Coburg

Azubi, verzweifelt gesucht

Wenn im September das neue Ausbildungsjahr beginnt, bleiben in Stadt und Landkreis Coburg etliche gewerbliche Ausbildungsplätze frei. Das Handwerk kämpft mit einem Imageproblem.
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In drei Wochen beginnt das Ausbildungsjahr. Einige Branchen, etwa das Bauhandwerk, suchen noch dringend Auszubildende.
In drei Wochen beginnt das Ausbildungsjahr. Einige Branchen, etwa das Bauhandwerk, suchen noch dringend Auszubildende.
"Es ist schwierig, sehr schwierig, gewerbliche Auszubildende zu finden." Christine Schirrmacher von der Untersiemauer Unternehmensgruppe Angermüller Bau kann die Frustration angesichts der aktuellen Ausbildungssituation nur schwerlich verbergen.
Bei der Internet-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer für Oberfranken bietet das Familienunternehmen mit rund 400 Mitarbeitern mehrere Ausbildungsplätze in verschiedenen Bauberufen an. Trotz des verstärkten Auftritts bei Ausbildungsmessen für Schulabgänger, großformatigen Plakaten an den Firmenstandorten und an jeder größeren Baustelle sind die Bewerbungen für Maurer-, Baugeräteführer- oder Straßenbauerausbildungen rar.
Am 1. September starten die meisten Berufseinsteiger ihre Ausbildung. Viele Betriebe hoffen, in den nächsten Tagen und Wochen ihre freien Lehrstellen noch besetzen zu können - gleichwohl ist und bleibt es für einige Handwerksbranchen ein mühevolles, oft vergebliches Unterfangen. Die Internetseite der Handwerkskammer in Bayreuth listet für den Regierungsbezirk Oberfranken etwas mehr als 500 freie Lehrstellen in Handwerksberufen auf. Land- und Baumaschinen- sowie Kfz-Mechatroniker werden gesucht, Lebensmittel-Fachverkäufer können ebenso kurzfristig im September mit der Ausbildung beginnen.
Christian Broßmann von der Industrie- und Handelskammer zu Coburg hat für die Stadt und den Landkreis Zahlen. So gibt es nach den Worten des stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführers im Landkreis Coburg derzeit etwas mehr als 600 gemeldete Lehrstellen, in der Stadt Coburg sind es über 722 in Industrie und Handel. Die IHK zählt nahezu 600 Bewerber für Lehrstellen im Landkreis und 238 Bewerber in der Stadt Coburg.


Überschneidungen

Keinen Ausbildungsplatz haben danach 143 (Landkreis) und 79 (Stadt Coburg) junge Leute. Darüber hinaus seien 128 Lehrstellen in Coburg aktuell noch unbesetzt. "Die Zahlen lassen sich nicht einfach aufrechnen", sagt Broßmann, "da es Mehrfachbewerbungen und -zusagen gibt. Bis 1. September gibt es erfahrungsgemäß noch viel Bewegung."
Nach wie vor sind die Sympathien für verschiedene Handwerksberufe bei den jungen Leuten unterschiedlich ausgeprägt. "Gastgewerbe und Hotellerie suchen verstärkt Nachwuchskräfte, aber auch Kaufleute im Einzelhandel und Berufskraftfahrer sind vielerorts gefragt", weiß Broßmann. Die im Coburger Land und am Obermain stark vertretene Möbelindustrie finde nur schwer Polsterer und Dekorationsnäher. Hingegen seien die klassischen Bürojobs stark nachgefragt.
Mit teils ungewöhnlichen Methoden und auch attraktiven Verdienstmöglichkeiten versuchen die Firmen, neue Mitarbeiter und Nachwuchs zu gewinnen. So war vor einigen Tagen ein DIN A4-Blatt der Tageszeitung beigelegt. Darauf ein sogenannter QR-Code und die Aufforderung, "Scannen Sie diesen CR-Code nur, wenn Sie eine examinierte Pflegefachkraft sind." Dahinter verbarg sich der Regionalverband Coburg des Arbeiter-Samariter-Bundes.
"Wir müssen die jungen Leute dort abholen, wo sie sich aufhalten, in sozialen Netzwerken, mit Kinospots und eben solchen digitalisierten Kampagnen", sagt ASB-Geschäftsführer Thomas Schwesinger. Der Erfolg gibt ihm recht: Bis auf einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege sind alle Stellen besetzt.
Andere Firmen gehen andere Wege und locken, wie etwa Verpa in Weidhausen mit einem Auto nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Der Polstermöbelhersteller Koinor in Michelau schenkt jedem neuen Azubi nach der erfolgreichen Probezeit ein Tablet.
Zuschüsse zum Führerschein gewähren manche Unternehmen oder unterhalten Betriebsbusse, um den Mitarbeitern den Weg zu Arbeit abzunehmen. Die großen Industriebetriebe tun sich mit attraktiven Angeboten leichter bei der Mitarbeiter-Akquise.


Wandel im Ansehen

Viele Berufe haben mit einem falschen Image zu kämpfen: "Der Pflegeberuf wird in den nächsten Jahren immer wichtiger und wertiger", sagt ASB-Geschäftsführer Thomas Schwesinger selbstbewusst. Nach der dreijährigen Ausbildung sei die Übernahme garantiert und die Bezahlung stimme.
Ähnlich äußert sich auch Christine Schirrmacher von Angermüller Bau: Dass die Leute vom Bau im Winter "stempeln" müssten, "das gehört seit zehn Jahren der Vergangenheit an". Auch könne sich die Vergütung sehen lassen. Der Wettbewerb der Branchen und Betriebe um die Mitarbeiter ist in vollem Gang.
Schon jetzt sind Lehrstellen für den Herbst nächsten Jahres ausgeschrieben.
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