Bamberg

Bamberger dirigiert die Rockstars

"Rock meets classic" heißt es im 7. März wieder in der Brose-Arena. Neben Ian Gillan und Anna Maria Kaufmann gehört mit auch Bernhard Wünsch ein Lokalmatador zu den Machern der Bombast-Veranstaltung.
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Streicher und E-Gitarren geben sich bei "Rock meets Classsic" ein gemeinsames Stelldichein. Foto: PR
Streicher und E-Gitarren geben sich bei "Rock meets Classsic" ein gemeinsames Stelldichein. Foto: PR
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Für Bärbel Pflaum war er das große Teenager-Idol. Die gebürtige Scheßlitzerin schlief jede Nacht auf dem Poster, das sie aus der "Bravo" herausgetrennt und unterm Kopfkissen aufbewahrt hatte: Ian Gillan, der Sänger von "Deep Purple", hatte es ihr angetan. In der Eberner Realschule überredete sie als Mitglied der Schülermitverwaltung (SMV) den Rektor zu einem besonderen Ausflug der gesamten Schule: Besuch eines Konzertes von "Deep Purple" in Nürnberg in der Meistersingerhalle. Das war im Dezember 1970. Das waren noch Zeiten, das waren noch Lehrer. Die 15 Mark für die Eintrittskarten stellten einige Eltern vor Probleme - finanziell, aber auch erzieherisch. Ein Schulausflug zu solch Langhaarigen mit "Negermusik"?

Als Sängerin eiferte sie ihrem Vorbild nach und noch heute hat Bärbel auf ihrem Handy ein Foto von Ian Gillan mit seiner langen Mähne sofort parat. Aber auch eines mit dem aktuellen Kurzhaar-Look des mittlerweile 73-Jährigen. Am 7. März wird sie ihn in der Bamberger Brose-Arena wieder treffen, als Headliner von "Rock meets classic".

Zum vierten Mal mischt der Rockstar bei dieser Konzertreihe mit, zwei Mal war er damit auch schon nach Bamberg gekommen. "Wir wollten ihn zur Jubiläumstour unbedingt dabeihaben", sagt Mat Sinner (54), der musikalische Leiter seit Anbeginn beim Medientag im Hard-Rock-Café in München. Der Stuttgarter erinnert sich noch genau an die Anfänge von "Rock meets classic", als er mit seiner Band beim 50. Geburtstag des Produzenten Manfred Hertlein, seinem allerersten Manager, spielte. "Der sagte damals: Lass' uns doch wieder mal etwas Gemeinsames machen. Einen anderen Manager hatte ich schon, also hoben wir Rock meets classic aus der Taufe."

Wunderbare Symbiose

Zunächst im kleineren Rahmen. Nach dem Testlauf 2010 stieß aber Ian Gillan dazu. "Das war der eigentliche Startschuss und hob uns alle sofort auf ein höheres Niveau und öffnete uns Deutschlands große Hallen. Die Symbiose von Rockmusik und Orchester funktioniert einfach wunderbar. Und mit Ian Gillan ist es uns gelungen, dieses Format zu etablieren", resümiert Sinner. Natürlich wird immer wieder an Stellschrauben gedreht. "Die Vorbereitungen ziehen sich über ein halbes Jahr hin. Wir sprechen mit vielen Künstlern und überlegen uns, welche Musik passen würde." "Wir" - das sind Matt Sinner, sein jeweiliger Keyboarder und der Dirigent des Symphonie-Orchesters. Und dessen Name hat in Bamberg einen besonderen Klang, weil er hier aufgewachsen und ins Gymnasium gegangen ist: Bernhard Wünsch (53), Sohn des früheren Domorganisten und Domkapellmeisters Wolfgang Wünsch und einst Assistent von Symphoniker-Intendant Rolf Beck. Wünsch hat im März 2019 wie schon bei früheren Rock-meets-classic-Gastspielen wieder ein Heimspiel.

