommen, um Aufkäufe aus dem nicht-europäischen Ausland leichter verhindern zu können. Bei künstlicher Intelligenz eile China Deutschland und den USA davon: 2018 wurden 30 000 Patente angemeldet. Kein Wunder, sei die Bevölkerung Asiens doch überwiegend jung und innovativ, während es bei uns viele konservative Bewahrer gebe.

Das könne man in Erlangen erleben: "Das Max-Planck-Institut ist einmalig, das Beste, was es in der Forschung gibt", so von Pierer mit Herzblut. "Gefühlt 40 Zeitungsartikel haben sich mit der Hupfla befasst, aber das Institut wurde bestenfalls nur am Rande erwähnt!" Dazu klatschte das Publikum zustimmend. Zur Frage des Abends zeigte sich von Pierer als Anhänger von US-Präsident Obama: "Wenn man den Aufstieg Chinas nicht abwenden kann, ist es besser, es in multilateralen Abkommen zu binden."

An von Pierers Vortrag schloss sich eine Diskussion mit Markus Gürne unter Einbeziehung des Publikums an. Ob "Social Credits" - das Bewertungssystem für Privatpersonen in China, die Wirtschaftsleistung Indiens im Vergleich zu China, die EU, die den "Europäischen Champion" Siemens-Alstom verhindert habe, den es gegenüber China gebraucht hätte - es ging informativ und unterhaltsam weiter. Gürne, der sich selbst als "Böse vor acht" bezeichnete, sparte seinerseits nicht mit bissigen Kommentaren zum Brexit oder US-Präsident Trump.

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