Burkheim

Autor, Prediger und Reformer

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold berichtete über das Leben und Wirken von Leopold Stein, der als Rabbiner in Burgkunstadt und Frankfurt seelsorglich tätig war.
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Auch die große jüdische Gemeinde in Altenkunstadt mit der 1726 errichteten Synagoge (Bild) gehörte zum Sprengel von Leopold Stein. Seinen Amtssitz hatte der Rabbiner in Burgkunstadt.  Foto: Bernd Kleinert
Auch die große jüdische Gemeinde in Altenkunstadt mit der 1726 errichteten Synagoge (Bild) gehörte zum Sprengel von Leopold Stein. Seinen Amtssitz hatte der Rabbiner in Burgkunstadt. Foto: Bernd Kleinert

Über das Leben und Wirken von Leopold Stein, der als Rabbiner in Burgkunstadt und Frankfurt seelsorglich tätig war, informierte Günter Dippold bei einem Vortragsabend der Bezirksgruppe des Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW).

Dippold erinnerte an den 5. November 1810, als Leopold Stein in Burgpreppach in den Haßbergen als jüngstes von sieben Kindern das Licht der Welt erblickte. Im Alter von 14 Jahren kam er an die Jeschiwa in Fürth. "Es handelte sich dabei um eine Talmudschule, in der begabte männliche Jugendliche an das Studium der Thora, also der fünf Bücher Mose, und der kommentierenden Begleitschriften, eben des Talmud, herangeführt wurden", erklärte der Bezirksheimatpfleger. Im August 1834 legte er in Bayreuth die Prüfung als Rabbiner ab. Im Jahr darauf wurde der 25-Jährige als Distriktsrabbiner nach Burgkunstadt berufen.

Das 1813 erlassene Judenedikt hatte jedoch das Amt des Rabbiners komplett verändert. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren jüdische Geistliche nicht nur Gelehrte der Thora und des Talmud, in vielen Territorien übten sie auch die Zivilgerichtsbarkeit unter den Juden aus. "Das Judenedikt jedoch sprach Rabbinern jegliche Richterfunktion kategorisch ab und glich sie in ihrer Aufgabe christlichen Geistlichen an", sagte der Redner. Stein, der anfangs nur provisorisch angestellt war, beantragte Ende 1838 seine "definitive Anstellung" als Rabbiner. "Er hatte nämlich in diesem Jahr in Würzburg die 18-jährige Eleonore Wertheimer kennengelernt. So wie ein Dorflehrer oder ein evangelischer Geistlicher war auch ein Rabbiner verpflichtet, den dauerhaften Unterhalt einer Familie nachweisen zu können", erläuterte Dippold.

Stein wurde fest angestellt, so dass er am 2. Mai 1839 "seine Eleonore" heiraten konnte. Vier Söhne und drei Töchter gingen aus der Ehe hervor. Während seiner Burgkunstadter Zeit beschäftigte sich Leopold Stein mit praktischen Fragen der Reform, darunter auch im liturgischen Bereich.

Dem Bezirksheimatpfleger zufolge publizierte er 1840 in Erlangen den ersten Teil eines deutschsprachigen Gebetbuchs. Auf 134 Seiten enthielt es Lieder, Gebete und liturgische Texte für das jüdische Neujahrsfest (Rosch ha-Schana) und den Versöhnungstag (Jom Kippur). "Mit seinen Reformideen dürfte Leopold Stein in Burgkunstadt und Altenkunstadt, den beiden großen Gemeinden seines Amtssprengels, überwiegend Beifall geerntet haben, denn dort hatte man sich längst dem Gedankengut der Aufklärung geöffnet", sagte der Referent.

In seiner seelsorglichen Arbeit soll er sich besonders den jungen Männern gewidmet haben. Doch gerade sie verließen während seiner Burgkunstadter Jahre scharenweise ihre Heimat und wanderten in die USA aus. Trotzdem waren die jüdischen Gemeinden am Obermain noch immer von beachtlichem Umfang, was 1837 zur Erweiterung des jüdischen Friedhofs am Ebnether Berg führte. "Das Renommee, das Stein sich durch sein schriftstellerisches Wirken, sein Netzwerk innerhalb der liberalen Rabbinerschaft und durch seine Rednergabe erarbeitet hatte, ist wohl der Grund, weshalb er Ende 1843 nach Frankfurt berufen wurde", führte Dippold aus. Im Mai 1844 trat er dort sein Amt als zweiter Rabbiner an. Stein genoss in Frankfurt großes Ansehen.

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