"Bei rund 50 Künstlern fängt die Auswahl an", umschreibt Matt Sinner das jährliche Prozedere. "Manche wollen wir haben, andere wollen unbedingt zu uns. Mitunter vergeht ein Jahr an Verhandlungen, bis es zur Unterschrift kommt. Die Vorstellungen mancher US-Agenten sind einfach utopisch."

Zur zehnten Auflage kam ein Line-up zusammen, das es auf deutschen Bühnen noch nicht zu sehen gab: Neben Ian Gillan wirken Kevin Cronin (von "REO Speedwagon") und Mike Reno (von "Loverboy") mit. Ihr 50. Bühnenjubiläum zelebrieren Scott Gorham von "Thin Lizzy" sowie Andy Scott und Pete Lincoln von "The Sweet".

Andy Scott (70) kennt "Rock meets Classic" von früheren Tourneen. "Leider können wir nicht in Urbesetzung auftreten, weil einige nicht mehr unter uns sind. Aber solche Classic-Tourneen sind wie das Treffen von Schulfreunden, weil man sich seit Jahrzehnten kennt." Die gemeinsame Runde Schnaps vor und nach dem Konzert gehört schon zum Ritual. "Da herrscht richtig Party."

Lob für deutsche Fans

Für Sweet-Musiker Andy Scott ist die Rückkehr nach Deutschland stets eine Besonderheit. "Die Deutschen hatten immer verstanden, was ihnen Sweet-Musik wert ist." Scott: "Wir hatten es in der Vergangenheit selbst mit klassischem Anstrich probiert. Popmusik klingt mit Orchester so massiv. Das Orchester verbreitet eine besondere Botschaft und macht die Songs vielfältiger. Heuer nehmen wir neben ,Fox on the run' und ,Ballroom Blitz' auch noch ,Blockbuster' hinzu. Ich bin gespannt, was das Orchester daraus macht." Und wegen seiner Vorliebe zu Deutschland und den Brexit-Bestrebungen im Vereinigten Königreich entfuhr Andy Scott noch ein Stoßseufzer: "Gebt mir einen deutschen Pass."

Den braucht Anna Maria Kaufmann nur bedingt. Obwohl Kanadierin sind die deutschen Wurzeln der Sopranistin, die an der Seite von Peter Hofmann in "Das Phantom der Oper" zu Weltruhm gelangte, evident. Für sie geht nach eigenem Bekunden ein Jugendtraum in Erfüllung, zu "Gitarre und Rockband zu singen". Ihr Programm für die 14 Shows in ganz Deutschland und der Schweiz? "Ich singe ,Phantom der Oper' und ,Nothing else matters' von Metallica auf jeden Fall. Der Rest wird noch abgestimmt." Soll auch nicht verraten werden, wie Mat Sinner meint: "Wir geben heute nicht die ganze Setlist bekannt."

Gemeinsam von Stadt zu Stadt

Auf jeden Fall werden es Songs aus einer CD sein, die Anna Maria Kaufmann jüngst mit Rockballaden eingespielt hat, wie sie verriet. Und was hört sie so unterm Kopfhörer? "Aerosmith, Metallica, Motörhead, aber auch Heart", gab die Sopranistin im perfekten Deutsch preis, auch dass sie mit all den anderen Herrschaften im Tour-Bus von Stadt zu Stadt, von Hotel zu Hotel tingeln werde. "Ich freue mich besonders auf Ian Gillan, wenn ich mit ihm als Deep-Purple-Legende auf der Bühne stehe. Und wenn wir nach Bamberg kommen und Bernhard Wünsch führt uns, dann bin ich natürlich auch dabei." Aktuell lebt sie in München. "Ich pendele ständig zwischen München und Hamburg und dazwischen geht's auch mal nach Berlin."

Zur Show selbst sagte Matt Sinner als "Dramaturg", dass es erneut eine Bombast-Produktion werden wird, bei der alle Register gezogen werden. "Die Vorstellungs-Videos zu den einzelnen Künstlern auf den LED-Wänden sind im Vorjahr bestens angekommen, so dass wir das wieder ins Programm genommen haben."



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