Haßfurt

Autofahrer hat Glück im Unglück

Das Amtsgericht Haßfurt stellte das Verfahren gegen einen 57-jährigen Unfallverursacher ein.
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Das Fest der Liebe endete für einen 57-Jährigen aus dem Maintal im vergangenen Jahr im Streit mit seiner damaligen Freundin, die ihn schließlich am 26. Dezember nach Mitternacht vor ihre Wohnungstür setzte. Es sollte nicht das einzige Malheur sein, das dem Mann an diesem Feiertag widerfuhr.
Voller Frust setzte er sich an das Steuer seines BMWs und fuhr ziellos weg. Dabei rammte er den VW Golf eines Nachbarn, der sein Auto an der rechten Straßenseite geparkt hatte. Durch den Aufprall wurde der Golf gegen eine Mauer geschoben. Es entstand ein Schaden von rund 3000 Euro am VW des Nachbarn sowie etwa 500 Euro Schaden an der Mauer. Der Unfallverursacher suchte das Weite, ohne sich um die Schäden zu kümmern.


Fast zwei Promille

Am Vormittag des 26. Dezember informierten Passanten die Polizei, dass ein beschädigter BMW auf einem Parkplatz in Haßfurt stehe. Die Polizeistreife traf dort auf den Unfallverursacher und bemerkte Alkoholgeruch. Eine Blutprobe ergab einen Alkoholpegel von 1,93 Promille im Blut des 57-jährigen Fahrers. Die Folge: Der BMW-Fahrer bekam einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und Fahrerflucht.
Über seinen Anwalt Jürgen Borowka legte er Einspruch ein und musste sich daher am Mittwoch vor dem Amtsgericht Haßfurt in einer Hauptverhandlung rechtfertigen. Dort wies er darauf hin, dass der Unfall in der Nacht und nicht - wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwarf - vormittags um 10.45 Uhr passiert sei. Die Überwachungskamera am Haus des Geschädigten habe den Aufprall akustisch aufgezeichnet, sagte er. Der Grund des Unfalls sei ein platter Reifen gewesen, durch den das Fahrzeug nach rechts gezogen habe. Den hohen Alkoholwert habe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht intus gehabt. Er sei weitergefahren zum Parkplatz und habe erst dort eine Flasche Rotwein und eine Drittel-Flasche Weißwein aus Frust über sein ruiniertes Leben getrunken. Am Morgen habe er dann bei Campern Kaffee getrunken und sie gebeten, die Polizei zu verständigen, erklärte der Angeklagte weiter.


Schuld nicht nachzuweisen

Da das Gericht dem Angeklagten eine Trunkenheit zum Unfallzeitpunkt nicht nachweisen konnte und die Anklageschrift fehlerhaft war, wurde das Verfahren eingestellt. Als Auflage muss der Angeklagte, der in seinem Leben noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, 1000 Euro an das Bayerische Rote Kreuz berappen. Sichtbare Freude kam bei ihm auf, als ihm die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, noch im Gerichtssaal seinen Führerschein, den er am Tattag abgeben musste, ausgehändigt hatte.
Wenig erfreut war der Geschädigte. Der VW-Besitzer sagte im Zeugenstand aus, dass er bis heute auf seinen Kosten sitzen blieb und für die Behebung der Schäden einen Kredit aufnehmen musste.


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