Wiesen

Bärlauch, Obstler und Gehängte

Hildegard Wächter führte ihre Gruppe über Stock und Stein nach Döringstadt.
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Auch wenn Wanderführerin Hildegard Wächter öfter mal im Wald stand, so hatte das doch immer seinen Sinn. Hier steht sie an einstigen Grenzmarkierungen. Fotos: Markus Häggberg
Auch wenn Wanderführerin Hildegard Wächter öfter mal im Wald stand, so hatte das doch immer seinen Sinn. Hier steht sie an einstigen Grenzmarkierungen. Fotos: Markus Häggberg
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Ob die bald 30 Wanderer am Nachmittag wirklich stärker waren als bei Streckenantritt um 10 Uhr morgens? Immerhin versprach der Auftakt der Genusswanderungen 2019 den Programmpunkt "Bärenstark ins neue Wanderjahr!". Ein Tag zwischen Vitaminen, Geschichten und allerlei Anhöhen.

Bestes Wetter zum Frühlingsanfang, Treffpunkt an der Kirche. Dort stand schon Hildegard Wächter, eine Frau in Doppelfunktion. Wächter ist Genusswanderin und Genussbotschafterin, tüftelt seit einigen Jahren für den Kur- & Tourismus-Service Bad Staffelstein an Höhepunkten für Wanderstrecken, die dann zum Kulturprogramm der Stadt Bad Staffelstein gehören. 15 Touren zwischen zehn und 13 Kilometern Distanz wird sie zwischen März und Dezember vor sich haben. Am Mittwoch führte sie die erste an.

Eine reizvolle Strecke

Das Ziel lag dabei in Döringstadt, denn dort sollte Angelika Herbst für die Eintreffenden auftafeln. Was bis dahin vor den Wanderern lag, war eine reizvolle Strecke entlang eines Höhenzugs an der Grenze zum Coburger Landkreis, eine einstmals im Mittelalter dienende Handelsmagistrale zwischen Hallstadt und Erfurt tangierend. Sie führte auch durch Waldgebiete, und als diese jeweils bewältigt waren, stand wieder freie Sicht offen. Das Tal, welches sich dann zur linken Hand zeigte, war sonnenbeglänzt und bot reizvolle Sicht auf den Staffelberg, nach Banz, Vierzehnheiligen und den Veitsberg. Zwei leicht schaurige Stationen hielt die Strecke vor Eintreffen in Döringstadt auch vor, einer davon war eine Richtstätte, an der vor Jahrhunderten für Mord schuldig befundene Menschen aufgehängt wurden. Ein historischer Ort, zu dem zwei verwitterte Eichen den Rahmen bieten und zu dessen Vergangenheit sich Hildegard Wächter kundig gemacht hatte. "Hier saß ich mal im Winter und hab' tolle Fotos gemacht", erinnerte sich ein Wanderteilnehmer an seinen eigenen Bezug zu dieser Stätte.

Man bringt sich auch mal was mit

Wenig später sollte ein Wanderer, der schon traditionell mitgeht, eine eigene Verkostung anbieten - weitab von Bärlauch. Es war ein Obstler. Auch das kennzeichnet mittlerweile die Genusswanderungen: Man kennt sich, man bringt sich auch mal was mit.

Nach wohl zehn Kilometern war das Ziel erreicht. Bei Familie Herbst in Döringstadt kehrte man schon im Vorjahr ein. Angelika Herbst ist selbst Genussbotschafterin, zudem Hauswirtschaftsmeisterin und Ernährungsfachfrau des Bayerischen Bauernverbands. An wohl fünf Veranstaltungen pro Jahr, unter anderem dieser am Mittwoch, nimmt sie selbst bewirtend teil. Mit von der Partie dann ihre Kinder und ihre Schwiegermutter, in der Küche vorbereitend.

Serviert wird allerdings in einem einstigen Stall, der ein Sandsteinbau ist und gastlich umfunktioniert wurde. Doch was aufgetischt wurde, war mit Hildegard Wächter abgestimmt und drehte sich um Bärlauch. Bärlauch-Bruschetta, Bärlauch-Pesto, Bärlauch-Senf und eine Art Konfitüre, gleichfalls mit Bärlauch als einem Bestandteil. Der Ort, an dem er gezupft wurde, war der Staffelberg.

Die Wanderer jedenfalls zeigten sich begeistert und hatten bald nach Aufbruch wieder eine Anhöhe zu bewältigen. "Es ist erstaunlich, wie man so etwas in Gesellschaft problemlos bewältigt. Man läuft halt so und läuft halt so und quatscht, naja und dann ist es geschafft", so eine Wanderin zu diesem Umstand. Nach fünf Stunden kehrte der Tross zum Ausgangspunkt in Wiesen zurück.

Der Auftakt der Genusswandersaison dürfte als gelungen gelten.

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